Neugestaltung im Tierpark

Neuer Wasserspaß am Berliner Tierpark

Am Berliner Zoo wurde das Löwentor neu gestaltet. Nun eröffnete Direktor Andreas Knieriem auch in Friedrichsfelde neue Attraktionen.

 Die Fontänen sprudeln kräftig - und die kleinen Tierpark-Besucher haben ihren Spaß daran

Die Fontänen sprudeln kräftig - und die kleinen Tierpark-Besucher haben ihren Spaß daran

Foto: Joerg Krauthoefer

Nackte Kinderfüße flitzen über die tiefblaue runde Fläche, bis plötzlich aus den Bodendüsen Wasserfontänen hervorschießen. Begeistertes Kreischen hallt über den Spielplatz, und die Kamele auf der benachbarten Wiese kommen neugierig näher.

Wer mit Kindern den Tierpark in Friedrichsfelde besucht, sollte von heute an die Badehose für den Nachwuchs nicht vergessen. Dort, wo lange das ausgediente Becken an die ehemalige Plansche erinnerte, fließt jetzt wieder Wasser. „Ein Tag am Meer“ ist das Motto des großen umgestalteten Spielplatzes, der am Donnerstag – nur knapp eine Woche nach dem neuen Löwentor am Berliner Zoo – eröffnet wurde.

Auf der Wiese und in feinem Sandstrand stehen nun blau-weiße Strandkörbe. Ein Holzkahn liegt auf dem blauen Fallschutz und auf einem großen Holzsteg können sich die Eltern sonnen, während ihre Kinder mit dem Wasser spielen. Die im Boden eingelassenen Düsen sind computergesteuert und lassen das Wasser immer wieder in überraschend neuen Formationen sprudeln.

Eigentlich ein Wellenbad geplant

„Wir hatten eigentlich von einem kleinen Wellenbad geträumt“, sagte Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem zur Eröffnung. Doch dieses sei nicht realisierbar gewesen. Die Idee vom bewegten Wasser haben die Zoo-Architekten des Büros Dan Pearlman Erlebnisarchitektur GmbH trotzdem sehr überzeugend umgesetzt.

Vor fast zwei Jahren hatte das Berliner Abgeordnetenhaus fünf Millionen Euro für die ersten Schritte zur Realisierung des neuen Gestaltungskonzepts bewilligt. Für den flächenmäßig größten Tierpark Europas ist das eher der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Allerdings einer mit großer Symbolik. Denn die jahrelange Debatte über eine Schließung des Tierparks ist damit endgültig vom Tisch. Das bekräftigte am Donnerstag auch Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD).

Eiserne Absperrzäune kommen weg

„Wir haben lange überlegt, wie sich mit den vorhandenen Mitteln ein großer Effekt für die Besucher erzielen lässt“, sagte Kieran Stanley, der mit dem Berliner Architekturbüro schon in Hannover am Umbau des Tiergartens zum Erlebniszoo beteiligt war. Mit einem Teil dieser Summe wurde bereits der Eingangsbereich am Bärenschaufenster umgestaltet und so der Service an den Kassen verbessert. Dann wurden viele der eisernen Absperrzäune, die die Gehege umschlossen, abgerissen und durch natürliche Barrieren ersetzt.

Eine hautnahe Umwelterfahrung für Kinder bietet nun auch die Wasserwelt an der alten Plansche. Immerhin sind 30 Prozent der Tierparkbesucher Kinder. Eine zweite neue Spiellandschaft ermöglicht den Kindern den Einblick in die Welt der fabelhaften Wesen. Gleich an der früheren Cafeteria, die nun Restaurant „Patagona“ heißt, können die Kinder durch zwei riesige Buchdeckel in das „Multiversum“ der Trolle und Feen eintreten. Zwischen Bäumen stehen große düstere Boulderfelsen, in denen die Gesichter der versteinerten Trolle zu erkennen sind – die jedoch nur in der Nacht zum Leben erwachen. Weiter hinten auf einer giftgrünen Lichtung liegt das Reich des Spinneratz, das noch durch ein großes Kletternetz erweitert werden soll. Und wer sich nicht durch die unheimlichen Geräusche aus der versteckten Audioanlage erschrecken lässt, betritt die Welt des Wüterich, der mit ungestümer Kraft Bäume aus dem Boden gerissen und verkehrt herum wieder eingepflockt hat.

Süßkartoffeln statt Gulasch mit Rotkohl

Der Fabelwald am Rande der Restaurant-Terrassen ist so versteckt, dass der 60er-Jahre-Charme der ehemaligen Cafeteria dadurch keinen Abbruch erleidet. Aber auch dort hat sich viel getan. Das Selbstbedienungsrestaurant, das bisher eher den Charakter einer Kantine hatte, empfängt seit dem 21. Juli die Besucher in exotischem Ambiente. Statt Gulasch und Sauerbraten gibt es Süßkartoffel, schwarze Bohnen oder Grillspezialitäten vom Churrasco Grill. Unter den großen kreisrunden Oberlichtern sollen raumhohe zylinderartige Aquarien entstehen. Es ist das erste Restaurant von Marché Mövenpick mit südamerikanischer Ausrichtung. Damit passt es perfekt in das neue Tierparkkonzept. Andreas Knieriem will in den kommenden zehn Jahren das 160 Hektar große Gelände so ordnen, dass die Besucher verschiedene geografische Zonen mit ihrer typischen Landschaft und Tierwelt durchwandern. Von Nordamerika über die Gebirgswelt des Himalayas durch die Steppe, bis hin zum Dschungel und zur Fabelwelt.

Fördermittel von EU

Für die Jahre 2016 und 2017 erhält der Tierpark dafür 15 Millionen Euro aus Fördermitteltöpfen der Europäischen Union zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur.