Nahverkehr

Keine S-Bahnen zwischen Zoo und Friedrichstraße Ende Oktober

Wegen Bauarbeiten gibt es auf der wichtigen Innenstadtverbindung seit Mai immer wieder nächtliche Sperrpausen. Das gilt noch 40 Nächte.

Betroffen sind die wichtigen Ost-West-Linien S5, S7 und S75.

Betroffen sind die wichtigen Ost-West-Linien S5, S7 und S75.

Foto: dpa

Nutzer der Berliner S-Bahn müssen sich in den kommenden Wochen auf weitere baubedingte Einschränkungen einstellen. Betroffen ist vor allem die sogenannte Stadtbahn zwischen den Bahnhöfen Westkreuz und Friedrichstraße. Die rund neun Kilometer langen Innenstadtstrecke wird bereits seit Ende Mai auf ein neues, modernes Zugsicherungssystem umgerüstet.

Laut Deutscher Bahn liegen die Arbeiten voll im Zeitplan. „Von den 82 geplanten nächtlichen Sperrungen haben wir jetzt gut die Hälfte bewältigt“, sagte der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Berlin, Alexander Kaczmarek. Die Montagearbeiten in den Stationen Westkreuz und Charlottenburg seien abgeschlossen. Derzeit werde vor allem im Bereich des Hauptbahnhofs und des Bahnhofs Bellevue gearbeitet.

Die S-Bahn-Nutzer müssen noch in weiteren 40 Nächten jeweils in der Zeit zwischen 21 Uhr und 4 Uhr mit Beeinträchtigungen rechnen. Betroffen sind die wichtigen Ost-West-Linien S5 (Strausberg–Spandau), S7 (Ahrensfelde–Postdam) und S75 (Wartenberg–Westkreuz). Zwischen Friedrichstraße und Zoologischer Garten setzt die S-Bahn in den jeweiligen Nächten Ersatzbusse ein, die allerdings deutlich mehr Fahrzeit benötigen. Wer es eilig hat, sollte besser die Züge des Regionalverkehrs nutzten, die von den Bauarbeiten nicht betroffen sind.

Fußballfans können ohne Einschränkungen abreisen

Eine positive Nachricht hatte Berlins Bahnchef Kaczmarek für die Fußballfans parat. Weil Hertha BSC am 18. September in Berlin Schalke 04 zum Bundesligaspiel empfängt, werden an diesem Abend mit den Arbeiten später als ursprünglich geplant begonnen. „Wir wollen, dass die Fußballfans ohne Einschränkungen aus dem Olympiastadion mit öffentlichen Verkehrsmitteln abreisen können“, sagte Kaczmarek. Insgesamt habe sich das Konzept, die Arbeiten auf die Nacht zu konzentrieren, bewährt.

„Das ist für die beteiligten Baufirmen eine große Herausforderung, die sie bisher mit Bravour gemeistert haben“, sagte der Bahnchef für Berlin. Unterm Strich würden dadurch weitaus weniger Fahrgäste beeinträchtigt, als durch eine zeitlich zwar kürzere, aber von den Auswirkungen her weitreichende Komplettsperrung der Strecke. „Die Stadtbahn ist für die S-Bahn die Hauptschlagader, da sollten wir eine vollständige Unterbrechung des Zugverkehrs möglichst vermeiden“, so Kaczmarek.

Ganz ohne Sperrung wird es am Ende aber doch nicht gehen. Um das mit viele Elektronik ausgestattete Zugbeeinflussungssystem (ZBS) in Betrieb nehmen zu können, wird der S-Bahnverkehr Ende Oktober unterbrochen. Vom 24. bis 31. Oktober fahren zwischen den Stationen Zoologischer Garten und Friedrichstraße keine Züge, ab 27. Oktober wird die Sperrung auf den Abschnitt zwischen Zoologischer Garten und Westkreuz erweitert.

In dieser Zeit erfolgt nicht nur Abnahme des neuen Systems durch Prüfingenieure, auch in der Betriebszentrale der S-Bahn müssen umfangreiche Umstellung in der Computersteuerung der Signale vorgenommen werden. Genutzt wird die Sperrpause auch, um 127 ausgediente Streckenanschläge des alten mechanischen Fahrsperrensystems abzubauen.

70 Nächte sind für die Arbeiten vorgesehen

Die Berliner S-Bahn stellt bereits seit 2007 das Zugsicherungssystem auf die neue ZBS-Technik um. Die alte „Bernauer Fahrsperre“, die vor 90 Jahren eingeführt wurde, hat sich zwar in der langen Dienstzeit bewährt, gilt aber inzwischen als nicht mehr sicher genug und zu wartungsintensiv.

Ab 1. November will die Bahn und die von ihr beauftragte Firma Siemens den nächsten Streckenabschnitt im 331 Kilometer langen Berliner S-Bahnnetz auf das neue ZBS-System umstellen. Gebaut wird dann zwischen Friedrichstraße und Ostkreuz. Auch dann will die Bahn auf eine Dauersperrung verzichten. Die Arbeiten sollen dann in rund 70 Nächten ausgeführt werden. Dafür werden die nächtlichen Betriebspausen, die es sonntags bis donnerstags gibt, auf die Zeit von 22 Uhr bis 4 Uhr verlängert.

Der durchgehende S-Bahn-Verkehr am Freitag- und Sonnabendabend werden lediglich an fünf Wochenenden ausgesetzt, so ein Bahnsprecher. Die Inbetriebnahme des neuen System soll demnach während einer 54-stündigen Sperrung vom 21. bis 24. Juli erfolgen.

Das gesamte 331 Kilometer lange S-Bahnnetz in Berlin und Brandenburg soll bis 2025 mit dem neuen Zugsicherungssystem umgerüstet sein. Es soll nicht nur besser als bisher das Überfahren Halt anzeigender Signale verhindern, sondern auch geringere Zugabstände erlauben. Technisch sei auf der Stadtbahn ein 90-Sekunden-Takt möglich, so Projektleiter Dirk Peuckert. Den gab es bei der Berliner S-Bahn zwar auch schon während der Olympischen Spiele 1936, damals jedoch nur durch einen sehr hohen Personaleinsatz.