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Wirtschaftsforscher mahnen Senat zu Zukunftsinvestitionen

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt strukturelle Defizite der Berliner Wirtschaft.

Foto: Jörg Carstensen / picture alliance / dpa

„Berlin kann wirtschaftlich goldene Jahrzehnte vor sich haben.“ Mit dieser Prognose fasst Marcel Fratzscher, Präsident Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die am Mittwoch vorgestellte Studie „Berlin: Von der Start-up-Hauptstadt zur Wachstumsmetropole?“ zusammen. Die Betonung der Prognose liegt auf „kann“. Auch wies der DIW-Chef auf das Fragezeichen hinter dem Studienthema hin.

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Er diagnostizierte Handlungsbedarf seitens der Politik, um das Ziel der goldenen Jahrzehnte zu erreichen und mahnte Investitionen in Bildung und Infrastruktur an. Mit 807 Euro pro Einwohner investiere Berlin vergleichsweise wenig in die Infrastruktur, so die Studie. Gefordert wird, die Infrastruktur auszubauen, das Fachkräftepotenzial zu stärken und die Wachstumsbe­dingungen für junge Unternehmen zu verbessern, damit die „digitalen Nomaden“ in der Stadt bleiben.

Produktivität unter Landesdurchschnitt

Berlin ist wirtschaftlich auf einem positiven Weg. Seit 2005 ist das Bruttoinlandsprodukt in Berlin um fast 30 Prozent gewachsen – stärker als im Bund. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg in den zurückliegenden zehn Jahren um 290.000. Die Arbeitslosigkeit sank von 19 auf eine Quote knapp unter zehn Prozent.

Jedoch hat Berlin Nachholbedarf. „Berlin ist in Europa die einzige Hauptstadt, deren Produktivität und Pro-Kopf-Einkommen unter dem Landesdurchschnitt liegt“, sagte Fratzscher. Die Produktivität eines Erwerbstätigen in Berlin ist nach Berechnungen des DIW fünf Prozent niedriger als im Bundesdurchschnitt.

Gravierender Mangel an Lehrstellen

Noch gravierender sieht diese Relation im Vergleich der Hauptstadtregionen aus: In London beträgt der Vorsprung zum nationalen Bruttoinlandsprodukt 63 Prozent, in Paris 35 Prozent und in Warschau 33 Prozent.

Die Wirtschaftsforscher raten Berlin zu einem Bündnis für Bildung und zur Qualifizierung junger Menschen. Das DIW diagnostiziert einen gravierenden Lehrstellenmangel und einen hohen Anteil gering qualifizierter Arbeitsloser. Berlin müsse in Schulen investieren und sich als Innovationshauptstadt behaupten, lautet ein Fazit. Dazu gehöre auch, mehr Professoren nach Berlin zu holen und das „riesige Potenzial“ schnell wachsender Start-ups in der Stadt zu halten.

Müller will konsolidieren und investieren

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) gab bei der Präsentation der Studie die Devise aus, eine Doppelstrategie zu fahren: konsolidieren und investieren. „Seit zwei bis drei Jahren profitieren wir von unserem Konsolidierungskurs.“ Er bezeichnete die Flächensicherung als „Riesenthema mit Konfliktpotenzial“.

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) sieht die Trendwende bereits als geschafft an. „Berlin zeigt sich als künftiger Industriestandort“, sagte sie.