Berlin

Wolfsmenschen und Müllwesen

Kunst mitten in Berlin zieht am Hauptbahnhof und neben der Friedrichswerderschen Kirche Schaulustige an

Der Künstler steckte am Donnerstagabend noch tief in der Aufbauarbeit. Mit lautem „Mehr links!“ und „Jetzt die nächsten 14 Stück!“ dirigierte der in Berlin aufgewachsene, international renommierte HA Schult acht Assistenten und einen Kran. „Preußen goes Europe“ heißt seine Kunstaktion auf dem Schinkelplatz, die vom heutigen Freitag an – dann vollständig installiert – zu sehen ist. Es ist eine der beiden jetzt beginnenden Installationen, die in den kommenden Tagen öffentlich und mitten in der Stadt Passanten überraschen und Schaulustige anziehen werden.

Schults Skulpturen sind die „Trash People“, Müllmenschen, die er aus Abfall zusammengefügt hat und seit zwei Jahrzehnten in 20 Seefrachtcontainern um die Welt schickt. 1000 sind es üblicherweise. Der relativ kleinen Baugrube neben der Friedrichswerderschen Kirche angepasst, hat er nur 300 Skulpturen liefern lassen. Beim Transport nach Berlin verfuhren sich die Lastwagenfahrer allerdings. Von der Siegessäule aus meldeten sie sich ganz aufgelöst und mussten von Schult telefonisch nach Mitte gelotst werden.

Wie eine Truppe aus Verpackungen, Plastik und Limonadendosen standen die Trash People zuvor schon im Salzstock von Gorleben, auf dem Roten Platz in Moskau und an den Pyramiden von Gizeh. „Auf der Chinesischen Mauer waren sie sechs Wochen lang“, sagte er der Berliner Morgenpost am Donnerstag. „Am kürzesten war ihr Aufenthalt in der Arktis. Da hat sie der Wind binnen Minuten umgerissen.“

Das Grundthema von Künstler Schult sind Ökologie und die Auswirkungen der Konsumgesellschaft. Die Trash People, in Berlin bis Sonntag vom Rand der Baustelle aus zu sehen, verkörperten den Menschen, meint er. „Wir produzieren Abfall. Und irgendwann sind wir selbst auch nur noch Abfall.“

Ebenfalls von politischem Hintergrund ist die bis zum 16. August gastierende Wanderausstellung „Die Wölfe sind zurück“. Der Brandenburger Künstler Rainer Opolka hat auf dem Washingtonplatz am Hauptbahnhof 66 Wolfsmenschen aufgestellt, erdacht als Symbole für Hass und Gewalt. Menschen, die die etwa zwei Meter großen Skulpturen im ganz alltäglichen Umfeld einer Bahnstation erleben, sollen angeregt werden, über Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Rassismus nachzudenken. Im April fand die Aktion in Potsdam bereits ein großes Publikum. Vom Berliner Hauptbahnhof aus, so hofft Opolka, sollen seine Gestalten noch nach Hamburg, Bremen, Düsseldorf und Köln reisen. Die Genehmigungen dafür stehen aber noch aus.