Anschlag in Nizza

Wie eine 17-Jährige aus Berlin das Nizza-Attentat erlebte

Zehn Schülergruppen aus Berlin waren zum Zeitpunkt des Anschlags in Nizza. Eine 17-Jährige aus Charlottenburg erzählt, was sie erlebte.

An der Paula-Fürst-Schule in Charlottenburg wurden Blumen niedergelegt

An der Paula-Fürst-Schule in Charlottenburg wurden Blumen niedergelegt

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Berlin.  Zehn Schülergruppen aus Berlin waren zum Zeitpunkt des Anschlags in Nizza. Eine 17-Jährige aus Charlottenburg erzählt, was sie erlebte:

„Wir waren zu viert unterwegs und standen während des Feuerwerks fast dort, wo der Truck kurz danach entlanggerast war. Es war eine total friedliche und schöne Atmosphäre. Um 22.30 Uhr, am Ende des Feuerwerks, sind wir los. Wir sollten um 23 Uhr im Hostel sein. In einer Seitenstraße der Promenade habe ich mir noch ein Wasser gekauft, als plötzlich Menschen vorbeirannten. Sie schrien, zuerst habe ich nicht verstanden was. Dann hörte ich: ,gunshots‘. Wir liefen einfach mit, wussten aber überhaupt nicht, was los war.

Beim Hotel ‚Aston‘ wurden wir von der Security reingewinkt. Die Lobby war schon voller Menschen und es kamen immer mehr. Hier haben wir zum ersten Mal erfahren, was passiert war, aber nicht, ob es vorbei war. Irgendjemand sagte was von Geiseln. Es war ein ganz unsicheres Gefühl. Etwas beruhigt waren wir, als unsere Lehrer anriefen. Sie hatten alle Schüler erreicht, und es ging allen gut. Wir sollten im Hotel bleiben. Auch meine Eltern habe ich angerufen. Wir sind dann nach oben gefahren, haben an Zimmertüren geklopft. Irgendwann ließ uns ein Ehepaar aus Marokko rein. Die beiden waren auch an der Promenade gewesen, der Mann hatte eine Schürfwunde. Draußen waren immer noch Schreie und Sirenen zu hören. Das Ehepaar war total nett und kümmerte sich um uns. Wir konnten bei den beiden auf dem Boden schlafen.

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Am nächsten Morgen hat unser Lehrer uns abgeholt. Eigentlich wollten wir ein Museum besuchen, sind aber stattdessen rausgefahren aus der Stadt und haben den Tag ganz ruhig verbracht, ganz viel miteinander geredet. Schon am Morgen hatten wir gehört, dass wohl zwei Schülerinnen und eine Lehrerin aus Berlin bei dem Anschlag gestorben sind.

Am Sonnabend sind einige aus unserer Gruppe mit einem Lehrer zur Promenade gegangen. Ich musste den Ort noch einmal sehen, weil ich es immer noch nicht fassen konnte, was passiert war. Ich habe mich ständig erschreckt, wenn jemand schnell an mir vorbeifuhr. Die Spannung fiel eigentlich erst von mir ab, als wir mittags wieder in Tegel gelandet waren. Unsere Eltern waren da und sogar die Schulleitung. Wir haben Infos bekommen, wo wir psychologische Hilfe bekommen können. Aber ich fühle mich eigentlich stabil. Nur als in der letzten Nacht in der Nähe ein Feuerwerk losging, kam alles noch mal zurück. Das wird wohl noch eine ganze Weile so bleiben.“

Aufgezeichnet von Annette Kuhn

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