Berliner helfen

Bühne frei für die Wuhle Kids und ihre Musik

Grundschüler in der Wuhlheide haben ein Musical für die Hornistin Sarah Willis geschrieben. Das Musikprojekt braucht Spenden.

Die Wuhle Kids mit Hornistin Sarah Willis

Die Wuhle Kids mit Hornistin Sarah Willis

Foto: Christian Kielmann

Die Aufregung auf dem Schulhof der Grundschule in der Wuhlheide könnte kaum größer sein: „Sarah, Sarah“ rufen die Kinder, als der blaue Mini durch das Tor rollt und der erwartete Gast endlich da ist: Hornistin Sarah Willis hat Mühe, bei so vielen Fans die Autotür aufzumachen. „Ein toller Empfang!“, meint sie lachend, während sie den Kofferraum öffnet, in dem sie nicht nur ihr kostbares Instrument sondern auch ein Ladung Wassermelonen transportiert hat. Für die Pause, denn sie ist heute zur Generalprobe „ihres“ Musicals gekommen - geschrieben und aufgeführt von den „Blue Wuhle Kids“ , deren Schirmherrin sie ist. „Ich bin auch so aufgeregt, bestimmt muss ich weinen“, meint die Hornistin der Berliner Philharmoniker, die vor drei Jahren die „Wuhle Kids“ unter ihre Fittiche genommen hat.

Musizieren stärkt die Gemeinschaft

Die Idee zu dem Musikprojekt hatte Susanne Siedel, die vor fünf Jahren als Musiklehrerin an die Grundschule mit mehr als 500 Kindern kam. Durch gemeinsames Musizieren wollte sie den Gemeinschaftssinn stärken und die Achtung im Umgang miteinander fördern. „Wir haben hier eine gemischte Sozialstruktur. Pflege- und Heimkinder aus schwierigen Verhältnissen treffen auf die überbehüteten mit Glitzerstift. Die müssen lernen, miteinander klarzukommen“, meint Susanne Siedel und ist überzeugt, dass Musik dabei hilft. Mit großem persönlichen Engagement und ohne finanzielle Hilfe durch den Senat hat sie die Schulband an der Ganztagsschule aufgebaut.

Besuch in der Philharmonie

Unterstützung bekam sie dabei von Sarah Willis, die die Kinder in die Philharmonie einlud, beim Spendensammeln für die Instrumente half und regelmäßig die „Wuhle Kids“ besucht. Ihre Mission: Musik an die nächste Generation weiterzugeben. Einen Rückschlag gab es vor zwei Jahren, als die teuren Saxophone und andere Instrumente gestohlen wurden. Wieder wurde für Spenden getrommelt um Ersatz zu beschaffen - auch Berliner helfen e.V. unterstützt das Projekt.

Inzwischen gibt es 65 Orchesterkinder aus verschiedenen Klassen. „Es ist toll, die Fortschritte zu sehen. Manche sind sehr schüchtern, aber sobald sie ihr Instrument in der Hand halten, haben sie das Gefühl, stark zu sein und dazu zu gehören“, meint die Musikerin. Als Dankeschön für ihr Engagement haben die „Wuhle Kids“ das Leben der gefragten Hornistin und Moderatorin der Digital Concert Hall als Musical einstudiert. Die Hauptrolle, also Sarah Willis, hat die zwölfjährige Lara Petsch übernommen, die eigentlich Trompete spielt , für die Rolle nun aber auch Horn gelernt hat. Auch sie ist aufgeregt, auf die echte Sarah zu treffen. „Hoffentlich vergesse ich meinen Text nicht“, meint die Zwölfjährige.

Postkarten von der Tournee

Bei den Kostümen und dem Bühnenbild haben viele Lehrer und Erzieher der Schule mitangepackt. Manche spielen auch im Orchester mit, wie Kathrin Ebert mit der Querflöte. „Wir üben mit den Kleinen und die Großen üben mit uns“, meint die Erzieherin. Die Fanfare der „Wuhle Kids“ bildet den Auftakt zum Musical. Die Handlung: Lara alias Sarah fliegt mit der „Hornair“ von Auftritt zu Auftritt in die großen Metropolen der Welt - entsprechend musikalisch interpretiert - und schickt den „Wuhle Kids“ Postkarten von den Stationen ihrer Tournee, damit sie wissen, dass sie an sie denkt. Das tut sie wirklich, die Karten werden sorgfältig auf einer Pinwand gesammelt. „Die Kinder sehen daran, wie Musik in die ganze Welt getragen wird und Menschen verbindet“, meint Sarah Willis, die gerührt das Geschehen auf der Bühne in der Schulaula verfolgt.

Demnächst wird sie für vier Wochen auf eine Konzertreise gehen und anschließend monatelang mit anderen Musikern unterwegs sein. „Bist Du reich?“, möchte ein Junge von ihr wissen. Ihre Antwort: „Nein, aber glücklich!“

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