Kreuzberg

Berliner Büchertisch sucht nach Kündigung neues Zuhause

Der Eigentümer kündigte dem Projekt die Räume am Mehringdamm. Bezahlbare Angebote im Bezirk gibt es bislang nicht.

Cornelia Temesvári vom Berliner Büchertisch hofft, bis Januar neue bezahlbare Räume zu finden. Noch gibt es kein Angebot aus Kreuzberg

Cornelia Temesvári vom Berliner Büchertisch hofft, bis Januar neue bezahlbare Räume zu finden. Noch gibt es kein Angebot aus Kreuzberg

Foto: Ricarda Spiegel

Es war ein Schock, als Ende Juli die Kündigung im Briefkasten lag. Seit zehn Jahren hat der Berliner Büchertisch seinen Hauptsitz am Mehringdamm in Kreuzberg, Anfang 2017 muss das erfolgreiche soziale Projekt nun umziehen. Wohin? "Das wissen wir nicht", sagt Cornelia Temesvári von der Geschäftsführung. "Etwas Bezahlbares in Kreuzberg zu finden, wird schwer." In Reinickendorf oder Marzahn gebe es günstigere Angebote, aber der Büchertisch sei ja in Kreuzberg verankert. 2003 wurde er als private Initiative gegründet mit dem Ziel, Menschen an Bücher heranzuführen, die dazu bislang wenig Bezug haben.

Der Büchertisch, der ohne öffentliche Mittel arbeitet, besteht aus einer Genossenschaft und einem gemeinnützigen Verein, dessen Projekte vor allem von Ehrenamtlichen aus Kreuzberg umgesetzt werden. Die Genossenschaft betreibt drei Läden und einen Online-Shop, in dem gespendete Bücher zu günstigen Preisen verkauft werden. Mit den Einnahmen werden die 32 Mitarbeiter sowie die Projekte des Vereins finanziert. 2015 hat er fast 100.000 Bücher verschenkt.

Kündigung wurde nicht begründet

Auf 500 Quadratmeter sind am Mehringdamm derzeit Geschäft, Büroräume und Lager für mehr als 50.000 Bücher untergebracht. Eine Begründung zur Kündigung gab es nicht, der Eigentümer, die britische Offshore-Investmentfirma Taliesin, ist derzeit nicht zu erreichen. Bei der Hausverwaltung Core heißt es: "Zunächst werden Umbauarbeiten stattfinden." Auf ihrer Internetseite schreibt die Firma Taliesin ganz offen: Die Immobilienpreise in Berlin seien noch vergleichsweise niedrig, die Preise für Eigentumswohnungen würden hingegen anziehen, "davon profitieren wir, indem wir Häuser in kleinere Einheiten aufteilen und als Eigentumswohnungen verkaufen". Temesvári fürchtet, dass das auch mit dem Haus am Mehringdamm passiert.

Vorstellen könnte sie sich, dass der Büchertisch in die früheren Räume der Bona-Peiser-Bibliothek an der Oranienstraße einzieht. "Im Moment sind wir noch in der Prüfphase, wie es mit den Räumlichkeiten weitergeht. Es ist nicht auszuschließen, dass dort der Büchertisch einziehen kann, aber das ist nur eine Option", heißt es aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Doch für den Büchertisch tickt die Uhr, viel Zeit, um einen neuen Standort zu finden, bleibt ihm nicht.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.