Hauptbahnhof

Pfusch am Gleis legt S-Bahn in Berlin lahm

Nach nächtlichen Arbeiten im Hauptbahnhof konnten die Züge der S-Bahn nur noch im Schritttempo fahren.

Fahrgäste am S-Bahnhof Friedrichstraße. Wegen einer Störung am Gleis fährt die S-Bahn zwischen Friedrichstraße und Bahnhof Zoo nur im 30-Minuten-Takt

Fahrgäste am S-Bahnhof Friedrichstraße. Wegen einer Störung am Gleis fährt die S-Bahn zwischen Friedrichstraße und Bahnhof Zoo nur im 30-Minuten-Takt

Foto: Emina Benalia

Kleine Ursache, aber große Wirkung: Am Mittwoch hat ein Gleisschaden im Hauptbahnhof den S-Bahn-Verkehr in der Innenstadt fast vollständig lahmgelegt. Nach einer Tauschaktion stießen zwei Schienenstücke so aufeinander, dass eine Stufe entstand. Wegen der Störung stellte die S-Bahn den Zugverkehr zwischen Friedrichstraße und Zoologischer Garten zunächst komplett ein. Später pendelte mehrere Stunden lang ein Zug im 30-Minuten-Takt zwischen beiden Stationen.

Normalerweise fahren die Züge auf der wichtigsten Verbindung im Berliner S-Bahn-Netz im Abstand von nur zwei bis vier Minuten. Zehntausende kamen infolge der Betriebseinschränkungen im morgendlichen Berufsverkehr zu spät zur Arbeit. Sie mussten auf die BVG oder den Regionalverkehr ausweichen. Grund für die Störung ist offenbar ein fehlerhaft ausgeführter Schienentausch in der Nacht zu Mittwoch. Laut einem Bahnsprecher wurde in der Betriebspause, in der regulär keine S-Bahn-Züge fahren, ein 25 Meter langes Schienenstück am Gleis in Richtung Friedrichstraße ausgewechselt. Gegen sechs Uhr morgens meldete ein Triebfahrzeugführer jedoch, dass es auf der Strecke eine gefährliche Holperstelle gibt. Daraufhin wurde das Gleis aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Weil der S-Bahn nur noch ein Gleis für eine Durchfahrt im Hauptbahnhof zur Verfügung stand, konnte sie nur einen Pendelzug zwischen Friedrichstraße und Zoologischer Garten fahren lassen. Die Linien S5 und S7 endeten von Osten kommend in Friedrichstraße. Von Westen war für die S5 am Zoo Schluss, die S7 aus Potsdam endete bereits in Charlottenburg. Ab 11.30 Uhr konnten die Züge zumindest auf der Linie S7 wieder zwischen Ahrensfelde und Potsdam im Zehn-Minuten-Takt durchfahren. Im Hauptbahnhof war auf Gleis 15 jedoch nur Schritttempo erlaubt. Laut dem Bahnsprecher soll das Gleis nun in der Nacht zu Donnerstag repariert werden. „Unser Ziel ist es, dass der S-Bahn-Verkehr am Morgen wieder ohne jede Einschränkung rollt.“

Wie es zu dem Schaden kommen konnte, ist bislang ungeklärt. Bereits seit Wochen wird an Stadtbahngleisen zwischen Charlottenburg und Friedrichstraße gebaut. Unter anderem wird an der Strecke ein neues, modernes Zugsicherungssystem eingerichtet. Die verlängerten nächtlichen Betriebspausen werden aber auch für andere notwendige Arbeiten genutzt. Dazu gehört auch der Austausch verschlissener Schienen. Dort, wo das alte und das neue Schienestück aufeinandertreffen, ergab sich nach dem Tausch eine mehrere Millimeter hohe Stufe, die mit bloßem Auge erkennbar ist. Ob die fehlerhafte Schienenverbindung bereits bei Freigabe der Strecke kurz nach vier Uhr auftrat oder erst nach einigen Zugüberfahrten, ist noch ungeklärt.

Bereits in den vergangenen Tagen hatten Probleme an der Infrastruktur für Einschränkungen bei der S-Bahn gesorgt. Vor einer Woche kam es nach einem Blitzeinschlag zu Signalstörungen im Bereich Baumschulenweg, mehrere Linien waren über Stunden unterbrochen. Tags zuvor war es in Blankenburg zu einem Stellwerksausfall gekommen, der zahlreiche Zugausfälle auf den Linien S2 und S8 zur Folge hatte. Auf der Ringbahn sorgen immer wieder Signalstörungen für teilweise erhebliche Zugverspätungen.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb macht vor allem die umfangreichen Infrastrukturprobleme für die Ausfälle verantwortlich. „Während die S-Bahn ihre Probleme beim Fahrzeugpark inzwischen einigermaßen im Griff hat, treten jetzt immer öfter Probleme bei Stellwerken, Signalen und Gleisen auf“, konstatierte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Die für die Infrastruktur zuständige Bahntochter DB Netz habe bei der Problembeseitigung nicht immer ein glückliches Händchen. „Dafür, dass jeder zehnte Fahrgast der Deutschen Bahn von der Berliner S-Bahn befördert wird, legt das Unternehmen zu wenig Augenmerk auf die Betriebssicherheit“, kritisierte Wieseke.