Schöneberg

Wie die Begegnungszone Maaßenstraße jetzt aussieht

In der Maaßenstraße entstand die erste Begegnungszone. Die Akzeptanz ist durchwachsen, das Projekt soll weiterentwickelt werden.

Sofia Camargo und Thomas E.J. Klasen moderieren die Bürgerbeteiligung an der  Maaßenstraße

Sofia Camargo und Thomas E.J. Klasen moderieren die Bürgerbeteiligung an der Maaßenstraße

Foto: Anja Meyer

Die Neugestaltung der Schöneberger Maaßenstraße ist umstritten. Im Oktober 2015 wurde dort die erste Berliner Begegnungszone eingerichtet – in Frankfurt gibt es bereits seit 2008 eine. Die Idee: Menschen sollen sich auf der Straße treffen, miteinander ins Gespräch kommen. Dafür wurden in der Maaßenstraße Parkplätze aufgegeben, die Fahrbahn verkleinert und zur 20er-Zone umgestaltet.

Das bisherige Investitionsvolumen für das Projekt liegt bei rund 800.000 Euro – doch was sich für viele zunächst positiv anhörte, sorgte in den vergangenen Wochen und Monaten für große Kritik: Als hässlich, schlecht umgesetzt oder lieblos bezeichnete das Gros der Anwohner und Gewerbetreibenden die Begegnungszone beim Kiezbesuch der Berliner Morgenpost Anfang Juni. Acht Wochen später scheint die Akzeptanz gewachsen zu sein – negative Stimmen gibt es jedoch noch immer.

So wie sie jetzt aussieht, ist sie noch nicht fertig

Auf den ersten Blick wirkt die Begegnungszone gesellig: Es ist ein schöner Nachmittag, auf einer Bank sitzt ein Paar und isst Pizza. Auf einer anderen unterhalten sich Freunde, dazwischen stehen Säcke mit Blumen, auf die Straße sind bunte Kreidebilder gemalt. Sie stammen von den Aktionstagen „Kunst der Maaßenstraße“, die das Künstlerpaar Sofia Camargo und Thomas E. J. Klasen im Juli veranstaltete, um die Zone mit den Anwohnern zu verschönern. Denn den beiden Künstlern ist klar: So wie die Begegnungszone jetzt aussieht, ist sie noch nicht fertig.

Seit gut einem Jahr sind die beiden, die im Bezirk an der Grenze zu Kreuzberg leben, dafür zuständig, die Bürgerbeteiligung in der Maaßenstraße voranzutreiben. Die Maaßenstraße ist für Camargo der Schöneberger Treffpunkt Nummer eins. „Hier kommen alle Communities zusammen, der Kiez ist schon immer etwas Besonderes gewesen“, sagt sie. Genau das fand sie so spannend, als sie sich mit ihrem Mann im vergangenen Sommer dafür bewarb, die Bürgerbeteiligung zu moderieren.

Vor der Eröffnung der Begegnungszone im vergangenen Oktober standen sie drei Monate in einer Art offenem Atelier an der Nollendorfstraße und sprachen mit den Bürgern darüber, was entstehen soll – und wie. Dort entwickelten Anwohner die Idee, die Quader zu gestalten. Mehr als 100 Menschen hätten sie schließlich bemalt oder ihre Fußstapfen zum „Walk of Freedom“ daraufgesetzt. Dass die Begegnungszone zunächst schlecht angenommen wurde, führen Camargo und Klasen auf deren Eröffnungsdatum im Oktober zurück. „Dann kam der Winter, und da ist natürlich erst einmal gar nichts passiert“, sagt Klasen.

„Die Probleme sind immer noch da“

Was seit diesem Frühjahr passiert ist, werten die Künstler positiv. Ganz im Gegensatz zu Sebastian Ahlefeld, Vorstandsmitglied der Schöneberger FDP. Bis auf Kleinigkeiten wie Fahrradständer würden er und seine Mitstreiter die Maaßenstraße am liebsten wieder zurückbauen lassen. „Das mit den Pflanzen sieht zwar ganz nett aus, die Probleme sind aber immer noch da“, sagt er.

Camargo sieht das anders. „Die Begegnungszone wird genutzt, das ist schon mal ein erster Schritt“, sagt sie. „Jetzt geht es darum, eine nettere Atmosphäre zu schaffen.“ Wichtige Punkte dafür: mehr Grün durch noch mehr Pflanzen. Eine kommunikativere Positionierung der Bänke und eventuell ein anderer Boden. Außerdem stellen sich die Künstler eine Bepflanzung vor den Quadern als Schutzwall zur Straße vor. Dass Kinder auf den bunten Quadern spielen und somit direkt an der Straße sind, wurde von vielen als gefährlich eingestuft.

Eine Änderung würde auch Numa Zwierzycki vom „Maxway Coffee“ begrüßen. „Ich bekomme täglich mit, dass dort Kinder rumlaufen oder Fußballspielen“, sagt er. „Und dann rollt der Ball auf die Straße, und ein Auto donnert da viel zu schnell vorbei.“ Seiner Meinung nach müsste noch mehr passieren, um die Autos zum Abbremsen zu zwingen. „Am schönsten wäre natürlich eine komplett autofreie Straße.“

Mehr Pflanzen würden die Begegnungszone aufwerten

Ahmed Boussi vom Falafel-Restaurant „Boussi“ freut sich über die Entwicklung der Maaßenstraße. „Das mit den Pflanzen ist eine tolle Idee“, sagt er. „Dadurch wirkt die Straße viel schöner.“ Mit seinen Kollegen hat er die Gießpatenschaft für zwei Pflanzsäcke übernommen. „Wir überlegen, zusätzlich noch mehr Pflanzen aufzustellen.“

Klasen will nach den Schulferien noch einen weiteren Aktionstag organisieren. „Damit zeigen wir den Menschen: Das ist euer Raum, den könnt ihr gestalten.“ Im September plant die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Verkehr eine offizielle Evaluierung.