Grundschulen

Mehr Anmeldungen: Berlin hat zu viele Schulanfänger

Rund 34.000 Kinder starten im September mit dem Unterricht. Doch in vielen Bezirken fehlen Plätze. Eng wird es nicht nur in Pankow.

Nach den Sommerferien werden in Berlin etwas mehr als 34.000 Kinder eingeschult. Das stellt einige Bezirken vor Probleme, gibt es doch deutlich mehr Anmeldungen für die ersten Klassen der Grundschulen als vorhandene Plätze. Besonders drastisch sieht es in Pankow aus. Dort wurden 5196 Kinder auf 3840 Plätze angemeldet. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck hervor.

An der Arnold-Zweig-Grundschule im Kiez um die Florastraße beispielsweise wurden 215 Kinder angemeldet, das sind fast doppelt so viele, wie Plätze vorhanden sind. Fast alle angehenden Erstklässler stammen tatsächlich aus dem Einzugsgebiet. In diesem Viertel sind in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Wohnhäuser entstanden, in die vor allem Familien mit Kindern eingezogen sind. Die überbelegten Schulen müssen nun Freizeiträume oder Horträume zu Klassenräumen umfunktionieren. Neue Schulen sind so schnell nämlich nicht entstanden.

Viele Rückstellungen von der Schulpflicht um ein Jahr

Dass überhaupt alle Kinder einen Schulplatz bekommen können, liegt daran, dass in Pankow so viele Kinder von ihren Eltern von der Schulpflicht um ein Jahr zurückgestellt wurden. Insgesamt 1200 der angemeldeten Schulanfänger in Pankow bleiben nun doch noch ein Jahr länger in der Kita. Diese spätere Einschulung wird von vielen Eltern genutzt, weil sie ihre Kinder noch nicht als schulreif ansehen.

„Eine Entwarnung können wir nicht geben, denn diese Kinder benötigen dann natürlich im Schuljahr darauf einen Schulplatz“, sagte die Bildungsstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) der Berliner Morgenpost. Viele erste Klassen müssten bis zur Obergrenze von 26 Kindern gefüllt werden, es gebe aber auch Schulen mit 24 Kindern in der Klasse. Das sei auch nötig, denn im Laufe des Schuljahres gebe es erfahrungsgemäß weitere Zuzüge, die dann noch untergebracht werden müssten.

Manche Klassen werden mehr als 26 Kindern haben

Viel mehr Kinder als eigentlich Schulplätze vorhanden sind, gibt es laut Antwort der Bildungsverwaltung auch in Charlottenburg-Wilmersdorf. Dort kommen 3425 Erstklässler auf 2081 Plätze. An einigen Schulen müssen deshalb Klassen mit mehr als 26 Kindern eingerichtet werden. Laut Grundschulverordnung sollen in den Lerngruppen der Schulanfangsphase eigentlich zwischen 23 und 26 Schüler sitzen. Abweichungen soll es nur in absoluten Einzelfällen geben. In Charlottenburg-Wilmersdorf werden allerdings gleich an mehreren Schulen die Klassen voller als erlaubt. So zum Beispiel an der Reinhold-Otto-Schule und an der Lietzensee-Grundschule. Die Schule mit den meisten Anmeldungen im Bezirk ist die Halensee-Grundschule. Hier kommen 210 Erstklässler auf 75 Plätze. Das liegt viel mehr an der hohen Kinderzahl im Kiez als an der Beliebtheit der Schule. Immerhin 71 Kinder haben den Wechsel an eine andere Grundschule gewünscht, was die Lage vor Ort entspannt.

In Lichtenberg gibt es 1000 Anmeldungen mehr als Plätze

Übervoll werden zum kommenden Schuljahr auch die Grundschulen in Lichtenberg. Dort gibt es 1000 Anmeldungen mehr als Plätze. An der Matibi-Schule oder an der Karlshorster-Grundschule gibt es jeweils fast doppelt so viele Anmeldungen wie Kapazitäten. Dabei wurde an der Karlshorster Grundschule bereits ein sogenannter Mobiler Ergänzungsbau errichtet. Kritik an der Entwicklung kommt von der Opposition. „Wir haben seit Jahren vor dem Schülerwachstum gewarnt. Nun fällt es der SPD auf die Füße, dass sie sich erst kurz vor der Wahl ernsthafte Gedanken zum Schulneubau macht“, sagte Stefanie Remlinger, bildungspolitische Sprecherin der Grünen zu den nun veröffentlichten Zahlen.

Aus den Anmeldezahlen und Wechselwünschen lässt sich auch herauslesen, welche Schulen von den Eltern auf Grund ihres schlechten Rufs eher gemieden werden und welche besonders beliebt sind. An der Spreewald-Grundschule, einer Brennpunkt-Schule in Schöneberg, gibt es nur 25 Anmeldungen, dabei könnte die Schule 66 Kinder aufnehmen. Die Eltern von 63 Kindern haben den Wechsel an eine andere Schule beantragt. Trotz Bonusprogramm konnte die Schule offenbar den Abwärtstrend der vergangenen Jahre nicht umkehren.

An einer sportbetonten Schule gibt es zu wenig Anmeldungen

In Zehlendorf zum Beispiel muss die Süd-Grundschule um Schüler kämpfen. An der sportbetonten Schule gab es nur 28 Anmeldungen auf die 78 Plätze. Insgesamt 89 angehende Schulanfänger aus dem Einzugsgebiet haben eine andere Schule vorgezogen.

„Es ist wichtig, die Schulen genauer anzusehen, die für Eltern weniger attraktiv sind. Nur so können wir die Probleme auch angehen“, sagte SPD-Abgeordneter Langenbrinck. Er setzt sich dafür ein, dass die Anmeldezahlen für alle Schulen jährlich von der Senatsverwaltung für Bildung veröffentlicht werden. Bei den weiterführenden Schulen lehnt die Bildungsverwaltung dies mit dem Argument ab, eine Negativliste von unbeliebten Schulen vermeiden zu wollen. Grundsätzlich will die Bildungsverwaltung mit einem milliardenschweren Neubauprogramm gegensteuern. Doch bis die neuen Schulen für eine spürbare Entlastung sorgen, wird es noch Jahre dauern.

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