Prozess

Serie von Unfällen - Juristin gesteht vor Gericht

Eine Juristin steht vor Gericht, weil sie betrunken mehrere Unfälle verursacht haben soll. Sie legt ein Geständnis ab.

Foto: imago stock&people / imago/Ralph Peters

Anwälte auf der Anklagebank vor einer Moabiter Strafkammer sind eher eine Seltenheit. Margarete P. (Name geändert) konnte ihren Prozess gar nicht erwarten. Die Juristin mit Einser-Examen will dieses Verfahren, das Anfang 2013 begann, endlich hinter sich bringen. Der 40-Jährigen werden Körperverletzung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Fahrerflucht, Trunkenheit im Straßenverkehr und Fahren ohne Führerschein vorgeworfen.

Der schwerste Fall ereignete sich am 29. Januar 2013 an der Prinzenallee im Stadtteil Wedding. Ein LKW wollte rückwärts in eine Parklücke fahren und kollidierte dabei mit dem Opel Vectra von Margarete P., die kurz vorher wegen Trunkenheit ihren Führerschein verloren hatte. Zunächst bat sie den Fahrer inständig, auf das Informieren der Polizei zu verzichten. Der Kraftfahrer sah das anders. Woraufhin die Anwältin in ihr Auto stieg und die Flucht ergriff. Den Fahrer, der noch vor der offenen Fahrertür ihres Autos stand, schleifte sie dabei mehrere Meter mit. Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass der Mann nur am Daumen verletzt wurde.

Margarete P. sieht ihr Handeln heute selbstkritisch. Vor zwei Jahren hatte ihr Prozess schon einmal begonnen. Damals vor einer Amtsrichterin. Die brach das Verfahren aber ganz schnell ab und reichte es an das Landgericht weiter, als sie erfuhr, dass Margarete P. unter einer bipolaren Störung leidet und es um eine Einweisung in den Maßregelvollzug gehen könnte. Die Taten geschahen, als die Anwältin gerade einen manischen Schub hatte. Sie hatte ihre Medikamente abgesetzt, weil sie zu sehr zugenommen habe, sagte sie am Freitag. Auch habe sie unter großem Liebeskummer gelitten.

Der Prozess könnte mit einem Freispruch enden. In einem Gutachten wird Margarete P. Schuldunfähigkeit zum Zeitpunkt der Taten attestiert. Sie selbst hofft auf einen neuen Start und schwor den Richtern, künftig stets ihre Medikamente zu nehmen.