Berlin

Explosion in Köpenicker Wohnhaus

Bewohner im Kietzer Feld müssen ihre Wohnungen verlassen. Brandursache ist derzeit noch unklar

Es war 20 Minuten nach Mitternacht, als am frühen Mittwochmorgen die Anwohner am Igelsteig in Köpenick durch einen ohrenbetäubender Knall abrupt aus dem Schlaf gerissen wurden. Lodernde Flammen und eine dichte Rauchwolke zeigten direkt die Ursache der gewaltigen Detonation. In der dritten Etage eines viergeschossigen Wohnhauses brannte nach einer Explosion eine Wohnung. Durch die Wucht der Detonation entstanden am gesamten Gebäude und in mehreren Wohnungen erhebliche Schäden, sodass das Haus vollständig geräumt werden musste. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt, auch der Mieter der betroffenen Wohnung nicht. Ob er zum Zeitpunkt der Explosion zu Hause war, darüber gab es zunächst widersprüchliche Angaben.

Den kurz nach ihrer Alarmierung eintreffenden Löschkräften der Feuerwehr bot sich ein Bild der Verwüstung. Die Wohnung in der dritten Etage, in der es zuvor zu der Explosion gekommen war, brannte in kürzester Zeit vollständig aus, die Flammen drohten bereits auf Nachbarwohnungen überzugreifen. Die rußgeschwärzte Frontfassade des Gebäudes war aufgrund der Hitze an mehreren Stellen aufgeplatzt, zahlreiche Fenster waren aus ihren Verankerungen gerissen und etliche Meter weggeschleudert worden.

Zeitgleich mit den bereits begonnenen Löscharbeiten führten Feuerwehrleute noch zahlreiche Bewohner ins Freie. Dabei wurde eine Person vermisst, woraufhin Spezialkräfte mit Atemschutzgeräten das Gebäude nochmals akribisch bis in den letzten Winkel durchsuchten. Die Befürchtung, ein Mieter könnte hilflos in dem Gebäude zurückgeblieben sein, bestätigte sich zum Glück nicht. In dem Haus wurde niemand mehr angetroffen.

Bewohner wurden notdürftig in einer Schule untergebracht

Inzwischen übernahm ein Brandkommissariat des Landeskriminalamtes (LKA) die Ermittlungen. Die Untersuchungen zur Brandursache und vor allem zum Auslöser der Explosion dauern derzeit noch an. Der entstandene Sachschaden ist nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und Feuerwehr immens, kann aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beziffert werden. Der Schaden wurde dabei allerdings nicht nur durch die Explosion und das anschließende Feuer verursacht. Wie die Feuerwehr mitteilte, entstand in dem Haus zudem noch ein erheblicher Wasserschaden, verursacht durch eine defekte Wasserleitung, die durch die Hitze geplatzt war.

Nach Abschluss der Löscharbeiten legte die Feuerwehr mehrere Wohnungen mit Folien aus, um den Wasserschaden in möglichst engen Grenzen zu halten. Die Mieter aus dem evakuierten Gebäude wurden zunächst in einer nahe gelegenen Schule untergebracht und von Mitarbeitern des nachalarmierten Deutschen Roten Kreuzes (DRK) betreut. Am Vormittag untersuchten Brandsachverständige und Statiker das zunächst vorsorglich gesperrte Gebäude auf mögliche durch das Feuer entstandene Einsturzgefahren. Gravierende Risiken wurden dabei nicht festgestellt. So konnten die Bewohner der Wohnungen im Erdgeschoss und im ersten Stock inzwischen zurückkehren. Die Wohnungen in den oberen Etagen blieben bis auf wenige Ausnahmen weiterhin gesperrt.

Der Mieter der Brandwohnung sorgte derweil für Irritationen. Polizei und Feuerwehr meldeten zunächst, der Mann sei nicht zu Hause gewesen. Anwohner berichteten der Berliner Morgenpost hingegen, er sei während der Löscharbeiten kurz aufgetaucht und dann wieder verschwunden. Ein weiterer Anwohner und Ersthelfer nach dem Ausbruch des Feuers meldete der Polizei eine ungewöhnliche Entdeckung. Nach seinen Angaben soll der Wohnungsmieter nach dem Ausbruch des Feuers mit nacktem Oberkörper und ausgebreiteten Armen am Fenster seiner Wohnung stehen gesehen haben. Ein Polizeisprecher sagte dazu am Nachmittag, alle Angaben von Zeugen würden in die laufenden Ermittlungen einbezogen.

Bewohnerin rettete sich und ihre Katze

Die Anwohner reagierten nach dem ersten Schock gelassen. „Hauptsache, es ist niemandem etwas passiert“, sagte eine Nachbarin. Sie war gerade eingeschlafen, als ein fürchterlicher Knall sie aufgeschreckt habe. „Im nächsten Augenblick hat jemand an die Tür geklopft und ‚Raus! Feuer!‘ gerufen“, sagte sie. Mandy, die Mieterin, die direkt über der Unglückswohnung wohnt, hatte noch rechtzeitig ihr Kaninchen schnappen und sich in Sicherheit bringen können. Ingrid Härtel hatte das Geschehen von ihrer Wohnung auf der anderen Straßenseite beobachtet, ein Bild bleibt ihr im Gedächtnis. Eine Katze lief in der Explosionswohnung am Fenster aufgeregt auf und ab.

Die Degewo, Eigentümerin des Gebäudes, stellte den betroffenen Mietern nach Absprache mit dem Bezirksamt Ausweichwohnungen zur Überbrückung zur Verfügung. Und die Brandermittler der Polizei suchen derzeit noch nach dem obskuren Mieter der Brandwohnung, der anscheinend verschwunden ist.