Berliner Pride Weeks

Tausende Besucher feiern beim Lesbisch-Schwulen Stadtfest

Auftakt zu den "Berliner Pride Weeks": Zum 24. Mal feiern Schwule und Lesben beim Stadtfest an der Motzstraße in Schöneberg.

Matthias (l.) und Mario erfrischen sich beim schwul-lesbischen Straßenfest an der Motzstraße

Matthias (l.) und Mario erfrischen sich beim schwul-lesbischen Straßenfest an der Motzstraße

Foto: Sergej Glanze

„Von hinten sind wir alle gleich“ heißt der Slogan des Info-Heftes zum Lesbisch-schwulen Straßenfest. Und genau darum geht es: „Im Prinzip sind wir doch alle Menschen. Wir haben zwei Arme, zwei Beine und ein Herz“, sagt eine Besucherin des Straßenfestes rund um die Motzstraße.

Zum 24. Mal veranstaltet der Regenbogenfonds am Wochenende in Schöneberg Europas größtes Lesbisch-Schwules Stadtfest. Bis zu 350.000 Besucher werden erwartet. Unter dem traditionellen Motto „Gleiche Rechte für Ungleiche“ fordern die Veranstalter und Teilnehmer im Motzstraßenkiez rund um den Nollendorfplatz die vollständige Gleichstellung von homo-, bisexuellen und queeren Lebensentwürfen und Geschlechtsidentitäten.

Weiterhin Einschränkungen für Lebensgemeinschaften

„Vor allem vor dem Gesetz soll nicht mehr unterschieden werden“, sagt Stefan Müller, psychologischer Berater beim Verein Mann-O-Meter. Oft bekomme er zu hören: „Ihr dürft doch heiraten und machen, was ihr wollt. Was wollt ihr mehr?“ Das aber sei nicht ganz korrekt, so Müller. Im Gegensatz zu verschiedengeschlechtlichen Paaren könnten homosexuelle lediglich eine eingetragene Lebenspartnerschaft schließen. Das bringe Einschränkungen mit sich. Viele gleichgeschlechtliche Paare sehnten sich nach einem erfüllten Familienleben mit Kindern, erzählt Müller. Eine Adoption sei aber bis heute nicht erlaubt. Stefan Müller, ein junger Blonder mit blauen Augen und strahlendem Lächeln, sitzt am weißen Tisch vor einem angeschnittenen Kirschkuchen. Seit fünf Jahren arbeitet er als Berater und Jugendarbeiter für den Verein Mann-O-Meter, der sich vor mehr als 30 Jahren gründete. Das Leistungsangebot präsentiert eine Infotafel: Beratung zu sexuell übertragbaren Krankheiten, Gewaltprävention und Opferbetreuung.

„Viele Schwule leiden an Depressionen und anderen stressbedingten psychischen Erkrankungen, weil sie trotz des Coming-outs Schamgefühl oder Selbsthass entwickeln“, sagt Müller. Bis Menschen nicht mehr auf Grund ihrer Sexualität unterschieden würden, werde wohl noch Zeit vergehen. Aber der Kampf lohne sich, wenn man bedenkt, was schon alles erreicht wurde.

Höhepunkt der dreiwöchigen „Berliner Pride Weeks“

Neben Infoständen locken auf dem Motzstraßenfest Buden mit Essen, Getränken und Accessoires-Shops ein breites Publikum an. Familien, Partyleute und Touristen schlendern rund um den Nollendorfplatz. „Es ist das erste Mal, dass das Wochenende nicht verregnet ist“, sagt Veranstalter Dieter Schneider. Deshalb sei er zuversichtlich, dass das zweitägige Fest rund um den Nollendorfplatz sogar mehr als die ursprünglich erwarteten 35o.000 Besucher anlocken werde. Neben ernsthaften Themen soll ein abwechslungsreiches Programm mit einem Mix aus Livemusik und Shows für Stimmung sorgen. Das Stadtfest ist ein Höhepunkt der „Berliner Pride Weeks“. Das Finale bildet der Christopher Street Day (CSD) am 23. Juli.

Vor der offiziellen Eröffnung des Stadtfestes durch den ehemaligen Regierenden Bürgermeister und Schirmherren Klaus Wowereit (SPD) fand die Diskussionsveranstaltung „Das wilde Sofa“ statt. An der Podiumsdiskussion nahm unter anderem der aktuelle Regierende Bürgermeister, Wowereits Parteigenosse Michael Müller, teil.