Kriminalität

Wo die Gefahr des Fahrraddiebstahls in Berlin am größten ist

Die Zahl der Fahrraddiebstähle in Berlin erreicht mit 32.244 im vergangenen Jahr einen Rekordstand.

Fahrradfahren wird immer beliebter. Der Trend zum Rad ist in Berlin ungebrochen – allerdings auch bei Kriminellen. Die Zahl der Fahrraddiebstähle erreicht in jedem Jahr wieder einen Rekordstand. 32.244 Fälle erfasste die Polizei im vergangenen Jahr, wie die jetzt vorgelegte Kriminalstatistik zeigt. Eine Zunahme von fast fünf Prozent gegenüber 2014. Im Jahr 2006 wurden in der gesamten Stadt hingegen nur 18.775 Fälle angezeigt.

Die größten Risiken, dass ihr Gefährt verschwindet, haben Radfahrer im weiteren innerstädtischen Bereich. Die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg führen die Statistik an. Für den Berliner Kriminalitätsatlas haben die Statistiker der Polizei die tatsächlichen Fälle außer für die Bezirke auch für kleinere Bereiche auf jeweils 100.000 Einwohner umgerechnet, wodurch sich die sogenannte Häufigkeitszahl ergibt.

So können einzelne Örtlichkeiten miteinander verglichen werden. Außerdem werden die Behörden dadurch in die Lage versetzt, an den Schwerpunkten der Kriminalität entsprechend aktiv zu werden, sei es durch besondere Fahndungsmaßnahmen oder auch durch Vorbeugungs- und Aufklärungsaktionen.

Besonders viel zu tun hat die Polizei im Hinblick auf Fahrraddiebstähle im Regierungsviertel. Nirgendwo sonst in Berlin werden so viele Fahrräder geklaut wie dort. Die Häufigkeitszahl der Taten erreicht den Wert 3661. Ebenfalls stark belastet im Bezirk Mitte ist der Alexanderplatz mit einer Häufigkeitszahl von 2111. Der Bereich ist damit stadtweit der dritthäufigste Tatort von Fahrraddiebstählen. Davor liegt nur noch Alt-Treptow (2487).

Berlin in der Spitzengruppe der Bundesländer

Bundesweit liegt Berlin hinter Bremen und Hamburg auf Platz 3 bei Fahrraddiebstählen. Dazu tragen ebenso die vielen Taten in der Tempelhofer Vorstadt sowie der nördlichen und südlichen Luisenstadt in Friedrichshain-Kreuzberg, in Prenzlauer Berg Nord, Nordwest und Pankow Zentrum sowie am Kurfürstendamm und in den Breichen Barstraße und Otto-Suhr-Allee bei. Gestohlen wird alles vom einfachen Tourenrad bis hin zum Luxus-Rennrad. Ist ein Fahrrad erst einmal in die falschen Hände geraten, so bleibt es zumeist auch für immer verschwunden. Die Aufklärungsquote ist laut Kriminalstatistik mit 3,9 Prozent verschwindend gering.

„Nach Fahrraddiebstählen konnten 1155 Tatverdächtige ermittelt werden“, sagt ein Sprecher der Polizei. Fahrraddiebstahl ist ein Delikt, das vielfach von jüngeren Tätern begangen wird: 37 Prozent der Tatverdächtigen waren jünger als 21 Jahre. Oft wird spontan eine sich bietende Gelegenheit genutzt.

Der angerichtete Schaden ist immens. „Der Gesamtschaden aller vollendeten Fahrraddiebstähle betrug mehr als 18 Millionen Euro“, sagte der Polizeisprecher. Viele der Diebe sind professionelle Täter. Sie sind gut ausgerüstet und benutzen Bolzenschneider oder manchmal sogar mobile hydraulische Scheren, ähnlich wie die Feuerwehr. In Sekundenschnelle sind auch sicher scheinende Schlösser geknackt. Die Räder verschwinden häufig in einem Lieferwagen und werden bald, nicht selten in Einzelteile zerlegt, verkauft.

Da die Täter schwer zu fassen sind, setzt die Polizei hauptsächlich auf Vorbeugung. „Insbesondere ein bewusstes Abstellverhalten sowie eine zureichende technische Sicherung von Fahrrädern ist Bestandteil der polizeilichen Beratung“, sagt ein Behördensprecher.

Kennzeichnung und Registrierung bieten Schutz

Fahrradbesitzern wird empfohlen, sich die Rahmennummer und die wichtigsten Daten im Fahrradpass zu notieren. Die Möglichkeit, Fahrräder kostenfrei kennzeichnen und registrieren zu lassen, besteht nach Polizeiangaben an zahlreichen Terminen und Örtlichkeiten. Neben Schwerpunktaktionen an erkannten Brennpunkten von Diebstählen sowie Orten, an denen die Beamten möglichst viele Radfahrende ansprechen können, wird dieser Service auch auf jedem Polizeiabschnitt der Stadt an bestimmten Tagen angeboten. Die Termine sind im Internet abrufbar.

http://www.berlin.de/polizei/aufgaben/praevention/diebstahl-und-einbruch/artikel.228483.php