Mordprozess

Staatsanwalt fordert Höchststrafe für Silvio S.

Laut Staatsanwaltschaft habe der getötete Elias erlebt, wie ein „freundlicher Onkel“ zur „Bestie in Menschengestalt“ geworden sei.

Sivio S. am 14. Juni im Gericht

Sivio S. am 14. Juni im Gericht

Foto: John Macdougall / dpa

Staatsanwalt Peter Petersen hat eine lebenslange Freiheitsstrafe für den 33-jährigen Silvio S. wegen der Morde an dem sechsjährigen Elias und dem vierjährigen Mohamed gefordert – sowie die Einschätzung der besonderen Schwere der Schuld und anschließende Sicherungsverwahrung. Das ist die höchste Strafe, die nach dem Strafgesetzbuch möglich ist. Petersen nannte Silvio S. in seinem Plädoyer vor dem Potsdamer Landgericht „eine Bestie in Menschengestalt“.

Der Staatsanwalt ging davon aus, dass Silvio S. die Kinder vor ihrer Ermordung sexuell missbrauchte. Der Angeklagte habe mit ihnen Szenen aus Sado-Maso-Pornos nachgestellt. „Das ist es, was ihm den Kick gibt – dieses Ohnmachtsgefühl seiner Opfer.“ Belegt würde das planvolle Vorgehen auch durch Notizen, die bei Silvio S. gefunden wurden. „Ein Drehbuch mit Worten wie Mädchen, Junge knebeln, fesseln, betrunken machen.“ Dass Silvio S. die Vergewaltigung von Mohamed mit dem Handy aufnahm, nannte Petersen eine „gotterbärmliche, niederträchtige Szene“.

Zuvor hatte der forensische Psychiater Matthias Lammel eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten verneint. Es gebe bei dem 33-Jährigen, der über eine normale Intelligenz verfüge, keine psychiatrischen Erkrankungen, sagte Lammel. Allerdings gehe er davon aus, dass Silvio S. schon seit Jahren unter „einer ängstlich vermeidenden, selbst-unsicheren Persönlichkeitsstörung“ leide.

Der Gutachter sprach von „Teilnahmsarmut“, und einem „Ausweich- und Vermeidungsverhalten in Bezug auf menschliche Beziehungen“. Silvio S. verfüge über ein „außerordentlich geringes Selbstwertgefühl“, das bis zur „Selbstabwertung“ reiche. „Er ist immer einer gewesen, der durch seine Persönlichkeitsstörung am Rande der Gesellschaft marschiert ist.“

Keine Freunde, keine Beziehung zu einer Frau

Begonnen habe das schon in der Kindheit, sagte Lammel. Silvio S. habe ihm gegenüber keine Kritik an den Eltern geübt. Er habe aber davon gesprochen, von Altersgenossen nicht gemocht und abgelehnt worden zu sein. Er habe nie richtige Freunde oder eine Beziehung mit einer Frau gehabt. Es habe in seinem Leben keinen Austausch von Zärtlichkeiten, Küssen oder gar Geschlechtsverkehr gegeben. Obwohl er nach eigenen Angaben „eine große Sehnsucht nach Partnerschaft, einer Frau und Kindern hatte“, sagte der Gutachter. Auch über sexuelle Beziehungen zu Männern habe Silvio S. nachgedacht. Aber auch dazu sei es nie gekommen, weil er Angst vor Ablehnung hatte.

Sexuelle Erlebnisse habe sich der Angeklagte durch das Schauen von Pornofilmen geschaffen, sagte der Psychiater. Sie reichten von normalen heterosexuellen bis hin zu schweren Gewaltdarstellungen. Bei der Begutachtung habe Silvio S. von sich gewiesen, pädophil oder paraphil (sexuelle Konzentration auf Schmerz oder/und auf Kinder) zu sein. Auch Lammel sah das so. Der Angeklagte sei nicht einem krankhaften Trieb gefolgt. Er habe aus seinen Möglichkeiten heraus gehandelt: „Wo er sicher war, Sexualität am ehesten durchsetzen zu können, wo der geringste Widerstand zu erwarten war. Und Kinder haben ihn nicht infrage gestellt, Kinder sind offenherzig, machen es ihm leicht, bei Kindern kann er sein Misstrauen zurückstellen.“

„Zielgerichtet seine Fähigkeiten eingesetzt, um sein Bedürfnis zu befriedigen“

Als Silvio S. nach Potsdam und Moabit fuhr und die Kinder entführte, habe er „zielgerichtet seine Fähigkeiten eingesetzt, um sein Bedürfnis zu befriedigen“ und dabei „moralische Überlegungen zurückgesetzt“, sagte Lammel. Dass er jedoch durchaus über Unrechtsbewusstsein verfüge, habe er nach seiner Festnahme gezeigt, als er sagte: „So etwas macht man nicht. Man entführt keine Kinder, und man tötet keine Kinder.“

Warum er die Straftaten begangen hat, habe sich der Angeklagte bei dem Gespräch mit dem Gutachter selber nicht erklären können. Wenn er seine Strafe verbüßt habe, wolle Silvio S. sein Leben in den Griff bekommen, mit einer Frau, Kindern, Geld, einem Auto.