Nach Chaos am Lageso

Neues Ankunftszentrum für Flüchtlinge entsteht in Berlin

Auf dem Flughafen Tempelhof und in der Bundesallee entsteht das neue Ankunftszentrum für Flüchtlinge, teilte Sozialsenator Czaja mit.

Ankunft in Berlin: Eine Sprachmittlerin erklärt in der Registrierungsstelle für Flüchtlinge in der Bundesallee einer Familie aus Syrien den Weg

Ankunft in Berlin: Eine Sprachmittlerin erklärt in der Registrierungsstelle für Flüchtlinge in der Bundesallee einer Familie aus Syrien den Weg

Foto: dpa Picture-Alliance / Soeren Stache / picture alliance / dpa

Flüchtlinge in Berlin werden bei ihrer Aufnahme auch weiterhin mit dem Shuttlebus zwischen mehreren Standorten hin- und hergefahren. Das Ankunftszentrum im Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof wird es in der ursprünglich geplanten Form nicht geben. Es soll am 1. September an zwei Standorten eröffnet werden: im Tempelhofer Hangar und am Standort der Registrierungsstelle an der Bundesallee. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) sprach bei der Vorstellung des Konzepts von einer „pragmatischen, gut umsetzbaren und vor allem kostengünstigen Lösung“.

Diese sieht vor, dass neu ankommende Asylsuchende für höchstens 72 Stunden im Hangar 5 in Tempelhof untergebracht werden. Die Kurzzeitunterkunft soll 324 Plätze bieten. Ihre Personaldaten werden dort aufgenommen, bevor sie zur weiteren Registrierung und zur Leistungsgewährung in die Bundesallee gebracht werden. Folgetermine beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finden entweder ebenfalls in der Bundesallee oder in der Zweigstelle schräg gegenüber in der Badenschen Straße statt.

Umbau der Flughafenhallen wäre zu teuer

Senator Czaja bemühte sich sichtlich, die Vorzüge dieser Lösung zu vermitteln: Während die Betroffenen derzeit von der Erstaufnahme in der Messehalle 26 am Funkturm zur Registrierung in der Kruppstraße, zur Leistungsgewährung in der Bundesallee und anschließend zu einem der BAMF-Standorte unterwegs seien, müssten sie künftig nur noch die Standorte in Tempelhof und in Wilmersdorf ansteuern.

Allerdings war im Masterplan Integration, den der Senat im März vorgestellt und im Mai beschlossen hatte, vorgesehen, die Aufnahme und Erstversorgung im Flughafen Tempelhof zu konzentrieren. Ausreichend Platz ist vorhanden – aber das BAMF meldete Bedenken an: Die Halle sei wenig geeignet, um vertrauliche Gespräche zu führen, wie sie beim Asylverfahren nötig sind. Mehrere Gutachten hätten gezeigt, dass Planung, Herrichtung und Schallschutz zehn Millionen Euro gekostet hätten. Außerdem wäre das Ankunftszentrum erst im Januar 2017 bezugsfertig gewesen. Deshalb hätten sich Berlin und der Bund entschieden, das gemeinsam betriebene Ankunftszentrum an zwei Standorten einzurichten, sagte Czaja.

Einstiger Flughafen Tempelhof wird zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge

Der ehemalige Flughafen wird damit zur zentralen Anlaufstelle für in Berlin angekommene Flüchtlinge. Die Neuankömmlinge werden derzeit in einer Messehalle in Westend untergebracht, bevor sie auf andere Unterkünfte verteilt werden. Dieser Standort werde geschlossen, sagte Czaja, die dort dann noch untergebrachten Flüchtlinge würden zum großen Teil nach Tempelhof umziehen. Derzeit sind in den Hangars 2, 6 und 7 1235 Plätze belegt, die Kapazität liege bei 2070 Plätzen. Hangar 3 und 4 würden umgebaut, hier könnten 912 Plätze geschaffen werden.

Es sei aber nicht mehr vorgesehen, dass Menschen aus den Turnhallen in die Hangars umziehen, versicherte Czaja. Die zusätzlichen Plätze sollten als „Sicherheitskapazität“ dienen, falls die Zahl der Flüchtlinge wieder steige. In diesem Jahr kamen bis zum 17. Juli 12.217 Asylsuchende nach Berlin, pro Tag waren es in der vergangenen Woche 31 Menschen. Im November 2015 lag der Tageszugang bei 554 Flüchtlingen.

600 Fälle pro Tag können in Wilmersdorf bearbeitet werden

Geplant ist, Registrierung, Beantragung von Leistungen und Asylantrag in Wilmersdorf zu konzentrieren. Dort könnten 600 Fälle pro Tag bearbeitet werden. Der Standort Kruppstraße, in dem bisher 300 Menschen täglich registriert werden können, soll spätestens im Dezember geschlossen werden.

Für die Mitarbeiter des künftigen Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) wird in der Bundesallee mehr Platz geschaffen. Deshalb zögen Teile des BAMF von der Bundesallee in die Badensche Straße. Die Eröffnung des LAF-Standorts an der Darwinstraße in Charlottenburg verzögert sich. Er habe vor einer Unterschrift unter den Mietvertrag sicherstellen wollen, dass alle anderen Mieter aus dem Gebäude ausziehen, sagte Czaja. Das werde vermutlich erst Anfang 2017 der Fall sein.

Belegte Turnhallen - Der neue Zeitplan für den Auszug

Juli Spandau TH OSZ Bautechnik, Nonnendammallee 140–143

August Charlottenburg-Wilmersdorf TH Werner Ruhemann, Forckenbeckstr. 37; TH Leopold Ullstein, Prinzregentenstr. 32 Mitte TH Wiesenstr. 56 (3 Hallen) Treptow-Köpenick Sporthalle Adlershof, Merlitzstr. 16; Rudower Str. 18 TH Ahornschule, Peter-Hille-Str. 118 Marzahn-Hellersdorf TH Am Landsberger Tor, Rudolf-Leonhard-Str. 13–15 OSZ Handel II, Marzahner Chaussee 231 Lichtenberg HTW Sporthalle, Treskow­allee 8

September Friedrichshain-Kreuzberg Märkischer SC Berlin, Geibelstr. 12; TH Hausburgschule, Otto-Ostrowski-Str. 44 Pankow Heinrich-Schliemann-OS, Wichertstr. 29; OSZ Marcel-Breuer-Schule, Malmöer Str. 8; TH Woelckpromenade 11; TH LSB Winsstr. 50; TH Picasso GS, Smetanastr. 31 Neukölln TH Leonardo da Vinci Gymnasium, Buckower Damm 282; TH Efeuweg 28 (2 Hallen) Treptow-Köpenick Schule an der Dahme, Glienicker Str. 24-30 Reinickendorf Kühleweinstr. 5 (2 Hallen) Lichtenberg Sporthalle Wollenberger, Wollenberger Str. 1; OSZ Sozialwesen II, Darßer Str. 97 Mitte OSZ Banken Vers., Alt-Moabit 10 (2 Hallen)

Oktober Pankow Wackenberstr. 81, Fritz-Reuter-Str. 21 Reinickendorf OSZ Druck-Medientechnik, Cyclopstr. 1–5 (2 Hallen); Thomas-Mann-OS, Königshorster Str. 10 Marc-Twain-GS, Auguste-Viktoria-Allee 95; Heiligensee GS, Im Erpelgrund 11–17 Steglitz-Zehlendorf Kiriat Bialik Sporthalle, Wedellstr. 57; TH Schweizerhof GS, Leo-Baeck-Str. 28–30 (2 Hallen) SSC Südwest, Lessingstr. 5 (2 Hallen)

November Spandau BW-Halle, Kladower Damm 182 Mitte Siemensstr. 20a

Noch offen Der Freizugsplan wird um die folgenden Hallen ergänzt, sobald die dafür erforderlichen Unterbringungsmöglichkeiten feststehen. Dazu gehören insbesondere die Tempohomes der vierten Staffel, die Ende 2016 fertiggestellt sein sollen:

Steglitz-Zehlendorf Cole-Sports-Center, Hüttenweg 43: Helene-Lange-OS, Lauenburger Str. 110 Friedrichshain-Kreuzberg Kurt-Ritter-Stadion, Gürtelstr. 20–21; Oberstufenzentrum Handel 1, Wrangelstr. 98 Sporthalle, Lobeckstr. 62 Mitte OSZ KIM, Koloniestr. 17/Osloer Str. 23: Hochschule Technik und Wirtschaft, Turmstr. 85b

Bereits freigezogen Horst-Korber-Sportzentrum, Glockenturmstr.3 und Rudolf-Harbig-Halle, Glockenturmstr. 1 in Charlottenburg-Wilmersdorf, Turnhalle FEZ, Str. zum FEZ 2 in Treptow-Köpenick, Sporthalle Carola-Neher-Str. 1 und Sporthalle Am Baltenring 1E in Marzahn-Hellersdorf, Sporthalle Zehlendorf, Onkel-Tom-Str. 58-60 in Steglitz-Zehlendorf, TH Hector-Peterson OS, Tempelhofer Ufer 15–18 in Friedrichshain-Kreuzberg, Jahn-Sporthalle, Columbiadamm 192 in Neukölln und Grundschule Am Hohen Feld, Bedeweg 1 in Pankow