Sport & Spaß

Berlin für alle - Neun Tipps für ungewöhnliche Sportarten

Sie sind neu in Berlin oder wollen die Stadt noch besser kennenlernen? Die Berliner Morgenpost verrät Sportarten mit hohem Spaßfaktor.

Zwei Blackminton-Spieler, die sich mit fluoreszierender Farbe bemalt haben, leuchten im Schwarzlicht

Zwei Blackminton-Spieler, die sich mit fluoreszierender Farbe bemalt haben, leuchten im Schwarzlicht

Foto: Speedminton GmbH / picture alliance / dpa

FÜR ANFÄNGER

„MountMitte“ – ein Ort für Gipfelstürmer

Dass Berlin nicht gerade die Stadt der hohen Berge ist, weiß jeder. Auf „MountMitte“ in der Nähe des Nordbahnhofs können Kletterer dennoch ein Gefühl von Höhenrausch erleben. Der moderne Hochseilgarten misst in der Spitze 13 Meter. Auf drei Ebenen warten mehr als 90 Kletterelemente darauf, bezwungen zu werden.

Die verschiedenen Parcours haben unterschiedliche Schwierigkeitsstufen. Die leichteren heißen etwa „Brocken“, schwerer wird es beim „Everest“. Einer der Höhepunkte ist die „SkySwing“. Auf der elektrisch betriebenen Schaukel werden die Besucher acht Meter in die Höhe gezogen – und müssen sich dort selbst ausklinken.

Nicht weniger Adrenalin erzeugt der „SkyFall“, ein Sprung von der Spitze von „MountMitte“. Dort warten übrigens auch ein Trabi und ein VW-Käfer als Rückzugsort für eine Pause. Die ausrangierten Fahrzeuge sind eine Reminiszenz an die Lage des Kletterparks, der sich direkt am ehemaligen Mauerstreifen befindet.

Natürlich wird Sicherheit groß geschrieben, vor der Kletterpartie gibt es eine ausführliche Einweisung. Die Mindestgröße beträgt 1,30 Meter, Kinder bis 13 Jahre dürfen nur in Begleitung eines Erwachsenen klettern.

Caroline-Michaelis-Straße 8, Mo.-Fr., ab 14 Uhr, Sbd.+So., ab 10 Uhr, letzte Einweisung zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Tickets zwischen 15 und 21 Euro

Hinter den Kulissen des Olympiastadions

Normalerweise wird dieser Ort von Zehntausenden Fußballfans bewohnt, die Hertha BSC anfeuern. Oder von Musikfans bei großen Konzerten. Doch das von den Nationalsozialisten erbaute Olympiastadion hat auch abseits von Großveranstaltungen einiges zu bieten, nicht umsonst kommen jährlich 300.000 Besucher.

Wer einen Blick hinter die Kulissen werfen will, kann an einer Stadion-Tour teilnehmen. Auf der rund einstündigen Führung geht es in die Umkleidekabinen der Sportler, die VIP-Lounge oder die unterirdische Aufwärmhalle. Ganz nah kommt man der Tartanbahn, wo der Jamaikaner Usain Bolt 2009 Weltrekord über die 100 Meter lief.

Oder der Stelle, an der Zinedine Zidane mit einem Kopfstoß seine Karriere beendete. Dazu gibt es Infos zur Historie des Stadions, etwa über die Olympischen Spiele 1936. Darüber hinaus können spezielle Touren gebucht werden. Etwa die Hertha-Tour, bei der auch die Kapelle gezeigt wird, in der manche Fans vor Anpfiff ein Stoßgebet zum Fußballgott senden.

Eine Voraussetzung für die Teilnahme: „Es ist untersagt, das Stadion im angetrunkenen Zustand zu betreten.“ Für die Junggesellenabschiedstour eine Herausforderung. Nach der Tour lässt es sich noch im Olympiapark verweilen. Und wer weiß, vielleicht traninert auch gerade Hertha BSC.

Mehr Informationen unter olympiastadion-berlin.de/stadion-besucherzentrum/besichtigungen-und-fuehrungen

Gelände-Schach mit Kugeln

Als die französischen Alliierten Berlin 1994 endgültig den Rücken kehrten, hinterließen sie der Stadt ein sportliches Vermächtnis. Das Boulodrôme in Tegel, wo die hohen Tiere der französischen Armee sich einst dem gemütlichen Kugelwerfen hingaben, wurde 1967 erbaut und ist heute mit 8250 Quadratmetern die größte Spielfläche für Boule in Europa.

Inzwischen gehört es dem „Club Bouliste de Berlin“, der bald die letzte Rate für sein Boulodrôme abbezahlt haben wird. Nach dem Abzug der Franzosen hatte zunächst das Bundesfinanzministerium die Anlage übernommen, seit 1996 hat der Verein das Sagen. Und Großes vor: Aus den aktuell 52 Spielbahnen sollen 64 werden. Für die kalte Jahreszeit steht seit der Jahrtausendwende eine Halle mit acht Bahnen zur Verfügung.

Jeden Sonnabend gibt es Turniere, zuletzt etwa den „Großen Preis von Berlin“. Jedermann ist willkommen und darf die ersten Male umsonst spielen, auch Kugeln können ohne Gebühr ausgeliehen werden. Bis heute ist der Verein nach eigene Angaben Beggegnungsstätte vieler in Berlin lebender Franzosen. Die rund 120 Mitglieder stammen aus acht Nationen.

Was die Faszination des Spiels mit den großen und der kleinen Kugel ausmacht, kann Burkhard Klein erklären. „Es ist hoch taktisch“, sagt der Sportwart, der schon seit über 20 Jahren Mitglied ist. „Boule ist wie Gelände-Schach“. Und schone den Körper, deshalb sei der Sport besonders bei älteren Semestern beliebt.

Rue de Doret 8, geöffnet Mo.-Fr., ab 16 Uhr, Sbd., ab 12 Uhr, So., ab 10.30 Uhr

FÜR FORTGESCHRITTENE

Relikt aus goldenen Zeiten

Dieser Flecken Berliner Sporttradition befindet sich tief im Süden der Stadt. Seit mehr als 100 Jahren drehen die Traber mit ihren Sulkys auf der Trabrennbahn Mariendorf ihre Runden. 1913 eröffnet, erlebte die Sportstätte während des Wirtschaftswunders in den 50er-Jahren ihre beste Zeit. Zur Berlinale wurden Prominente wie Romy Schneider, Lilo Pulver oder Gina Lollobrigida auf den Zuschauertribünen gesichtet – oder stiegen sogar selbst in einen Sulky.

Mit der Wende gingen die Einnahmen konstant zurück, ein Verkauf konnte von der Politik gerade verhindert werden. Heute hält sich die Rennbahn nur dank der Unterstützungen des Unternehmers Ulrich Mommert am Leben. Vom Glanz der alten Tage ist nicht viel geblieben, dafür aber der Charme. Sicher, die Anlage könnte dringend die eine oder andere Renovierungsarbeit vertragen.

Aber wer einmal durch die verrauchten Gänge im Erdgeschoss gelaufen ist, vorbei an den älteren Herren, die sich an ihren Biergläsern festhalten und über Wettquoten fachsimpeln, weiter zum Wettschalter, fünf Euro auf ein Pferd namens „Helms Klamm“ gesetzt und gewonnen hat, der kommt garantiert wieder. Und sei es zur Derby-Woche, die jedes Jahr im Juli stattfindet und ein Stück weit an die goldenen Zeiten von damals anknüpfen kann.

Mariendorfer Damm 222, mehr Informationen unter berlintrab.de

Federbälle leuchten in der Nacht

Es sind kleine, neonfarbene Flugobjekte, die nachts durch die Luft zischen: Blackminton, eine schnellere Variante des Federballs namens Speedminton, bei dem Spielgeräte und Spieler mit Leuchtfarbe bemalt sind. Erfunden wurde Speedminton von einem Seemann, der einen Federball gesucht hatte, der nicht windanfällig ist.

In der Folge entwickelte er neue, schwerere Bälle, die bis zu 300 Stundenkilometer schnell werden. Heute wird die leuchtende Variante Blackminton oft auch in Hallen unter Schwarzlicht gespielt. Die Idee hat sich verbreitet, inzwischen leuchten auch Sportarten wie Bowling, Tischtennis oder Minigolf.

Mehr Infos unter speedminton.de

„Gettoworkout“ im Park am Gleisdreieck

Der Name ist weniger gefährlich, als er klingt: „Get to work out“ – mach dich ans Training. „Im Prinzip bedeutet es, dass es ein Training mit urbanem Charakter ist, das man überall machen kann“, erklärt Trainer Markus Fritschi. Überall bedeutet in diesem Fall im Park am Gleisdreieck. Viermal wöchentlich laden Fritschi und seine Kollegen in die Grünanlage und bringen die Teilnehmer ins Schwitzen. Im Vordergrund stehen Übungen für Kraft und Kondition, die ohne Geräte absolviert werden. Nach den 60 Minuten ist man in der Regel k.o.

Mehr Informationen unter gettoworkout.com/teams-workoutzeiten/berlin

FÜR PROFIS

Schwules Team mit harten Kerlen

Rugbyspieler gelten als harte Kerle, die ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit in ihre Gegner rennen. Echte Männer also – und keine Homosexuellen. Genau diesem Vorurteil begegnet seit einigen Jahren Deutschlands erstes schwules Rugbyteam, die „Berlin Bruisers“. Was einst als Schnapsidee in einer Kneipe geboren wurde, ist inzwischen ein ernstzunehmendes Projekt. Die „Bruisers“ trainieren dreimal wöchentlich auf dem Tempelhofer Feld oder im Tiergarten und spielen in der Regionalliga Ost.

„Wir wollen mit den typischen Stereotypen brechen“, sagt der Engländer Adam Wide. Rugby sei dafür der ideale Sport, weil er so facettenreich sei. Für den Kontaktsport mit 15 Spielern braucht es nämlich alle Typen: große, kleine, kräftige, schnelle und wendige. Mitspielen darf jeder, schwul zu sein ist keine Bedingung. Im 40 Mann starken Kader stehen acht Heterosexuelle.

Bevor in drei Wochen die Saison beginnt, veranstalten die „Bruisers“ am 27. und 28. August das „Berlin Bash About“, das größte Amateurturnier Europas. Dort stellte das Team in der Vergangenheit einen Guinness-Rekord auf: 237 Pässe in drei Minuten. „Womöglich wird er dieses Jahr gebrochen“, sagt Wide.

Mehr Infos unter berlin-bruisers.com

Trainieren wie im 14. Jahrhundert

Auch im frühen 14. Jahrhundert waren sportliche Höchstleistungen gefragt. Zumeist waren sie aber mit Blutvergießen verbunden. Weniger tödlich geht es heute bei der „Berliner Rittergilde“ zu. Die Gruppe ist nach eigenen Angaben die größte für mittelalterliche Schaukämpfe in Berlin und Brandenburg. Dabei geht es weniger um Flucht aus der Realität, als um eine Freizeitmöglichkeit der ausgefallenen Art.

Gepaart mit dem Interesse an der Zeit von damals, erklärt Veranstalter Frank Berliner. Zum Training mit Langschwert, Speer oder Pfeil und Bogen ist jeder willkommen, der das jeweilige Mindestalter erfüllt. Wichtig ist vor allem der nötige Schutz, denn auch wenn die Waffen stumpf sind, ist die Verletzungsgefahr groß.

Schutz für Hände und Kopf ist deshalb Pflicht, nach Wunsch hilft die Gilde auch bei der Beschaffung einer echten Ritterrüstung. Gekämpft wird dann nicht auf Leben und Tod, sondern nach einem Punktesystem, ähnlich dem olympischen Fechten. Das Training findet jeden Sonntag abwechseln in der Schönholzer Heide oder auf der Burg Storkow statt. Die ersten zweiten Monate sind kostenlos, danach entscheidet die „Rittergilde“, ob man sich würdig erwiesen hat. Für dann zehn Euro im Monat steht der Ausbildung zum wahrhaftigen Ritter nichts mehr im Weg.

Anmeldung und Kontakt unter berliner-rittergilde@gmx.de

Kneipen-Ping-Pong und Kontaktbörse

Party und Sport – das eine schließt das andere nicht aus. Zahlreiche Kneipen in Berlin haben sich dabei auf Tischtennis spezialisiert. Und auch wenn Deutschlands Olympioniken in Rio de Janeiro gerade nicht besonders erfolgreich sind, boomt das Kneipen-Ping-Pong in der Hauptstadt. Da gibt es das „Madame Claude“ in Kreuzberg, das „Zimt & Zunder“ in Friedrichshain oder das „Schmittz“ in Mitte.

Am populärsten dürfte aber das „Dr. Pong“ in Prenzlauer Berg sein, dass 2004 den Anfang machte. In der etwas heruntergerockten Location mit den nackten, vollgeschmierten Betonwänden wird zu Elektromusik vor allem „Rundlauf“ gespielt, im Volksmund auch als „Ringelpiez“ bekannt. Jeder schnappt sich einen Schläger und Reih’ um wird der Balls über das Netz gespielt.

Wer einen Fehler macht ist raus, die letzten beiden Spieler liefern sich ein Duell bis drei Punkte. Danach geht das Ganze wieder von vorne los. Oft bis in die frühen Morgenstunden. Und nicht immer geht es nur um den Spaß an der Sache. Manche Spieler sind so ehrgeizig, dass sie ihre Gegner gnadenlos aus dem Spiel schmettern.

Für andere wiederum ist die Platte eine Kontaktbörse und die Tanzfläche im „Dr. Pong“ die nächste Anlaufstation. „Cool daran ist, dass es ein Spiel ist, dass du mit einem Bier in einer Hand und dem Schläger in der anderen spielen kannst“, resümiert der US-Amerikaner Oliver Miller, der Gründer von „Dr. Pong“. Sein Ziel: Die Grenzen zwischen Sport und Party aufheben.

Dr. Pong, Eberswalder Straße 21, täglich geöffnet ab 20 Uhr

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