225. Geburtstag

Happy Birthday, Brandenburger Tor!

Das Brandenburger Tor wird 225 Jahre alt. An keinem anderen Ort lässt sich die wechselvolle deutsche Geschichte besser ablesen.

Touristen und Kleindarsteller auf dem Pariser Platz, am Brandenburger Tor

Touristen und Kleindarsteller auf dem Pariser Platz, am Brandenburger Tor

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Die Preußen sind ein prüdes Volk. Und mit der viel zitierten preußischen Pünktlichkeit ist es auch nicht weit her. Diesen Eindruck bekommt zumindest, wer sich mit der Geschichte von Deutschlands berühmtestem Baudenkmal beschäftigt: dem Brandenburger Tor, das am heutigen Sonnabend seinen 225. Geburtstag feiert.

Denn erst seit 1793 thront die Quadriga auf dem Brandenburger Tor – zwei Jahre nach der feierlichen Eröffnung am 6. August 1791. Und die vom Bildhauer Johann Gottfried Schadow ursprünglich entworfene nackte Friedensgöttin, die den von vier Rössern gezogenen Wagen lenkt, musste nach heftigen Protesten der Berliner zudem nachträglich noch in ein bodenlanges Gewand gehüllt werden.

225 Jahre später sind diese Startschwierigkeiten genauso in Vergessenheit geraten wie der Architekt des Brandenburger Tores, Carl Gotthard Langhans. Erst im vergangenen Jahr gründete sich die Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft Berlin e. V., die sich für Würdigung, Erhalt, Instandsetzung und wissenschaftliche Erforschung seines Werkes einsetzt.

Kulisse für Großveranstaltungen

Und vor allem für den pfleglichen Umgang mit Berlins weltberühmtem Wahrzeichen. „Das Brandenburger Tor wird fortgesetzt als Kulisse für Großveranstaltungen zweckentfremdet, und seine Substanz leidet unter den Erschütterungen, die tonnenschwere Sattelschlepper, Bühnenaufbauten sowie die Musikbeschallung verursachen“, kritisiert Frank Prietz, Vorstand der Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft. Um auf die Missstände aufmerksam zu machen, hat die Gesellschaft in dieser Woche beim Berliner Abgeordnetenhaus eine Petition eingereicht.

„Aus Anlass des Geburtstags fordern wir, dass das Tor jederzeit sichtbar, offen und frei zugänglich ist und der Blick vom Pariser Platz durch die Tordurchfahrten bis zur Siegessäule dauerhaft möglich ist“, sagt Prietz weiter. Es könne nicht sein, dass die Sichtachse auf das Symbol der wechselvollen deutschen Geschichte durch Feste und Großveranstaltungen zumindest auf der Seite der Straße des 17. Juni an mehr als 100 Tagen im Jahr versperrt sei.

Die Gesellschaft hält auch Veranstaltungen wie die Fußball-Fanmeile oder die alljährliche Silvesterparty für kritisch: „Solche Feiern können auch an anderer Stelle in der Stadt stattfinden“, so Prietz. Die Senatsverwaltung für Kultur hat bereits auf die Petition reagiert. Man arbeite an einem Kriterienkatalog für Ereignisse, die künftig am Tor noch erlaubt sein sollen, heißt es aus der Verwaltung.

Dreimal wurde die Göttin vom Tor geholt

Ein bisschen mehr Respekt und pflegliche Behandlung hat die Wagenlenkerin auf ihrem 21 Meter hohen und 65,5 Meter breiten Tor wahrlich verdient. Denn im Laufe der Geschichte hat das Wahrzeichen schon so manches mitgemacht. Napoleon ließ die Quadriga im Dezember 1806 demontieren. In Einzelteile zerlegt und in Kisten verpackt wurde sie nach Paris verfrachtet. Erst nach acht Jahren im französischen Exil kehrte sie 1814 wieder nach Berlin zurück und wurde mit großem Triumphgeleit unter dem Jubel der Berliner wieder auf das Tor gestellt.

Zuvor allerdings war im nationalen Siegestaumel aus der Friedens- eine Siegesgöttin geworden. Auf ihrem Stab saß nun nicht mehr der römische, sondern der preußische Adler. Und aus dem Lorbeer- war ein Eichenlaubkranz geworden, in dessen Mitte das Eiserne Kreuz prangte.

Fortan diente das Tor bevorzugt zu Auf- und Durchmärschen. So zogen die aufständischen Arbeiter und Bürger nach dem Barrikadenkampf, der bis in die Morgenstunden des 19. März 1848 dauerte, durch das Tor. Und 1871 wurde mit einem prachtvoll mit Girlanden geschmückten Tor die siegreiche Heimkehr der preußischen Truppen nach Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges gefeiert.

Auch die Nazis nutzten das Tor für ihre Zwecke

Auch die Nationalsozialisten nutzten die Symbolkraft des Tores von Anfang an für ihre Zwecke: Als Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Kanzler ernannte, dauerte der Fackelzug der braunen Kolonnen durch das Brandenburger Tor gleich mehrere Stunden.

In den Kriegswirren des Frühjahrs 1945 wurde das Tor samt Quadriga beschädigt – Letztere so schwer, dass sie gänzlich neu gefertigt werden musste. 1957 wurde in der Bildgießerei Noack, im Westteil der Stadt, eine neue Kupferskulptur gefertigt. 1958 wurde die Göttin dann wieder auf das Tor gehievt und sorgte für eine Überraschung: Da das Tor im Ostteil stand, hatte die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) noch kurz vor der Aufstellung geschichtskorrigierend eingegriffen und Eisernes Kreuz und Adler vom Stab entfernen lassen.

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Es folgten einsame Jahre für die Göttin: Mit dem Mauerbau 1961 bis zum Mauerfall 1989 gehörte das Tor zum Sperrgebiet, jede Durchfahrt war verboten. In der Silvesternacht 1989/90 wurde die Quadriga dann noch einmal Opfer historisch bedeutsamer Umstände. Als Hunderttausende das Ende der 28 Jahre währenden Teilung der Stadt am Tor entfesselt feierten, wurden der fünf Meter hohen Kupferskulptur Lorbeerblätter und Zaumzeug abgerissen. Knapp zwei Jahre dauerten die anschließenden Restaurierungsarbeiten. Seitdem steht die Göttin wieder mit Eisernem Kreuz und Preußens Adler auf dem Tor.

Doch auch das Tor selbst war durch Umweltschäden und die in der Nachkriegszeit nicht sachgerecht vorgenommene Sanierung ein Fall für die Restauratoren. Zwei Jahre lang verschwand das Tor dafür hinter Planen. Am 3. Oktober 2002 wurde es feierlich enthüllt und ist seitdem wieder das meistfotografierte Bauwerk Berlins – und das Symbol für Freiheit und Einheit in Deutschland nach dem Ende des Kalten Krieges.