Projekt "Digitale Welten"

Berlin investiert fast zwei Millionen in Online-Bibliotheken

Im Zuge des Projektes „Digitale Welten“ investiert Berlin fast zwei Millionen Euro in Online-Bibliotheken. Die erweitern ihr Angebot.

Annemarie Albrecht (24) kommt vor allem wegen der angenehmen, ruhigen Atmosphäre in die Weddinger  Schiller-Bibliothek. Sie studiert Medizin und kann hier gut lernen. Ihr gefällt auch, dass das Publikum so gemischt ist

Annemarie Albrecht (24) kommt vor allem wegen der angenehmen, ruhigen Atmosphäre in die Weddinger Schiller-Bibliothek. Sie studiert Medizin und kann hier gut lernen. Ihr gefällt auch, dass das Publikum so gemischt ist

Foto: David Heerde

Berlins öffentliche Bibliotheken werden nutzerfreundlicher und sollen dem Trend zum digitalen Lesen und Ausleihen gerechter werden als bisher. Das Angebot an digitalen Medien – auch aktuellen – wird vergrößert, und die Bestände sollen komfortabler zugänglich sein. Zusätzlich werden elektronische Infostände in Büchereien aufgestellt.

Zur Umsetzung dieser Pläne stellte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), der zugleich Kultursenator ist, am Montag eine „Zukunftsstrategie“ vor. Gemeinsam erarbeitet und präsentiert wurde diese mit der Verbundkonferenz der Öffentlichen Bibliotheken und der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) am Montag in der vor einem Jahr neu erbauten Schiller-Bibliothek in Wedding. Der Senat stellt für die technische Infrastruktur und digitale Medien zwei Millionen Euro als Anschubfinanzierung zur Verfügung. Hinzukommen 700.000 Euro im Jahr 2016 und 800.000 Euro im Jahr 2017 für elektronische Medien, ebenfalls aus dem Haushalt finanziert.

Dass ihm das gedruckte Buch am Herzen liege, sei wohl verständlich, sagte Müller. Er sei ja bekanntlich gelernter Drucker. Launige Sprüche über muffiges Papier höre er deshalb nicht gerne, sagte er lachend. Papier werde definitiv noch gebraucht. Gerade komme er von einer Vorlesestunde in einer Grundschule, wo er den Schülern aus Erich Kästners „Emil und die Detektive“ vorgelesen habe. Aber die Nachfrage nach digitalen Medien, die auf Tablets, E-Book-Readern und Handys genutzt werden können, nehme nun mal zu. „Die Menschen wollen digitale Angebote“, sagte Müller.

Einfacher suchen und auf das eigene Lesegerät laden

Die Bibliotheken als Gebäude mit ihren Beständen, Wlan-Zugang, Geräten für das Lesen elektronischer Medien und zur Vor-Ort-Information bleiben für ihn unverzichtbar. „Das Bibliotheksangebot ist auch schön, um einfach mal zu stöbern und sich überraschen zu lassen.“ Dem Stöbern und Lesen dienen dort auch die Konsolen, in denen alle Medien der Berliner Öffentlichen Bibliotheken recherchierbar sind – vom klassischen Buch und Film auf DVD über Musiknoten bis zu E-Books und elektronisch verfügbaren Tageszeitungen und Magazinen.

An den Stationen kann man stöbern, Zeitungen lesen und die Medien auch gleich aufs Handy oder den E-Book-Reader laden. E-Books können begrenzte Zeit gelesen werden, nach meist 14 Tagen lassen sich die Dokumente nicht mehr öffnen.

Pro Jahr besuchen etwa neun Millionen Besucher die Öffentlichen Bibliotheken, sagte ZLB-Vorstand Volker Heller. „7,5 Millionen Medien sind derzeit vorhanden, die Ausleihe hat allein im Jahr 2015 um 45 Prozent zugenommen“, ergänzte Cerstin Richter-Kotowski (CDU), Bezirksstadträtin für Kultur in Steglitz-Zehlendorf und Vorsitzende der Verbundkonferenz der Öffentlichen Bibliotheken. Sie will sich dafür einsetzen, dass nicht nur die elektronischen Bestände wachsen, sondern auch die Nutzerfreundlichkeit besser wird.

So sollten die Öffnungszeiten verlängert, die Rückgabemöglichkeiten verbessert und die Büchereien noch mehr zu Kieztreffpunkten mit Veranstaltungen entwickelt werden. „Bibliotheken sind auch dazu da, einfach mal einen Kaffee trinken zu gehen und dabei eine Zeitung zu lesen.“

Nutzer legen Wert auf sofortige Verfügbarkeit

Zur Zukunftsstrategie gehört also nicht nur der umfangreichere digitale Service. Richter-Kotowski sieht in den Büchereien auch einen Anlaufpunkt für Menschen aus bildungsfernen Schichten und solche mit kleinem Budget, die sich keine Bücher kaufen können. Befragungen hätten gezeigt, dass die sofortige Verfügbarkeit von Ausleihmedien für diese potenziellen Nutzer besonders wichtig ist. Für Benjamin Scheffler, den Leiter der Kinder- und Jugendbibliothek der ZLB, sollen die Büchereien die Lesekompetenz bei Kindern fördern, inklusive der Besonderheiten von elektronischen Lesegeräten.

Um Kindern den Zugang zu Büchern zu erleichtern, bekommen alle Kinder- und Jugendbibliotheken „Tabletkoffer“. Die darin enthaltenen grünen Geräte bieten Programme, mit denen man die Bibliothek spielerisch erkunden kann und Lust aufs Lesen bekommt. Gleiches geht mit Apps für das eigene Handy. Kurzum: Ein neues Kapitel des Lesens ist aufgeschlagen.

>> Das Angebot des Verbunds der Öffentlichen Bibliotheken Berlins <<