Nach dem Putsch

Viele Flüge zwischen Berlin und der Türkei gestrichen

Nach dem Putsch-Versuch in der Türkei wurden zahlreiche Flüge abgesagt. Die Flughäfen in Berlin sind besonders betroffen.

Sezai und Sengül Sevluk (v.l.) kommen am Sonnabend mit mehrstündiger Verspätung aus Istanbul am Flughafen Tegel in Berlin an. Sie wollen Freunde in Berlin besuchen

Sezai und Sengül Sevluk (v.l.) kommen am Sonnabend mit mehrstündiger Verspätung aus Istanbul am Flughafen Tegel in Berlin an. Sie wollen Freunde in Berlin besuchen

Foto: Martin Steger

Flüge waren komplett gecancelt, noch verkehrende Flieger starteten oder landeten verspätet: Die Situation am Flughafen TXL in Berlin-Tegel war am Sonnabend für viele Reisende ein Schock. Insgesamt zwölf Flüge zwischen Tegel und verschiedenen türkischen Städten sind am Tag nach dem Putschversuch in der Türkei gestrichen worden. Allein zehn Flugzeuge mit Abflugort oder Ziel Istanbul waren betroffen. Die türkische Regionalfluggesellschaft BoraJet cancelte zudem den Airbus-Flug BRJ1334 aus Ankara, geplante Ankunft in Berlin TXL um 16.10 Uhr, sowie den Rückflug BRJ1335 mit Start in der deutschen Hauptstadt um 17 Uhr.

Daneben kam es zu zahlreichen Verspätungen und Verschiebungen. Die Ankunft des Fliegers der Airline Onur Air, die im internationalen Verkehr auf Charterflüge setzt, mit Herkunftsort Istanbul (8Q475) und planmäßiger Ankunft um 14.15 Uhr, wurde zunächst auf 17 Uhr und dann ein weiteres Mal auf 19.05 Uhr verschoben. Der Rückflug der Maschine (8Q476, planmäßig 15.30 Uhr) stand für 19.45 Uhr auf der Anschlagtafel. In Schönefeld kam es immerhin nicht zum Totalausfall von Flugverbindungen in das derzeit von einer politischen Krise geschüttelte Land am Bosporus. Dort seien alle Flüge in türkische Städte abgefertigt worden, sagte Flughafen-Sprecherin Verena Heydenreich. Die Maschine von Pegasus Airline aus Istanbul sei mit knapp dreistündiger Verspätung um 17.05 in Schönefeld gelandet und gegen 17.45 wieder zum Rückflug gestartet.

Anstrengendes Warten auf dem Flughafen

Viele türkische Familien mit Kindern, die nach Hause fliegen wollten, erfuhren in Tegel erst am Schalter von den Absagen. Traurig war ein türkischstämmiger Berliner, der zur Hochzeit seines Neffen fliegen wollte. Sein Flug nach Ankara um 17 Uhr war gestrichen worden. Er habe 340 Euro für das Ticket bezahlt. „Ich hoffe, dass ich das Geld vom Reisebüro zurückbekomme“, sagte er. Doch wichtiger sei, dass niemand von den Verwandten gesundheitlich zu Schaden komme. Der 55-jährige Ali Yücel aus Berlin-Mariendorf begleitete seine Eltern und die Schwester zum Airport. Der Start des Fliegers nach Istanbul, planmäßig 15.30 Uhr, war um 90 Minuten verschoben, aber nicht gestrichen worden. „Es klappt bestimmt“, sagte der Galvanisierer, der seit 30 Jahren in Berlin lebt. „Das Gepäck ist schon abgegeben.“

Gegen 19 Uhr, mit fast fünf Stunden Verspätung, kamen Sengül Sevluk und ihr Mann Sezai in Tegel an. Das türkische Ehepaar besucht Freunde in Berlin. Die Situation in Istanbul sei schwierig gewesen, habe sich am Sonnabend aber wieder beruhigt, erzählten die beiden 33-Jährigen. „Sonst hätten wir nicht kommen können.“ Das lange Warten auf den Start der Maschine sei allerdings anstrengend gewesen. „Hoffentlich holen uns unsere Freunde jetzt ab.“