Mobilfunk

5G-Netz - Berlin bekommt superschnelles Internet

Berlin wird Referenzort für die nächste Netz-Generation: Senat und Telekom schließen Vertrag über einen Test am Ernst-Reuter-Platz.

Berlins neuer gigantischer Hotspot: Auf dem Telefunken-Hochhaus entstehen Sender für die nächste Internetgeneration

Berlins neuer gigantischer Hotspot: Auf dem Telefunken-Hochhaus entstehen Sender für die nächste Internetgeneration

Foto: euroluftbild.de/Robert Grahn

Visionäre träumen von selbstfahrenden Autos, kommunizierenden Robotern, smarten Häusern, ferngesteuerten Operationen, bedarfsgerecht geschalteten Ampeln: Um die neue Welt des „Internets der Dinge“ mit Milliarden von Sensoren und Sendern möglich zu machen, arbeiten die Telekommunikationskonzerne an der nächsten Generation des Mobilfunknetzes, dem so genannten 5G.

Bisher haben Wissenschaftler in ihren Labors superschnelle Übertragungsraten erreicht, die bis zu 100 Mal mehr Daten übertragen können als der heutige LTE-Standard und deren Reaktionszeiten unter eine Millisekunde schrumpfen. Die Telekom betreibt ein virtuelles 5G-Haus.

Anwendungen werden in Echtzeit getestet

Berlin wird der erste Ort in Deutschland sein, wo die neue Technologie im öffentlichen Raum getestet wird. Der Senat und die Deutsche Telekom haben einen Vertrag über den Aufbau eines Testfeldes geschlossen.

Dazu werden unter anderem auf dem früheren Telefunken-Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg Sendeanlagen der neuen Generation installiert, die einen Radius von etwa einem Kilometer abdecken können. In dieser Zone können dann Anwendungen in Echtzeit getestet werden, wie sie etwa beim autonomen Fahren unerlässlich sind. Dazu gehört, dass Endgeräte wie etwa Autos ohne Zeitverlust von einer Funkzelle in die nächste weitergereicht werden können, damit die Steuerung nicht unterbrochen wird.

Zudem sollen die Entwickler der Berliner Fraunhofer Institute Heinrich Hertz und Fokus ihre Werkzeugkästen für 5G-Anwendungen in der realen Welt ausprobieren. Die Telekom plant zudem, in ihrem Start-up-Brutkasten „hub:raum“ an der Schöneberger Winterfeldstraße ein Demonstrationszen­trum einrichten. Dort sollen Geräte und Anwendungen gezeigt werden, die mit Hilfe des Testfeldes und der neuen Technologie entwickelt wurden.

>> Kommentar: Berlin muss vorne dabei sein

Standards für Massenmarkt werden in Berlin geprägt

„Das ist technologisch wie wirtschaftlich ein ganz entscheidender Schritt für Berlin“, sagte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) der Berliner Morgenpost: „Wir werden damit deutscher Referenzstandort für den Einsatz der 5G-Technologie im öffentlichen Raum.“ Die europaweite und globale Standardisierung der Verfahren, die vor einem ab 2020 geplanten Ausrollen der Technik in den Massenmarkt erfolgen muss, werde aus Berlin heraus geprägt werden, sagte die Senatorin.

Besonders wichtig aus ihrer Sicht ist ein Element der Vereinbarung: Die Telekom ist offen für Kooperationspartner, schon seit Jahren agiert Deutschlands größter Mobilfunkanbieter als Vorsitzender der NGMN-­Allianz. Das Kürzel steht für „next generation mobile networks“ und ist ein Zusammenschluss führender inter­na­tionaler Telekommunikationskonzerne, Universitäten, Mobilfunkanbieter und Hardwarehersteller.

Weitere Unternehmen können eigene Versuche machen

Wer in Berlin mit der Telekom im neuen Testfeld zusammenarbeiten möchte, muss eine Präsenz in der Stadt haben. Das könnte zusätzliche Unternehmen, Forscher und Jobs nach Berlin bringen. Bereits jetzt arbeiten fast 200.000 Menschen in Berlin in IT und Kreativwirtschaft. Sie erwirtschaften pro Jahr 25 Milliarden Euro. Zudem ist die Vereinbarung mit dem Bonner Konzern auch nicht exklusiv. Das heißt, weitere Unternehmen könnten ebenfalls eigene Versuche in Berlin unternehmen.

Für normale Bürger mit ihren Smartphones wird es noch eine Weile dauern, bis sie die superschnelle 5G-Technik nutzen können, die bei einem Bruchteil des Energieverbrauchs bis zu 10.000 Megabits pro Sekunde und höhere Frequenzen ermöglicht. Die neuen Möglichkeiten sollen aber vielleicht im Herbst bei einer Großveranstaltung demonstriert werden.

Senat fördert Beitrag der Fraunhofer-Forscher

Zunächst wird die Telekom um den Ernst-Reuter-Platz, wo auch ihre Ideenschmiede T-Labs, die Technische Universität und die Universität der Künste angesiedelt sind, Fahrzeuge auf Testfahrt schicken. Denn für die 5G-Technologie werden völlig neue Endgeräte nötig sein. Noch braucht das, was vielleicht in einigen Jahren wie ein heutiges Handy in die Manteltasche passt, einen ganzen Kofferraum.

Eine wichtige Rolle für das Vorhaben spielen das Heinrich Hertz Institut (HHI) für Nachrichtentechnik und das Fraunhofer Institut für offene Kommunikationssysteme (Fokus). HHI-Forscher sind Spezialisten darin, auch mehrere Funksignale sehr zielgerichtet an die Endgeräte zu bringen, damit sie sich nicht gegenseitig stören und mehr Daten übertragen können. Ihre Arbeit fördert die Senatsverwaltung für Wirtschaft mit 220.000 Euro. Fokus wiederum ist führend im so genannten Netz-Slicing. Dabei geht es darum, die Mobilfunk-Bedarfe im jeweils geeigneten Netz abzuwickeln, damit nicht Video-Streams oder Chats das 5G-Netz verstopfen. Diese Forschung unterstützt der Senat mit 250.000 Euro.