90-Sekünder

Neues VBB-Video: „Knigge“ für Radfahrer im Zug

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg will mit Verhaltensregeln das Miteinander der Fahrgäste verbessern.

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg will in einem 90-sekündigen Werbespot einige Grundsätze vermitteln - einfach Regeln, die aber offensichtlich von vielen Fahrgästen vergessen wurden

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg will in einem 90-sekündigen Werbespot einige Grundsätze vermitteln - einfach Regeln, die aber offensichtlich von vielen Fahrgästen vergessen wurden

Foto: VBB / BM

Eine Situation, wie sie in diesen Tagen wohl häufiger zu erleben ist: Der gut besetzte Regionalzug ins brandenburgische Umland fährt ein, und draußen auf dem Bahnsteig steht eine zwölfköpfige Radfahrergruppe. Die will jetzt auch noch mit. Dann öffnet sich die Tür, und bevor überhaupt jemand aussteigen kann, versucht der erste Fahrradfahrer mit dem Rad vorneweg in den Waggon zu gelangen. Im Wageninneren ist das Mehrzweckabteil jedoch belegt. Auf den Klappsitzen haben längst schon andere Reisende Platz genommen, für die Räder ist da kein Platz mehr. Lautes Geschrei und Gezänk sind die Folge.

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) versucht nun, auf die immer häufiger auftretenden Konflikte zwischen Radfahrern und Reisenden ohne Fahrrad zu reagieren. Anders als andere Verkehrsverbünde, die bereits Sperrzeiten für die Fahrradmitnahme eingeführt haben, versuchen es die Verantwortlichen des VBB erst einmal auf die nette Art. Der Verkehrsverbund hat einen kleinen, 90-sekündigen Werbespot produzieren lassen – eine Art „Radfahrer-Knigge“. „Wir wollen damit – ohne erhobenen Zeigenfinger – einen Beitrag leisten zu einem besseren Mit­einander zwischen Reisenden mit und ohne Rad“, sagte VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel bei der Vorstellung des Films, der jetzt auf Youtube und auf der Internetseite des Verkehrsverbundes (www.vbb.de/fahrradfilm) veröffentlicht wurde.

Film läuft zunächst in vier Regionalzuglinien zur Ostsee

Ab Anfang August soll der Animationsfilm zunächst auf den Info-Bildschirmen in den Zügen der Regionalexpresslinien RE2, RE3, RE4 und RE5 gezeigt werden. Diese Linien verbinden Berlin mit Zielen an der mecklenburgischen Seenplatte und an der Ostsee. Gerade in den Sommermonaten werden diese Züge gern von Radfahrern für Ausflüge genutzt. Entsprechend hoch ist dort das Konfliktpotenzial. „Der Film wendet sich ausdrücklich an Reisende mit und ohne Rad, denn am Ende kommt es ja auf beide Gruppen an“, sagt VBB-Sprecherin Brigitta Köttel.

Die Verhaltensregeln, die der Film propagiert, sind ebenso simpel wie inzwischen offenbar von vielen Fahrgästen mit und ohne Rad vergessen. Dazu gehört die Botschaft: Lasst die Leute doch erst einmal aussteigen, bevor ihr einsteigt. Gleichzeitig der Appell an Reisende ohne Fahrrad: Setzt euch erst einmal auf alle anderen Sitze, bevor ihr die Klappsitze in den Mehrzweckabteilen belegt und damit die für Fahrräder (und auch Kinderwagen und Rollstühle) vorgesehenen Plätze blockiert.

Weil genau dieses Verhalten ein echtes Problem ist, haben die Bahntochter DB Regio und die private Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) in einem im April gestarteten Pilotversuch bereits zusätzliche Maßnahmen ergriffen. Während die Odeg zugunsten von mehr Platz für Räder die Klappsitze in den Fahrradabteilen ihrer RE-Züge komplett ausbauen ließ, versucht es DB Regio damit, die Sitze so zu arretieren, dass sie nicht heruntergeklappt werden können. Die erste Methode ist „aufwendig und kostenintensiv“, wie Odeg-Chef Arnulf Schuchmann einräumte. Beim Vorgehen von DB Regio können die Klappsitze an Schlechtwettertagen schneller wieder den übrigen Reisenden zur Verfügung gestellt werden. Andere Vorschläge für mehr Platz für Räder lassen sich vorerst nicht realisieren: Für einen zusätzlichen Wagen etwa sind die meisten Bahnsteige in Berlin und Brandenburg zu kurz. Für die generell vierteiligen Triebwagen der Odeg (RE2 und 4) gibt es gar keine Zusatzwagen, sie müssten auf Kosten der Länder teuer nachbestellt werden.

Der Fahrradknigge im Netz unter www.vbb.de/fahrradfilm