Instagram

Bilder, die das Leben verändern

Auf der Foto-Plattform Instagram werben auch Berliner Start-ups für sich und ihre Arbeit. Marken-Chefin Amy Cole verrät ein paar Tipps.

Laura Muthesius vom Unternehmen „Our Food Stories“ fotografiert beim ein kunstvolles Arrangement aus Kuchen und Blumen

Laura Muthesius vom Unternehmen „Our Food Stories“ fotografiert beim ein kunstvolles Arrangement aus Kuchen und Blumen

Foto: Jörgen Camrath / BM

Hund Collin kommt aus der Wohnung gestürmt und begrüßt jeden Gast persönlich. Hinter der hölzernen Eingangstür, von der ganz dem Hipster Style entsprechend bereits die Farbe blättert, wartet ein noch viel hipsteriges Appartement. Als „Visionen des urbanen Lebens“ bezeichnet der Vermieter die Räume auf seiner Homepage. Man könnte auch sagen: Es ist der Traum eines jeden Instagram-Fotografen.

Die Wände sind bunt, von der Decke baumeln Designerlampen. Der Fußboden ist mit abgelaufenen Holzdielen belegt, und ein großer weißer Tisch zieht Blicke auf sich. Das „Freunde von Freunden“-Apartment in Mitte kann für verschiedene Anlässe gemietet werden. Von der Whiskyverkostung bis zum Pop-up-Store. Heute ist es ein Kennenlernen bei und mit Instagram.

Amy Cole ist in der Stadt. Als Head of Brand Management bei Instagram kümmert sich die Londonerin um die Zusammenarbeit mit Unternehmen in Europa und unterstützt sie hinsichtlich Werbeanzeigen und -zielen auf der beliebten Fotoplattform. Dabei sucht sie auch Kontakt zu jungen Start-ups, die geschäftlich auf Instagram setzen.

„Eine tolle Möglichkeit, um mit Menschen und Kunden in Kontakt zu kommen“

„Für uns ist Instagram eine tolle Möglichkeit, um mit Menschen und Kunden in Kontakt zu kommen und unsere Bilder zu präsentieren“, sagt Laura Muthesius von „Our Food Stories“. Die 26-Jährige ist zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Nora Eisermann gekommen. Die zwei Berlinerinnen haben Kuchen und Kekse gebacken, die sie nun so fotogen wie möglich auf dem weißen Tisch arrangieren. „Die Bildsprache im Netzwerk ist sehr ästhetisch gehalten“, sagt Eisermann. Daran habe man sich früh orientiert und so schnell Erfolge feiern können.

„In den ersten Monaten haben wir rund 8000 Follower gewinnen können, dann wurden wir durch Instagram gefeatured – was noch einmal einen zusätzlichen Push gegeben hat“, erklärt die 33-Jährige. Beim „Featuren“ wählen Mitarbeiter des Fotonetzwerkes bestimmte Accounts aus, die neuen Nutzern bevorzugt empfohlen werden. Für diese Accounts bedeutet das meist einen Zuwachs von Hunderten oder Tausenden neuen Abonnenten am Tag.

Auch Ruby Barber gehört zu den Unternehmern in Deutschland, die Instagram für sich entdeckt haben. Nutzte die 27-Jährige die Plattform zu Beginn vor allem privat, entwickelte sich der Kanal schnell zu einem Portfolio ihrer Arbeit – ganz wie bei „Our Food Stories“. Barber ist Gründerin von „Mary Lennox“, einem Berliner Start-up, das sich aufs Styling, die Beschaffung von und die Beratung rund um Blumen spezialisiert hat.

„Wenn mich jemand fragt, was ich in den vergangenen Wochen so gemacht habe, dann verweise ich ihn auf unseren Instagram-Account“, sagt Barber. Über 35.000 Abonnenten verfolgen dort, was sich die Australierin mit ihrem Team ausdenkt. Natürlich hat sie auch an diesem Tag Blumen dabei, die sie mit einer Kollegin vor den Augen der versammelten Instagram-Mitarbeiter herrichtet. „Instagram hat mir dabei geholfen, mich und meine Arbeit bekannt zu machen“, sagt Barber. „Es ist nicht nur eine Foto-App, es kann dein Leben verändern.“

Klare Zielsetzung bei der Wahl der Fotosprache

Da aber nicht jedes Unternehmen so organisch Erfolge feiern kann wie „Mary Lennox“ und „Our Food Stories“, können Kunden seit April 2015 in Deutschland Anzeigen schalten. Cole empfiehlt eine klare Zielsetzung bei der Wahl der Bildsprache. „Man bekommt nur diesen kurzen Moment, wenn die Nutzer durch die Bilder scrollen und sich entscheiden, ob sie auf die Werbung anspringen oder nicht.“

„Our Food Stories“ hat es ganz ohne Werbung auf knapp 800.000 Instagram-Abonnenten geschafft. Die Gründerinnen lernten sich am Rande eines Filmprojektes kennen. „Ich habe damals unter mehreren Nahrungsunverträglichkeiten gelitten“, sagt Muthesius. Weil der Gang ins Restaurant dadurch kaum möglich gewesen sei, ging sie mit ihrer späteren Geschäftspartnerin auf die Suche nach Rezepten.

Da es damals in Cafés kaum glutenfreien Kuchen gab, haben sie ihn einfach selbst gemacht, erzählt die 26-Jährige. Ihre Rezepte veröffentlichten sie zunächst auf ihrem Blog. Später kam Instagram hinzu, wo sie sich austauschen und inspirieren lassen konnten, sagt Eisermann. Heute arbeiten sie hauptberuflich als Fotografen und Food-Stylisten.

95 Millionen Fotos kommen täglich bei der Plattform hinzu

Viele Instagram-Nutzer, die heute Tausende Abonnenten haben, verdanken den Erfolg auch dem Umstand, Vorreiter gewesen zu sein. Sechs Jahre nach dem Start sind mittlerweile 500 Millionen Instagramer jeden Monat auf der Plattform aktiv – in Deutschland laut Firmenangaben neun Millionen. Bei der Menge an Nutzern und Bildern, 95 Millionen Fotos kommen täglich hinzu, wird es immer schwieriger, herauszustechen.

„Wer früh angefangen hat, ist natürlich mitgewachsen“, sagt Cole. Andererseits hätten Neuanfänger den Vorteil, dass sie auf den Erfahrungen der anderen aufbauen und sich etwa auf Instameets außerhalb der virtuellen Welt kennenlernen und austauschen könnten. Instameets sind auch in Berlin sehr beliebt. Organisiert werden die Treffen meist über die Plattform. Im „Freunde von Freunden“-Apartment ist mittlerweile alles angerichtet. Es wird Zeit, die Kameras rauszuholen.