Berliner Hotel

Israel nicht auf der Telefonliste: Vorwürfe gegen Kempinski

Laut Regisseur Claude Lanzmann sei die israelische Vorwahl auf Wunsch arabischer Gäste entfernt worden. Hotel weist Vorwürfe zurück.

Im Hotel Kempinski fehlt auf der Telefonliste die Vorwahl Israels. Hotel spricht von "Unachtsamkeit".

Im Hotel Kempinski fehlt auf der Telefonliste die Vorwahl Israels. Hotel spricht von "Unachtsamkeit".

Foto: Archiv Kempinski Hotel Bristol Berlin

Der französische Filmregisseur Claude Lanzmann hat schwere Vorwürfe gegen das Hotel „Kempinski“ am Kurfürstendamm erhoben. Er vermisste auf der Liste mit Vorwahlnummern verschiedener Länder, die Teil der Hotelinformationen sind, den Staat Israel. Ein verantwortlicher Mitarbeiter des Hotels habe ihm dann erklärt, dies habe die Direktion veranlasst, weil arabische Gäste das verlangt hätten. Eine Sprecherin der Kempinski AG wies Lanzmanns Darstellung zurück. Es gebe eine solche Anweisung nicht, Israel sei aufgrund einer „Unachtsamkeit“ auf der Liste nicht aufgeführt gewesen. Dies sei bereits korrigiert.

Lanzmann hatte seine „verstörende Erfahrung“ in einem Gastbeitrag geschildert, der am Donnerstag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) erschienen war. Er schreibt von einem „üblen Erlebnis“, das ihn „aufs tiefste schockiert hat“. Er sei zur Beerdigung der Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff, seiner früheren Ehefrau, nach Berlin gekommen und habe ein Zimmer im „Kempinski“ gebucht, das ihm seit 1986 vertraut sei. Damals stellte er bei der Berlinale erstmals seinen Holocaust-Dokumentarfilm „Shoah“ vor, der ihm Weltruhm einbrachte.

Als er die „Gebrauchsanweisung“ des Hotels durchstöberte, habe er sich auch die Liste mit den Vorwahlnummern für die verschiedensten Länder angesehen. Dort seien unter anderem Rumänien, die USA, Thailand, Belgien und die Ukraine aufgeführt – aber nicht Israel. Nun fragte sich der 90 Jahre alte jüdische Regisseur entgeistert: „Wie ist es möglich, im Jahre 2016 in Berlin, der Hauptstadt des neuen Deutschlands, dass Israel eliminiert, getilgt, ausgemerzt wird?“ Er fühlte sich an Gaza erinnert, wo auf Landkarten der Region für Schüler Israel nicht verzeichnet war, weil „Israel in den Köpfen der Araber nicht existieren darf“.

„Eine Entscheidung, gegen die wir leider machtlos sind“

„Voller Angst und Empörung“ habe er an der Rezeption nach einem Verantwortlichen des Hotels gefragt. Ein „durchaus freundlicher Mann“ habe ihm dann erklärt, es handele sich „bei der Maßnahme um eine bewusste Entscheidung der Direktion des ‚Kempinski‘-Hotels, gegen die wir leider machtlos sind“. Als Erklärung habe der Mitarbeiter angeführt: „Die Mehrheit unserer Kundschaft sind Araber, und sie haben verlangt, dass Israel gestrichen werde.“ Seinen Text schließt Lanzmann mit den Worten: „Man kann nicht gegen den arabischen Terrorismus kämpfen und gleichzeitig erlauben, dass in einem der nobelsten und wichtigsten Hotels in Berlin Israel ausgemerzt wird. Israel ausmerzen heißt zu verlangen, dass die Israelis ausgemerzt werden.“

Das „Kempinski“-Hotel am Kurfürstendamm erklärte dazu am Donnerstag, es könne die in Lanzmanns Text beschriebenen Aussagen des Mitarbeiters „so nicht bestätigen“. Es habe keine Anweisung seitens der Hoteldirektion oder der Kempinski AG gegeben, die israelische Vorwahl nicht in die Ländervorwahlliste aufzunehmen. „Dies würde auch unseren Grundsätzen von Gastfreundschaft und Offenheit gegenüber allen Menschen widersprechen“, hieß es.

„Wir möchten explizit betonen, dass es sich bei der benannten Liste um keine vollständige Auflistung aller Ländervorwahlen handelt, sondern lediglich um eine Auswahl von 35 Vorwahlen der insgesamt 193 Ländervorwahlen weltweit“, erklärte die Marketing-Managerin des Hotels. Es habe „keinen dezidierten Grund“ gegeben, „dass Israel auf der Liste nicht benannt war, wir haben die Vorwahl selbstverständlich ergänzt“. Und schließlich: „Sollten wir mit dem Fehlen der israelischen Vorwahl die Gefühle von Herrn Lanzmann verletzt haben, so bitten wir aufrichtig dies zu entschuldigen.“

Solche Irritationen um eine Telefonliste sind bislang nur aus dem Hotel „Kempinski“ am Kudamm bekannt geworden. So erklärte das „Regent-Hotel“, dort stehe Israel auf der Liste, es habe diesbezüglich auch noch nie Probleme gegeben. Im „Hotel de Rome“ und im „Ritz-Carlton“ liegen in den Zimmern keine Listen mit Vorwahlnummern von Staaten aus, diese können an der Rezeption erfragt werden. Im „Adlon“, das ebenfalls zur Kempinski AG gehört, wird es ähnlich gehandhabt. Dort werden Gäste gebeten, sich an die Telefonzentrale des Hotels zu wenden.

Innensenator Frank Henkel fordert Aufklärung

Der Vorgang beschäftigte auch Innensenator Frank Henkel (CDU). „Ich mag mir nicht vorstellen, dass es in Berlin ein renommiertes Hotel gibt, das Israel verleugnet, weil eine arabische Klientel das so will. Das wäre in unserer weltoffenen Stadt, mit ihrer besonderen Geschichte und historischen Verantwortung, nicht zu akzeptieren“, erklärte er am Vormittag. Der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman sprach im RBB von einer Schande.

Im November 2015 hatte es massive Kritik am KaDeWe gegeben, nachdem dort acht israelische Weine aus Westjordanland-Siedlungen aus dem Sortiment genommen wurden. Dagegen hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu protestiert. Das Kaufhaus erklärte daraufhin, eine EU-Richtlinie sei „hausintern zu rasch und unsensibel“ umgesetzt worden. Die Leitung des KaDeWe entschuldigte sich und nahm die Weine wieder in das Sortiment.