Fitnessstudio-Kette

Keine Chance für Hard Candy: Kunden gehen leer aus

Das Insolvenzverfahren der Fitnessstudio-Kette beginnt im September. Eine Rettung in letzter Minute gilt als "nicht realisitisch".

Die Berliner Fitnesszentren des Unternehmens öffneten 2013. Madonna ist Lizenzgeberin

Die Berliner Fitnesszentren des Unternehmens öffneten 2013. Madonna ist Lizenzgeberin

Foto: dpa Picture-Alliance / Herb Dehler/Geisler-Fotopress / picture alliance / Geisler-Fotop

Für die Berliner Fitnessstudios der Hard-Candy-Kette gibt es wahrscheinlich keine Zukunft. Der vorläufige Insolvenzverwalter Torsten Martini von der Berliner Anwaltskanzlei Leonhardt Rattunde geht davon aus, dass das zuständige Gericht das reguläre Insolvenzverfahren am 1. September eröffnen wird. Laut Martini hat die Jopp AG einen Plan erstellt, wie die Fitnessstudios eventuell doch noch kostendeckend arbeiten könnten, das prüft der Insolvenzverwalter. Gleichwohl hält er eine Wiedereröffnung der Studios, zum Beispiel durch einen Investor, der mit frischem Kapital in die bestehende Firma einsteigt, für „nicht realistisch“.

Der Betreiber der neun Studios in Berlin, die Jopp AG der Brüder Jürgen und Ralf Jopp, hatte Mitte Juni Insolvenz beantragt. Insgesamt betrifft die Insolvenz 14 Studios, neben den Berliner Hard-Candy-Zentren auch JoppSports- und Superwomen-Studios in Berlin sowie zwei weitere Center in Fürth und Köln. Drei der Berliner Studios – Superwomen im Reinickendorfer Einkaufszentrum Clou und Hard Candy in der Bergmannstraße sowie am Tauentzien – haben aktuell jedoch trotz Insolvenz geöffnet, so Martini. Kunden zufolge ist das Training dort möglich, allerdings gibt es Einschränkungen zum Beispiel bei der Reinigung der Räume.

Studios werden einzeln an Interessenten verkauft

Torsten Martini geht zwar davon aus, dass bis zur Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens Käufer für die einzelnen Studios gefunden werden. Die würden aber völlig neu einsteigen und hätten keine Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern der Jopp AG und den Kunden. Damit ist mit großer Wahrscheinlichkeit das Geld verloren, das Kunden bereits für die Studionutzung bezahlt haben. Einige haben langlaufende, teils sogar lebenslange Verträge und hohe Vorauszahlungen geleistet. Der Käufer eines Studios hätte keine Verpflichtung ihnen gegenüber. Denkbar wäre zwar, dass ein Käufer den bisherigen Jopp-Kunden Kulanz-Angebote macht, um sie als neue eigene Kunden an sich zu binden. Aber ihnen über lange Zeit die kostenfreie Nutzung der Studios zu gewähren, das würde sich für ihn wirtschaftlich nicht rechnen.

„Wir sprechen zurzeit mit mehreren Dutzend Interessenten für die Studios“, sagte Martini der Berliner Morgenpost. „Bei einer Hand voll wird es am Ende wohl passen, darunter einige der bekannten Ketten. Aber sie werden nicht als Ganzes verkauft, dazu sind die Studios zu unterschiedlich in ihrer Ausrichtung und in ihrem Publikum.“ Bisherige Kunden von Hard Candy, die Mitgliedsbeiträge bezahlt haben, könnten theoretisch aus der Insolvenzmasse bedient werden. Aber auch das ist unwahrscheinlich – Kunden stehen in der Liste der zu entschädigenden Gläubiger ganz unten. Oben stehen andere Jopp-Geschäftspartner. So war es zur Schließung der Studios und der vorläufigen Insolvenz dadurch gekommen, dass der Stromlieferant Vattenfall die Versorgung gekappt hatte – die Jopp AG hatte die Stromrechnungen nicht bezahlt. Der Strom war teilweise von einer Minute auf die andere weg. Allein diese Verbindlichkeiten aus unbezahlten Stromlieferungen belaufen sich auf eine sechsstellige Summe.

Weitere Gläubiger aus dem Bereich der Geschäftspartner sind die Vermieter der Studioräume, Lieferanten, Reinigungsfirmen, freiberufliche Trainer und natürlich die fest angestellten Mitarbeiter. Die Angestellten sollten sich, schreibt Insolvenzverwalter Martini auf der Webseite seiner Anwaltskanzlei, an die Berliner Personalberatung Frank Elsässer wenden. Dort kann zum Beispiel geklärt werden, ob es Insolvenzgeld gibt, wenn Gehalt nicht bezahlt wurde.

Was Kunden von Hard Candy jetzt tun können

Für Kunden dürfte auch deshalb nichts übrig bleiben, weil auf der Haben-Seite der Jopp AG nicht viel steht: So sind die Räumlichkeiten angemietet und die Fitnessgeräte teils geleast und nicht im Eigentum der Betreiber-AG.

Was können Kunden nun tun? Wer nicht schon gekündigt hat, kann dies bei der Jopp AG machen – nicht beim Insolvenzverwalter –, damit nicht zusätzliche Verpflichtungen entstehen. Solange das offizielle Insolvenzverfahren nicht eröffnet ist, entscheide Jopp darüber, ob eine Kündigung akzeptiert wird, sagt der Insolvenzverwalter. Gekündigt werden kann zum Ende der Laufzeit, die im Vertrag bestimmt wurde.

Und die Kunden, die schon lange nicht mehr trainieren können, weil ihre Studios geschlossen sind? Martini drückt es so aus: Wenn er zum Insolvenzverwalter des offiziellen Verfahrens bestellt werden sollte, werde er auch vorfristige Kündigungen akzeptieren, also vor Ende der einst beschlossenen Laufzeit. Schließlich werde keine Leistung mehr erbracht. Zurzeit werden ohnehin keine Mitgliedsbeiträge eingezogen, sagt Martini. „Wir prüfen in Ruhe, bei wem Ansprüche bestehen, und fordern das dann gegebenenfalls nach Eröffnung des Hauptverfahrens ein.“