Bahnhof am Ostkreuz

Nagelneue Aufzüge am Ostkreuz - jedoch sind sie dauerdefekt

Viele Fahrgäste klagen über ständig kaputte Anlagen am Ostkreuz. Besserung ist vor Mitte August nicht in Sicht.

Am Bahnhof Ostkreuz steigen jeden Tag sehr viele Berliner um. Dort wird schon seit zehn Jahren gebaut

Am Bahnhof Ostkreuz steigen jeden Tag sehr viele Berliner um. Dort wird schon seit zehn Jahren gebaut

Foto: imago/Jürgen Ritter

Seit 2006 schon wird am Ostkreuz gebaut. Der wichtige S-Bahn-Knoten soll komplett umgestaltet und auf den neuesten Stand gebracht werden. Auch was das Thema Barrierefreiheit betrifft. Für Menschen mit Behinderungen ist das Ostkreuz im Moment allerdings eher eine Hürde. Rollstuhlfahrer können an der Station nicht umsteigen. Der Grund: Die Hälfte aller Aufzüge ist defekt – und das teilweise schon seit Wochen. So waren kürzlich lediglich vier von acht Fahrstühlen in Betrieb. An allen anderen hatte die Bahntochter Station&Service einen Aufkleber angebracht, auf dem eine Reparatur für die 33. Kalenderwoche, also für Mitte August, angekündigt wird.

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Dabei sind die Aufzüge erst vor ein bis drei Jahren eingebaut worden – also alles andere als veraltet. Besonders bitter ist der Zustand für die Nutzer der S-Bahn S3. Die Züge aus Erkner, Fried­richshagen und Köpenick können wegen der Bauarbeiten nur bis Ostkreuz fahren, für eine Weiterfahrt in Richtung Innenstadt oder auch nach Marzahn oder Strausberg muss zwingend der Bahnsteig gewechselt werden.

Eine Ursache ist laut Bahn der Vandalismus

Das geht nur über den oben liegenden Bahnsteig für die Ringbahn. Dorthin führen zwei steile Treppenaufgänge, eine Rolltreppe und zwei Aufzüge. Doch beide sind derzeit außer Betrieb. „Als Einwohner von Karlshorst muss ich nun erhebliche Umwege in Kauf nehmen“, klagt Morgenpost-Leser Arnd Hellinger, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Doch auch Eltern mit Kinderwagen sowie ältere Menschen seien von den Problemen mit den Aufzügen betroffen.

Die Deutsche Bahn bestätigte auf Nachfrage den desolaten Zustand der Aufzüge am Bahnhof Ostkreuz. Dieser sei „besonders ärgerlich“, da es sich um verhältnismäßig neue Anlagen handele. Als mögliche Ursachen werden die „noch laufenden Bautätigkeiten, das Wetter und der hohe Vandalismus am Ostkreuz“ angegeben.

Es gab Sonderinspektionen und Sonderwartungen

Nach den Ausfällen in den letzten Wochen habe es eine Sonderinspektion und eine Sonderwartung der Aufzüge gegeben, so ein Bahnsprecher. Dabei seien die als defekt festgestellten Teile der Aufzüge ausgetauscht und weitere Bauteile geprüft worden. Geholfen hat das jedoch offenbar nicht. „Nach erneuten Störungen haben wir vier Aufzüge außer Betrieb genommen“, so der Sprecher. Nun soll ein externer Gutachter ermitteln, was genau die Funktionsweise der von einem renommierten Hersteller gelieferten Aufzugsanlagen stört.

„Erst auf Grundlage der Ursachenanalyse werden wir die uns empfohlenen technischen Maßnahmen vornehmen lassen und erst danach werden diese Aufzüge wieder in Betrieb gehen“, heißt es in der Stellungnahme der Bahn. Die bedauert ausdrücklich die fehlende Bequemlichkeit für die Bahnhofsbesucher – insbesondere die Beeinträchtigung für mobilitätseingeschränkte Reisende. Doch die Sicherheit der Reisenden stehe an erster Stelle.

Bereits in der Vergangenheit hatte es mehrfach Klagen von Reisenden über defekte Aufzüge, ausgefallene Rolltreppen und andere Servicemängel gegeben. Auch die Sauberkeit wurde wiederholt bemängelt. Trotz eines Investitionsaufwands von mehr als 410 Millionen Euro wurde bislang auch auf den Bau einer Toilette verzichtet. Dabei gehört der Bahnhof mit täglich bis zu 130.000 Fahrgästen, die dort ein-, aus- oder umsteigen, zu den am stärksten genutzten Bahnstationen in Berlin.