Berlin

40 Millionen Euro für neue OP-Säle in Berlin

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Helga Labenski
Wie in dieser Simulation soll der neue Gebäude auf dem Gelände des Auguste-Viktoria-Krankenhauses aussehen

Wie in dieser Simulation soll der neue Gebäude auf dem Gelände des Auguste-Viktoria-Krankenhauses aussehen

Foto: meißner mhb

Das 110 Jahre alte Auguste-Viktoria-Krankenhaus wird modernisiert. Fünf neue Gebäude sollen bis zum Jahr 2020 am Standort entstehen

Die Baugrube ist schon ausgehoben: neun Meter tief. Unterirdisch soll auf dem Gelände des Auguste-Viktoria-Krankenhauses (AVK) an der Rubens-straße in Friedenau zunächst eine neue Technikzentrale entstehen. Sobald das Kellergeschoss mit der Steuerung der Wärme- und Wasserversorgung fertig ist, wird darüber ein viergeschossiger Neubau für neue OP-Säle, Intensivstation, Bettenstationen und Radiologie hochgezogen. Das Haus ist der erste von fünf geplanten Neubauten des Auguste-Viktoria-Klinikums.

Am Freitag haben Vertreter des Berliner Krankenhauskonzerns Vivantes gemeinsam mit Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) und Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) auf einem Baufeld am Grazer Damm mit einem symbolischen ersten Spatenstich den Startschuss für ein ebenso ehrgeiziges wie langfristiges Vorhaben gesetzt. Das AVK soll innerhalb der kommenden 16 Jahre baulich umstrukturiert werden.

Der erste Neubau, für den die Arbeiten begonnen haben, soll vor allem von der Urologie genutzt werden. Auch die Neurologie wird mit einer neuen Stroke Unit für Schlaganfallpatienten dort unterkommen. Zudem entsteht in dem Haus ein modernes Operationszentrum mit zunächst sechs OP-Sälen. Nach der Fertigstellung des unterirdischen Technikzentrums soll 2017 der Hochbau beginnen, für den drei Jahre veranschlagt sind. 40 Millionen Euro investiert das landeseigene Klinikunternehmen in diesen ersten Bauabschnitt. Zehn Millionen Euro davon kommen aus dem „Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt“ (SIWA) des Landes Berlin.

Im zweiten Bauabschnitt soll neue Rettungsstelle entstehen

Für weitere 35 Millionen Euro will Vivantes in einem zweiten Bauabschnitt neben dem neuen Haus der Urologie einen weiteren Neubau errichten, der die Rettungsstelle, aber auch einen weiteren OP-Trakt mit voraussichtlich weiteren sechs Sälen aufnimmt. Bis 2032 sollen auf einem rund 250 Meter langen Baustreifen entlang des Grazer Damms fünf neue Häuser mit bis zu fünf Geschossen entstehen.

Rolf Syben, Geschäftsführender Direktor des AVK, sprach am Freitag von „einem echten Sprung in die Moderne“. Bisher habe es nur behutsame Sanierungen im Bestand gegeben. Das 1906 eröffnete Krankenhaus wurde im zeittypischen Pavillonstil gebaut. Für Personal und Patienten bedeutet das vor allem lange Wege.

Zum symbolischen Spatenstich am Freitag hatte Vivantes-Chefin Andrea Grebe die Chronik des Auguste-Viktoria-Klinikums mitgebracht, das in diesem Jahr sein 110-jähriges Bestehen feiert. Am 10. Februar 1910 hatte sich schon Kaiserin Auguste-Viktoria in das Gästebuch eingetragen. „Das Neubauvorhaben ist für uns ein Meilenstein in Bezug auf die qualitative Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung in der Region“, sagte Andrea Grebe. „Wir investieren in eine bessere Versorgung der Patientinnen und Patienten für die kommenden Jahrzehnte.“

Das Auguste-Viktoria-Klinikum ist ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung für den Berliner Südwesten. Es verfügt über 560 Betten und 100 weitere Plätze in einer Entwöhnungsklinik. Zum Spektrum gehören ein Endoprothetikzentrum für Berlin und Brandenburg sowie das deutschlandweit größte Behandlungszentrum für Menschen mit HIV und Aids.

„Wir wollen den Standort weiter stärken“, kündigte Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja am Freitag vor dem ersten Spatenstich an. In den zurückliegenden Jahren sei nicht ausreichend in die Berliner Kliniken investiert worden, räumte Czaja ein. Bei Sanierungsmaßnahmen seien oft Provisorien in Kauf genommen worden. So sei die Rettungsstelle des AVK bei der Eröffnung im Jahr 1989 für 18.000 Notfälle im Jahr ausgelegt gewesen. Inzwischen müsse sie 40.000 akut Erkrankte versorgen. Dass das Land Berlin nun aus dem Sondervermögen Wachsende Stadt erhebliche Mittel in die Krankenhäuser investiere, sieht Czaja als „ein deutliches Zeichen“ der Umsteuerung.

„Wachsende Stadt bedeutet auch mehr Patienten“

400 Millionen Euro aus Haushaltsüberschüssen fließen in dieser Legislatur­periode in den Fonds SIWA. 108 Millionen Euro davon will die Stadt für Modernisierungen der städtischen Kliniken ausgeben. Am AVK werde im Gesundheitsbereich zum ersten Mal von diesem Finanzierungsinstrument Gebrauch gemacht, sagte Berlins Finanzsenator Kollatz-Ahnen. Allein Vivantes erhalte so zu den 33 Millionen Euro Zuweisungen aus dem regulären Haushalt weitere 40 Millionen Euro SIWA-Mittel.

Die Hauptstadt hat inzwischen 3,5 Millionen Einwohner – das hat Konsequenzen: „Mehr Bewohner bedeuten auch anteilig mehr Patienten“, sagte Kollatz-Ahnen. Die Modernisierung des AVK sei eine wichtige Strukturmaßnahme, um mehr Menschen medizinisch zu versorgen. „Sie bringen bessere Arbeitsabläufe und dann auch höhere Fallzahlen“, so der Finanzsenator.