Krankenpfleger

Prozess: Falscher Arzt arbeitete absolut unauffällig

Denny H. alias Dr. Cato H. war als Hochstapler sehr geschickt. Ein Chefarzt prüfte seine OP-Protokolle und konnte nichts beanstanden.

Krankenpfleger Denny H.  soll sich jahrelang als Arzt ausgegeben haben

Krankenpfleger Denny H. soll sich jahrelang als Arzt ausgegeben haben

Foto: Rainer Jensen / dpa

Denny H. alias Dr. med. Cato H. war sehr überzeugend. Der 41-jährige Krankenpfleger, der sich jahrelang erfolgreich als Arzt ausgab und auch praktizierte, muss sich vor einer Moabiter Strafkammer wegen Missbrauchs von Titeln, Urkundenfälschung und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Am Donnerstag sagte ein Arzt als Zeuge aus. Er hatte 2014 im Ortsteil Charlottenburg ein ambulantes Operationszentrum eröffnet und suchte nach Anästhesisten. Ein Kollege empfahl ihm Denny H. , der habe „super Referenzen“. Und Denny H. zeigt auch sofort Interesse. Hatte er doch ein paar Tage zuvor seine Stelle als Koordinator bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation verloren. Allerdings nicht wegen fachlicher Mängel. Vor Gericht ist die Rede von „Arbeitszeitbetrug“ und „Dokumentendiebstahl“.

Der Inhaber des ambulantes Operationszentrums führte mit Denny H. damals ein kurzes Gespräch. Er war nicht im Traum davon ausgegangen, dass es sich um einen Hochstapler handeln könnte. Denny H., sagte er vor Gericht, habe sich auf sofort zurecht gefunden und einen sehr sicheren Eindruck gemacht. „Man bekommt sehr schnell mit, ob jemand routiniert ist und ob im OP gleich die ersten Handgriffe sitzen.“

Einer als Zeugin geladenen Anästhesieschwester, mit die Danny H. in dem Operationszentrum mehrfach zusammen arbeitete, sagte vor Gericht: „Es gab manchmal Situationen, die komisch waren“. Schlüssig begründen konnte sie das aber nicht. Es hatte bei ihr auch nicht dazu geführt, etwa misstrauisch zu werden.

Denny H. wirkte in dem Operationszentrum als - vermeintlicher - Anästhesist bei 41 ambulanten Operationen mit. Der Chefarzt der Anästhesie des Vivantes Klinikum in Friedrichshain, Prof. Dr. Christian von Heymann, hat die von Denny H. gefertigten Protokolle dieser 41 Operationen kritisch geprüft. Ihm sei dabei nur aufgefallen, dass sie im Vergleich zur Praxis in seiner Klinik etwas weniger umfangreich waren, sagte er vor Gericht. Fachlich sei alles korrekt.

Von Heymann wies aber nachdrücklich darauf hin, dass ein Anästhesist in kritischen Situationen innerhalb von Sekunden lebensrettende Entscheidungen treffen müsse. Dafür bedürfe es langjähriger ärztlicher Erfahrungen. Nicht umsonst dauere die Ausbildung zum Facharzt für Anästhesiologie nach dem sechsjährigen allgemeinmedizinischen Studium noch einmal weitere fünf Jahre.