E-Mobilität

Trotz Prämie – Nur 32 Berliner wollen ein Elektroauto

Der Bund fördert E-Fahrzeuge mit bis zu 4000 Euro. Trotzdem haben erst 32 Autofahrer einen Antrag gestellt. Die Gründe sind vielfältig.

In Berlin sind rund 3000 E-Autos angemeldet. Fraglich ist, ob es noch mehr werden

In Berlin sind rund 3000 E-Autos angemeldet. Fraglich ist, ob es noch mehr werden

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Der Verkauf von geförderten Elektroautos kommt in Berlin nur schleppend in Schwung. Nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle wurden in der Hauptstadt bislang lediglich 32 Anträge auf die Förderung eines rein batteriebetriebenen (12) beziehungsweise eines Plug-In-Hybridfahrzeugs (20) gestellt. Das bedeutet, dass nur einer von 110.000 Berlinern das Angebot nutzen möchte.

Damit liegt die Hauptstadt im Verhältnis zur Bevölkerungszahl bundesweit unter dem Durchschnitt. Insgesamt liegen bislang 1523 Anträge vor – knapp einer pro 54.000 Bewohnern. Spitzenreiter sind Bayern und Baden-Württemberg, die Schlusslichter bilden die ostdeutschen Bundesländer.

Seit dem 2. Juli können Autofahrer im Rahmen des Förderprogramms „Umweltbonus“ bei der Bundesregierung einen Zuschuss beantragen. Mindestens 300.000 E-Autos sollen so neu auf die Straße kommen. Für ein reines E-Auto werden 4000 Euro, für einen Plug-In-Hybrid – also ein aufladbares Fahrzeug mit Batterie- und Verbrennungsmotor – 3000 Euro gezahlt.

Berlin hat das dichteste Netz an Ladesäulen

Bund und Hersteller teilen sich die Kosten, insgesamt 84 Modelle sind förderfähig. Die Förderung läuft voraussichtlich bis 2019. Es gilt: Wer zuerst kommt, kassiert zuerst. Sind die geplanten 1,2 Milliarden Euro abgerufen, endet das Programm.

Unter Experten stößt die niedrige Zahl von Anträgen aus Berlin auf Verwunderung. Ein Gegenargument beim Kauf von E-Autos ist oft das Fehlen von Ladesäulen. „Doch Berlin gehört zu den Städten mit einer besseren Infrastruktur, deshalb müssten es eigentlich mehr Anträge sein“, sagte Jörg Kirst vom ADAC Berlin Brandenburg der Berliner Morgenpost. Tatsächlich hat Berlin laut der Berliner Agentur für Elektromobilität (Emo) mit 636 öffentlichen Lademöglichkeiten das dichteste Netz unter 900 Kommunen.

Doch das Aufladen an diesen Säulen dauert mehrere Stunden, und die Stationen sind oft zugeparkt. Von den sogenannten Schnellladesäulen, wo das Aufladen von 80 Prozent der Batterie nur 20 Minuten dauert, gibt es erst rund ein Dutzend. Die Senatsverkehrsverwaltung hat den Bau von 20 weiteren dieser Stationen versprochen, allerdings ist die Umsetzung ungewiss, da sie abhängig von der Nachfrage ist.

Ohne eigenen Stellplatz macht E-Auto keinen Sinn

Emo-Chef Gernot Lobenberg gestand kürzlich ein, dass ein privates E-Auto bisher nur bei einem eigenen Abstellplatz, wo in Ruhe geladen werden könne, Sinn mache. Auch wegen der hohen Anschaffungskosten sind Autofahrer zurückhaltend.

„Womöglich ist der Elektro-Hype in der Bevölkerung einfach verebbt“, sagte ADAC-Vertreter Kirst. Seit 2013 ist Berlin „Internationales Schaufenster für Elektromobilität“, 76 Millionen Euro für diverse Projekte flossen dafür in die Region. Das Thema E-Mobilität wurde öffentlichkeitswirksam angepriesen, doch durchschlagende Erfolge lassen noch auf sich warten.

Laut Andreas Knie, Professor am Schöneberger Innovationszentrum InnoZ, ist das auch eine Frage der Einstellung. Der Berliner Senat habe sich noch nicht von der Auto-Politik der 60er-Jahre verabschiedet. Dennoch soll die E-Mobility weiter gefördert werden, im Doppelhaushalt 2016/17 stehen dafür 2,3 Millionen Euro in Berlin bereit.

Auch die Opposition im Abgeordnetenhaus bemängelt die Arbeit der rot-schwarzen Koalition. „Der Senat sieht die Potenziale nicht, er hat keinen Plan, das ist erstaunlich“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar. So konnte die Senatsverkehrsverwaltung auf eine Anfrage Gelbhaars nicht beantworten, wie groß der Bestand an Elektrokraftfahrzeugen im Fuhrpark der Haupt-und Bezirksverwaltungen ist.