Berlin

Mehr als 1300 Blitze über Berlin

Unwetter führt stadtweit zu über 320 Einsätzen der Feuerwehr. Gleimtunnel in Prenzlauer Berg überschwemmt

H. NIBBRIG UND F. ANDERS

Das Unwetter am späten Mittwochnachmittag über Berlin währte nur relativ kurz, die Folgen hingegen waren gravierend. Nach andauerndem Starkregen sorgten die Wassermassen für massive Probleme im gesamten Stadtgebiet. Nicht nur Keller liefen voll, ganze Straßenzüge und sogar Teilstücke der Autobahn mussten wegen Überschwemmung gesperrt werden. Busse wurden umgeleitet, in U-Bahnhöfen brachten sich Menschen vor den die Treppen heerabstürzenden Wassermassen in Sicherheit und in Einkaufszentren mussten Geschäfte in den Kellergeschossen wegen des eindringenden Wassers schließen.

Mittags zeigte sich die Feuerwehr trotz bestehender Wetterwarnungen für die Region noch vorsichtig optimistisch. Vieles spreche dafür, dass das Unwetter wieder einmal an Berlin vorbeiziehen könnte, sagte eine Sprecherin. Sollte es anders kommen, sei man allerdings vorbereitet. Es kam anders. Um 16.02 Uhr rief die Feuerwehr den „Ausnahmezustand Wasser“ aus, eine Stunde später hatte der Lagedienst bereits mehr als 100 wetterbedingte Einsätze registriert. Bis 19.30 Uhr erhöhte sich die Zahl auf 322.

Vor allem in Mitte und in Prenzlauer Berg musste die Polizei mehrere Straßenzüge sperren. Gullys konnten die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Im Süden und Südosten das gleich Bild. Das Autobahnkreuz Schönefeld musste ebenso zeitweilig gesperrt werden, genauso wie der Sachsendamm in Schöneberg. Und im Gleimtunnel zwischen Wedding und Prenzlauer Berg wurden durch eindringende Wassermassen etwa 40 parkende Autos ineinander geschoben. Meldungen über Verletzte gab es zunächst nicht.

BVG unterbricht Betrieb der U-Bahnlinie 2

Probleme hatten auch viele Einzelhandelsgeschäfte. Vor allem am Potsdamer Platz berichteten Mitarbeiter und Kunden, etliche Läden hätten schließen müssen, weil Wasser eingedrungen war. Das Center-Management war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Feuerwehr bestätigte zwar mehrere Einsätze im Bereich des Potsdamer Platzes, konnte aber wegen der Fülle der Einsätze zunächst keine Einzelheiten nennen. Auch die Profis von Hertha BSC blieben von den Folgen des Starkregens nicht verschont. Unmittelbar vor der ersten internationalen Begegnung in einem europäischen Wettbewerb seit Jahren musste das Abschlusstraining der Mannschaft wetterbedingt abgebrochen werden. Die BVG teilte mit, zeitweise sei der Betrieb auf der U2 zwischen Stadtmitte und Spittelmarkt unterbrochen worden. Das Unternehmen meldete zudem Verspätungen bei allen Bus- und Straßenbahnlinien. Der Deutsche Wetterdienst hatte gegen 14.30 Uhr vor einem schweren Unwetter der Stufen 3 und 4 für Berlin und Brandenburg gewarnt. In einer Blitzanalyse auf kachelmannwetter.com lässt sich ablesen, wo welche Blitze einschlugen oder durch die Wolken zuckte. Um 15.50 Uhr wurden von den Meteorologen mehr als 1300 Blitze über Berlin registriert. Besonders betroffen von den Blitzeinschlägen waren die südlichen Bezirke. Die Stromstärke der Blitze wird dabei in Kiloampere gemessen.
Einer der stärksten Blitze mit 42 Kiloamper wurde in Friedrichshain am Parochialfriedhof nahe der Landsberger Allee registriert. Ein Blitz dieser Stärke kann in der unmittelbaren Umgebung erhebliche Schäden anrichten, sagte Meteorologe Jörg Kachelmann. Dieser Blitz verlief allerdings ohne große Folgen.