Berlin

Kinderpornografie wird zu digitalem Schrott

Mahnung gegen Missbrauch: 800 Kilo geschredderter Datenträger werden in Mitte ausgestellt

Im Glaspavillon neben der Volksbühne türmt sich seit Montag der Elektroschrott. 800 Kilo geschredderte CDs glitzern im Sonnenlicht. Nur ein kleiner Zettel an der Glasscheibe erklärt, was dort zu sehen ist. Kein bloßer Elektromüll nämlich. Sondern zerstörte CDs und DVDs mit kinderpornografischen Bildern. Es sind unter anderem Reste aus den Therapien des Pädophilie-Präventionsprojekts „Dunkel-feld“ an der Charité.

Dort können Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen, seit elf Jahren Hilfe bekommen und sich einer Therapie unterziehen. Als Symbol für ihren Neuanfang und den Erfolg dieser Therapie schreddern die Patienten ihre Datenträger mit kinderpornografischem Material.

Zur Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte hat sie nun der Berliner Künstler Costantino Ciervo gebracht. „Das Problem ist da, und es ist viel größer, als wir denken“, sagte er bei der Präsentation am Montag. Es sei seine moralische Pflicht als Mensch, Vater und Künstler gewesen, bei dem Kunstprojekt mitzumachen. Der Schrotthügel mit dem Titel „Readywaste“ sei ein Versuch, das Undarstellbare darzustellen. Er solle die Therapieerfolge zeigen, aber auch das Ausmaß von Herstellung und Verbreitung der Abbildungen.

Durch die Digitalisierung hat sich der weltweite Austausch von kinderpornografischem Material drastisch verändert. Wurden 2010 noch 1351 Internetseiten mit Aufnahmen sexuellen Kindesmissbrauchs gefunden, waren es drei Jahre später bereits 13.000 Seiten.

Um auf das Problem sowie die Möglichkeiten seiner Prävention aufmerksam zu machen, entstand die Idee, die Datenträger-Reste in einem Kunstwerk zu verarbeiten. „Die Wucht des Themas führt eigentlich dazu, dass viele ausweichen. Aber unser Künstler nicht“, sagte Klaus Beier, Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft der Charité und Sprecher des Präventionsprojekts. Man wolle ein Signal setzen, dass man Betroffenen Hilfe anbiete ohne sie zu stigmatisieren und ins gesellschaftliche Abseits zu drängen. Erste Untersuchungen am Berliner Standort hätten gezeigt, dass die Therapie das Risiko sexuellen Kindesmissbrauchs reduziere und so Traumatisierungen von Kindern verhindere.

Doch einmal ins Netz gestellt, lassen sich die Bilder häufig nie wieder löschen. „Die Opfer erleben den Missbrauch durch das Internet wieder und wieder und werden immer wieder traumatisiert“, sagte Julia von Weiler, Geschäftsführerin der Kinderschutzorganisation „Innocence in Danger“. Daher beleuchten zwei Scheinwerfer den Hügel an der Volksbühne. Die Scherben reflektieren das Licht tausendfach. Es soll zeigen: Hinter jeder Abbildung verbirgt sich der Missbrauch eines Kindes.

Der CD-Berg soll wachsen. Jede Woche will Costantino Ciervo 50 Kilo hinzufügen. Seine Arbeit ist rund um die Uhr bis zum 25. August zu sehen.