Ausnahmezustand beendet

Bilanz zum Unwetter - So stand Berlin unter Wasser

Über Berlin zogen Gewitter hinweg und hielten Feuerwehr wie Polizei auf Trab. Straßen und Bahnhöfe standen unter Wasser. Eine Bilanz.

Auch U-Bahnstationen standen unter Wasser

Auch U-Bahnstationen standen unter Wasser

Bei einem heftigen Unwetter sind am Mittwochnachmittag in Berlin zahlreiche Straßen überschwemmt worden, und die Feuerwehr war stundenlang im Dauereinsatz. Betroffen war nach ihren Angaben fast der gesamte Südosten der Stadt mit den Bezirken Mitte, Pankow, Neukölln, Tempelhof, Köpenick und Schöneberg. Ein Sprecher sprach von einem Bereich östlich einer Linie Pankow-Lichterfelde. Dagegen hätten andere Teile wie etwa der Bezirk Reinickendorf kaum etwas abbekommen. Auch das benachbarte Brandenburg blieb bis auf einige voll gelaufene Keller weitgehend verschont.

Videos und Fotos im Internet zeigten teils unter Wasser stehende Berliner Straßen und Bahntunnel, in die Regenfluten über Treppenstufen hinabstürzten. Im Ortsteil Prenzlauer Berg wateten Passanten teilweise durch knietiefes Wasser. Besonders schwer traf es den Gleimtunnel zwischen Wedding und Prenzlauer Berg: Dort standen geparkte Autos vorübergehend bis zum Dach in den Fluten, wurden weggeschwemmt und verkeilten sich zum Teil. Ein Besitzer berichtete, wie sich sein Wagen um 180 Grad gedreht habe.

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Der Tunnel war nicht mehr passierbar und wurde gesperrt.. Am Donnerstagmorgen teilte die Polizei mit, dass der Tunnel aufgrund der Unwetterschäden weiter gesperrt bleibt.

Alle Autos blieben erst mal in der Unterführung und würden später weggeholt. Zudem war auf Videos zu sehen, wie der Starkregen anscheinend eine Überschwemmung in der Flüchtlingsunterkunft in den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof verursachte.

Das Unwetter in Berlin

Das Unwetter von Mittwoch über Berlin

In der Nacht zu Donnerstag blieb es laut Feuerwehr ruhig

Die Feuerwehr rief um 16:02 Uhr den Ausnahmezustand aus, der um 22.00 Uhr beendet wurde. In dieser Zeit rückten nach ihren Angaben rund 1000 Kräfte zu 357 wetterbedingten Einsätzen aus. Wegen des Unwetters seien die regulär 585 Einsatzkräfte im Tagesdienst um etwa fast noch mal so viele der Freiwilligen Feuerwehren aufgestockt worden. Sie wurden vor allem wegen überschwemmter Straßen und voll gelaufener Keller gerufen. Am frühen Nachmittag war zunächst nur von vereinzelten Wasserschäden und Blitzeinschlägen ohne größere Schäden die Rede gewesen.

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Nach Ende des Ausnahmezustands gegen 22 Uhr sei es dann ruhig geblieben, sagte ein Feuerwehr-Sprecher am Donnerstagmorgen der Berliner Morgenpost. Man habe nicht mehr unwetterbedingt ausrücken müssen. "Es reichte dann allerdings auch", so der Sprecher. "Vor allem für die Betroffenen."

1300 Blitze über Berlin registriert

In einer Blitzanalyse auf kachelmannwetter.com lässt sich ablesen, wo welche Blitze einschlugen oder durch die Wolken zuckte. Um 15.50 Uhr wurden von den Meteorologen mehr als 1300 Blitze über Berlin registriert. Besonders betroffen von den Blitzeinschlägen waren die südlichen Bezirke. Die Stromstärke der Blitze wird dabei in Kiloampere gemessen. Einer der stärksten Blitze mit 42 Kiloampere wurde in Friedrichshain am Parochialfriedhof nahe der Landsberger Allee registriert. Ein Blitz dieser Stärke kann in der unmittelbaren Umgebung erhebliche Schäden anrichten, sagte Meteorologe Jörg Kachelmann. Dieser Blitz verlief allerdings ohne große Folgen.

Aufgrund des Unwetters musste auch der Betrieb auf der U-Bahnlinie 2 am Mittwoch zwischen den U-Bahnhöfen Spittelmarkt und Stadtmitte für einige Zeit eingestellt werden, wie die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) via Twitter mitteilte.

Der Deutsche Wetterdienst hatte gegen 14:30 Uhr vor einem schweren Unwetter der Stufen 3 und 4 für den Bereich Berlin und Brandenburg gewarnt. Die Warnung galt bis 18 Uhr. Ursache war eine von Südwesten nach Südosten ziehende Gewitterfront, die kühlere Luft brachte, wie eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes erläuterte. Binnen zwei Stunden seien stellenweise 30 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Das Wasser habe wegen der vorangegangenen langen Trockenphase nicht sogleich abfließen können, sagte der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, Stephan Natz, in der RBB-"Abenschau". Ein Unwetter wie das vom Mittwoch trete rein statistisch nur alle 50 Jahre auf.

Bilder und Videos der Unwetter-Folgen im Storify:

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