Nach Nizza-Anschlag

Berliner Paula-Fürst-Schule zwischen Bangen und Trauer

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Polizei vor einem Gebäude der Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule in Berlin. Nach dem Terroranschlag in Nizza werden zwei Schülerinnen und eine Lehrerin einer Berliner Schule vermisst

Polizei vor einem Gebäude der Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule in Berlin. Nach dem Terroranschlag in Nizza werden zwei Schülerinnen und eine Lehrerin einer Berliner Schule vermisst

Foto: Paul Zinken / dpa

Seit dem Anschlag von Nizza hat die Schule von drei Menschen aus ihrer Mitte kein Lebenszeichen mehr erhalten.

Immer neue Schauer prasseln am Sonntag aus dem grauen Berliner Himmel auf die Paula-Fürst-Schule herab. Ein stiller Ort der Trauer vor dem hellen Zweckgebäude wird durch ein Vordach vor dem Regen geschützt. Weiße und rote Rosen, Nelken und Sonnenblumen stehen an einer Rollstuhlrampe aufgereiht, daneben brennen zwei Dutzend Grablichter. Seit dem entsetzlichen Anschlag von Nizza mit mindestens 84 Toten ist an der Schule in der Nähe des Charlottenburger Schlosses nichts mehr so wie es war. Von zwei Schülerinnen und einer Lehrerin gibt es kein Lebenszeichen mehr.

Auch wenn allgemein vom Tod der drei Vermissten bei dem feigen Attentat mit einem Kühllaster ausgegangen wird, so befindet sich die Paula-Fürst-Schule am Wochenende in einem quälenden Schwebezustand, in einem Niemandsland zwischen Bangen und Trauerarbeit. „Mit dieser Ungewissheit müssen wir jetzt umgehen“, steht auf der Webseite der Schule. „In den nächsten Tagen werden wir in der Schule dafür sorgen, dass es Unterstützungsangebote für Schülerinnen und Schüler gibt.“

Die Trauerstätte lässt keinen unberührt

Auf der Facebookseite geben Schüler ihren Gefühlen Raum - Trauer, Mitgefühl. „Sie war meine Deutschlehrerin“, schreibt eine Userin ganz knapp. Eine andere Nutzerin hinterlässt: „Ich empfinde allertiefstes Mitgefühl. Mit den Eltern, Geschwistern und der Familie aller Betroffenen. Möge Gott Ihnen Kraft und Trost spenden.“

An den dunklen Backsteinsäulen vor der Schule sind Zettel mit braunem Packband befestigt. „Das Theaterabschlussprojekt der 6a und 6b ist für heute abgesagt!!!!“ Ein kleiner hellbrauner Teddybär mit lila Schleife scheint gegen die traurige Szene mit einem Lächeln anzukämpfen. Ein Pappmachehase hält eine rosa Plastikrose, jemand hat ihm schwarze Tränen aufgemalt. Keinen Passanten lässt das unberührt. Alle blicken auf die Trauerstätte. Einige Fußgänger halten an. Manche schließen die Augen, falten die Hände. Ein Radfahrer bremst so scharf, dass sein Hintermann fast auf ihn fährt.

„Ich werde das wohl nie wieder aus meinem Kopf herausbekommen“

Eine 45-Jährige aus der Nachbarschaft ist gekommen. Ohne ihre Tochter. Das Mädchen ist 18, hatte eine gemeinsame Freundin mit einem der vermissten Mädchen und hatte zuviel Angst, von ihren Gefühlen überwältigt zu werden. Die Mutter sagt, ihre Tochter sei nächstes Jahr mit der Klassenfahrt dran. So wie die Schulgruppe, aus der die Vermissten stammen. „Die Abi-Fahrt ist ein einmaliges Erlebnis. Ich werde das wohl nie wieder aus meinem Kopf herausbekommen.“

Ein Gefühl der Melancholie überschattet bereits am Vortag das deutsch-französische Fest am Brandenburger Tor. Wo sonst Zuschauer ausgelassen ihre Lebensfreude zeigen, verfolgten Zuschauer eher leise das Geschehen auf der Bühne. Dass das Fest nicht komplett abgesagt wurde, ist für den französischen Botschafter Philippe Etienne auch ein Zeichen „unserer Widerstandskraft“ gegen den Terror. An diesem Montag will die Hauptstadt im Berliner Dom mit einem Gottesdienst der Opfer gedenken.

( dpa/seg )