Wintersemester 2016/17

Berliner Unis beliebt wie nie – Zahl der Bewerbungen steigt

Für das Wintersemester 2016/17 haben die Berliner Universitäten deutlich höhere Bewerberzahlen als im Vorjahr gemeldet.

Volle Hörsäle: Das wird an Berliner Universitäten zum Normalzustand

Volle Hörsäle: Das wird an Berliner Universitäten zum Normalzustand

Foto: Felix Heyder / dpa

Der Run auf die Berliner Hochschulen hält an. Die Freie Universität (FU), die Humboldt-Universität (HU) und die Technische Universität (TU) melden für das kommende Wintersemester Bewerbungszahlen, die teils sehr deutlich über denen des Vorjahres liegen. An der HU etwa gab es 51.400 Bewerbungen für die zulassungsbeschränkten Bachelor-Studiengänge, teilte die Studienabteilung der Hochschule auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit. Das ist ein Plus von rund 25 Prozent im Vorjahresvergleich.

Die Nachfrage übersteigt das Angebot um ein Vielfaches, denn in Bachelor-Fächern mit Numerus clausus (NC) stehen 3853 Plätze zur Verfügung. Das beliebteste Fach an der HU war die Psychologie - auf einen der 110 Studienplätze kamen knapp 51 Bewerber. Auf Rang zwei lag die traditionell gefragte Betriebswirtschaftslehre (4700 Bewerber/190 Plätze), auf Platz drei Rechtswissenschaften (4200/480).

BWL, Psychologie und Jura besonders beliebt

Das hohe Plus bei den Bewerbungen erklärt Steffan Baron, Leiter der HU-Studienabteilung, auch mit einer Änderung der Hochschulzugangsverordnung: „Bewerber konnten erstmals drei gleichberechtigte Zulassungsanträge stellen, während bislang nur ein Haupt- und ein Hilfsantrag möglich waren.“ Am Ende müssen sich die Interessenten für ein Fach entscheiden. Auch das führt dazu, dass die Hochschulen in einzelnen Fächern „überbuchen“, also mehr Zulassungsbescheide versenden, um so eine möglichst hohe Auslastung zu erreichen.

Auch die FU kann steigende Zahlen verbuchen. Für das Wintersemester sind hier für zulassungsbeschränkte BA- und Staatsexamens-Studiengänge insgesamt 33.962 Bewerbungen eingegangen, sagt FU-Sprecher Goran Krstin – ein Plus von knapp 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 5.274 Studienplätze stehen im Winter an der FU in den BA- und Staatsexamen-Studiengängen mit NC zur Verfügung, etwas mehr als 2015. Die Zahlen für Pharmazie und Veterinärmedizin liegen noch nicht vor.

Die Liste der am meisten nachgefragten Fächer ähnelt der an der HU: Betriebswirtschaftslehre, Psychologie, Rechtswissenschaft, Publizistik und Grundschulpädagogik liegen an der FU auf den vorderen Plätzen.

Technische Universität setzt Öffnungskurs fort

Neben dem „attraktiven Studienangebot“ nennt Krstin auch den „Berlin-Faktor“ als Grund für das große Interesse. Viele Studierwillige kommen aus Berlin und Brandenburg. Krstin verbucht dies als Erfolg der zahlreichen Schul-Kooperationen der FU. Eine Rolle spiele ferner die internationale Ausstrahlungskraft der Metropole Berlin und die zunehmende Attraktivität als Wissenschaftsstandort.

Die TU setzt ihren Kurs der Öffnung fort – und hat die Zahl der zulassungsfreien Bachelor-Studiengänge erneut erhöht. 20 Studiengänge sind es im Wintersemester, etwa Chemie, Elektrotechnik oder einige Lehramtsstudiengänge. Für die grundständigen zulassungsbeschränkten Studiengänge meldet die TU wie im Vorjahr Bewerbungszahlen „auf hohem Niveau“: mehr als 18.000 auf 2180 Studienplätze. Hier waren Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau und Architektur die beliebtesten Fächer. Dabei verbucht die TU – wie gewünscht – auch ein zunehmendes Interesse internationaler Bewerber.

„Überlast ist auf Dauer nicht zu tragen"

Im Vorjahr ist die Technische Universität Überlast gefahren und hat in den NC-Fächern mehr Studierende aufgenommen als ausfinanzierte Studienplätze vorhanden waren – um dem „gesellschaftlichen Auftrag“ gerecht zu werden. Das wird nach Einschätzung von Patrick Thurian wohl auch in diesem Wintersemester so sein. Der Leiter der Gruppe Qualitätsmanagement, Studienreform und Kennzahlen appelliert daher an die Politik: „Ohne zusätzliche Mittel kann die Überlast dauerhaft nicht bewältigt werden. Das ist Thema der Hochschulvertragsverhandlungen.“ Auch FU-Sprecher Krstin leitet aus dem Missverhältnis zwischen Nachfrage und Studienplatz-Angebot Forderungen ab: „Die Universität erwartet von der Politik eine langfristige Finanzierung der Studiengänge für erwartbar dauerhaft bestehende Überlasten.“

Auch Nachfrage nach Masterprogrammen steigt

Gestiegen ist an allen Universitäten im Jahresvergleich auch die Nachfrage nach Master-Studiengängen. 7300 Bewerbungen gab es an der HU für 1413 Plätze - ein Plus von rund sieben Prozent. Neben Psychologie waren hier BWL und Medienwissenschaften besonders gefragt. An der FU gab es 8775 Bewerbungen für 2360 Master-Studienplätze (ohne weiterbildende Master und ohne Lehramtsmaster), 2015/16 waren es „nur“ 7.259 Bewerbungen. Die TU zählte 3200 Bewerbungen für 1338 Studienplätze in zulassungsbeschränkten Master-Studiengängen - knapp zehn Prozent mehr als 2015. Großes Interesse gab es „in der Start-up-Hochburg Berlin“ dabei auch für das internationale Masterprogramm „Innovation Management and Entrepreneurship“, so Thurian.

Auch wenn die Fristen für zulassungsbeschränkte Studienfächer verstrichen sind, eine Option steht angehenden Studierenden weiter offen: Einschreibungen für NC-freie Studienangebote sind an der TU und HU bis zum 31. August möglich, an der FU bis zum 8. September.

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