Qualitätsmängel

Gaslaternen brennen häufig auch am Tag

Die Wartung und Ersatzteillagerung von Gaslaternen werden laut dem Verein Gaslicht-Kultur vernachlässigt. Der Senat hat eine Erklärung.

Eine alte Gaslaterne in Zehlendorf

Eine alte Gaslaterne in Zehlendorf

Foto: dpa Picture-Alliance / Wolfram Steinberg / picture alliance / Wolfram Stein

Wenn es dunkel wird, gehen in Berlin derzeit noch etwa 34.000 Gaslaternen an. Es sei denn, sie sind schon an. Der Verein Gaslicht-Kultur kritisiert, dass immer mehr Gaslaternen auch am Tag brennen und ein häufiges Ärgernis darstellten. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung begründet das Problem mit Lieferschwierigkeiten und Qualitätsmängeln bei den Schaltgeräten, die für das An- und Ausschalten der Laternen zuständig sind.

"Der Markt für Ersatzteile der Gasleuchten ist sehr klein, die Möglichkeiten auszuweichen, besteht nicht", antwortete Staatssekretär Christian Gaebler auf die Frage zur Wartung der Gasleuchten im Straßenraum, die Jutta Matuschek (Linke) ans Abgeordnetenhaus gestellt hatte. So gebe es zwei Hersteller für Gasdämmungsschalter. Beide Lieferanten bezögen Magnetventile von einem Lieferanten in Italien. Dort hätte es Probleme gegeben.

Gravierende Versäumnisse

Der Verein Gaslicht-Kultur sieht die Ursache für die dauerhaft brennenden Gasleuchten hingegen im Missmanagement der Senatsverwaltung. "Die Wartungsfirmen sind vertraglich verpflichtet, ausreichend Ersatzteile vorzuhalten", sagt der Vereinsvorsitzende Bertold Kujath. Dies sei offenkundig nicht geschehen. Zudem müssten genügend funktionstüchtige Schaltgeräte aus den inzwischen 10.000 abgebauten Gaslaternen vorhanden sein. Nur ein kleiner Teil der Laternen sei wiederverwendet worden. "Die aktuellen Missstände liegen also keineswegs am System der Gasbeleuchtung selbst, sondern an gravierenden Versäumnissen bei der Wartung und der Ersatzteillagerung", so Kujath. Er wertet es als einen "Versuch, gegen die Gaslaternen vorzugehen".

Nicht nur im Straßenbild sollen die historischen Leuchten so gut wie verschwinden – nur 3300 werden von den 34.000 Gasleuchten übrig bleiben. Auch das Gasleuchten-Museum im Tiergarten wird umziehen. Es soll auf das Parkareal des Deutschen Technikmuseums. Dort werde es "qualitativ deutlich besser dargestellt werden können und damit auch für Touristen von größerer Attraktivität sein", so Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf eine weitere Anfrage der Linken im Abgeordnetenhaus.

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