Verdienstmedaille

Ein Vorbild im Bülowkiez

Moussa Issa engagiert sich seit vielen Jahren in seinem Stadtteil. Jetzt wurde der 58-Jährige für seinen steten Einsatz ausgezeichnet

Stolz: Moussa Issa

Stolz: Moussa Issa

Foto: Anja Meyer / BM

Als Moussa Issa damit anfing, sich ehrenamtlich zu engagieren, wusste er nicht einmal, was das Konzept Ehrenamt bedeutet. Es war Anfang der 2000er-Jahre, seine beiden jüngeren Kinder, heute 19 und 17 Jahre alt, kamen in die Schule. Ihm reichte es nicht aus, ihnen nur bei den Hausaufgaben zu helfen. Moussa Issa wollte sich richtig für die Schulzeit seiner Kinder interessieren, erzählt der heute 58-Jährige.

Er wollte wissen, was dort passiert und wo er als Vater helfen kann. Also ließ er sich zum Elternvertreter und wenig später zum Schulelternsprecher aufstellen. Dann kam eins zum anderen – in den darauffolgenden Jahren übernahm er verschiedene Ehrenämter in seinem Kiez im Schöneberger Norden. In diesem Sommer hat er dafür von Bezirksbürgermeisterin Angelika Schüttler (SPD) die Verdienstmedaille des Bezirks erhalten.

Die Auszeichnung ist der höchste Bezirksorden und wird jährlich an die Menschen verliehen, die sich mindestens acht Jahre lang in ihrem Bezirk engagieren. Moussa Issa hat sich zwar sehr über die Auszeichnung gefreut, wie er sagt. Es sei aber nie sein Ziel gewesen, für seine Arbeit öffentlich gelobt zu werden, betont er.

Moussa Issa setzt sichviel und oft für Flüchtlinge im Kiez ein

Moussa Issa ist bescheiden, er agiert lieber im Stillen und denkt dabei sowieso zuletzt an sich selbst. So wie neulich, als er wie jedes Jahr eigentlich zum Nachbarschaftsfest gehen wollte. Den Termin hatte er allerdings vergessen, als er und seine Frau ein im Kiez untergebrachtes, syrische Flüchtlingspaar zu sich zum Essen eingeladen hatte. „Sie haben sich so über die Einladung gefreut“, erzählt er. Da wollte er nicht wieder absagen. Vor allem nicht, weil die Frau schwanger ist. „Wer weiß, vielleicht ist die Enttäuschung nicht gut für das ungeborene Kind.“

Moussa Issa setzt sich in jüngster Zeit viel und oft für Flüchtlinge im Kiez ein. Vor gut 40 Jahren ist er selbst als palästinensischer Flüchtling aus dem Libanon nach Schöneberg gekommen. „Ich bin hier sofort sehr freundlich aufgenommen worden“, erzählt er. „Und habe mich immer sehr wohl gefühlt.“

Deshalb blieb er auch im Bülowkiez, dem er sehr verbunden ist. Sein Engagement in der ehemaligen Schule seiner Kinder, später im Quartiersrat, dann im Mieterbeirat des Wohnungsunternehmens Gewobag, im Schachclub „SC Freibauer Schöneberg e.V.“ und jetzt eben für Flüchtlinge ist sein Weg, sich bei denen zu bedanken, die ihn einst aufgenommen haben.

Die Kinder sollten sich mit dem Kiez identifizieren

Die Verbundenheit mit dem Kiez ist ihm dabei besonders wichtig. So war es schon damals, als er und seine Frau die beiden Kinder an der nahegelegenen Neumark-Grundschule anmeldeten – obwohl die im Bezirk keinen guten Ruf hat. Wer konnte, schickte seinen Nachwuchs lieber an angesehenere Schulen in anderen Stadtteilen.

Leider, wie Moussa Issa rückblickend sagt. Er hätte das auch machen können, wollte es für seine Kinder aber nicht. „Meine Entscheidung war eine ganz bewusste“, erinnert sich der Familienvater. „Ich dachte, wenn meine Kinder es hier schaffen, dann schaffen sie es überall.“ Vor allem aber wollte er, dass sie sich mit dem Kiez identifizieren, in dem sie leben. So wie er selbst.

Sein Engagement sei nicht nur für die Nachbarn wichtig, sondern auch für ihn selbst. „Durch das Ehrenamt habe ich gelernt, sachlich zu diskutieren“, sagt er. Außerdem habe er so eine Vorbildfunktion für seine Kinder, die immer stolz darauf waren, was ihr Vater tut. Sie übernehmen ebenfalls Verantwortung. So hat sich Moussa Issas Sohn, ein Erstwähler, direkt als Wahlhelfer aufstellen lassen. Ganz nach dem Vorbild seines Vaters.