Körperkameras

Bahn will mit Bodycams die Sicherheit in Berlin erhöhen

Das Unternehmen startet einen Testlauf auf drei Bahnhöfen in Berlin. Der Einsatz von Körperkameras soll die Sicherheit erhöhen.

Sven Hansen (Name von der Redaktion geändert) ist bei der Bahn zuständig für die Sicherheit in den Zügen auf den Bahnsteigen. In seiner Einsatzzeit hat er schon einiges erlebt: „Ich werde beschimpft, beleidigt und auch schon mal bespuckt“, berichtet er über seinen Arbeitsalltag. Besonders schlimm sei es an den Wochenenden oder nach Fußballspielen. „Da gibt es für einige kein Halten mehr“, so der Bahnmitarbeiter.

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Im Vorjahr fast 1000 Angriffe auf Bahn-Mitarbeiter

„Die Gesellschaft ist roher geworden – und das bekommen auch unsere Mitarbeiter zu spüren“, konstatiert auch Hans-Hilmar Rischke, Sicherheitschef der Deutschen Bahn. Der Respekt habe abgenommen, gerade auch gegenüber Uniformierten. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres sind laut Rischke 950 Bahn-Mitarbeiter angegriffen worden, eine Steigerung von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zwei Drittel der Angriffe richteten sich dabei gegen die Mitarbeiter der Bahntochter DB Sicherheit.

Um den At­tacken etwas entgegenzusetzen, testet die Bahn nun bundesweit erstmals den Einsatz von Videokameras am Körper der Sicherheitsleute. Zuvor hatte bereits die Bundespolizei begonnen, ihre Beamten mit sogenannten Bodycams auszurüsten. Diese sind auf der Brust der Sicherheitsleute angebracht und können bei Bedarf eingeschaltet werden. Ab diesem Moment zeichnet die Kamera auf. Das in Berlin von der Bahn getestete Modell verfügt zudem über einen kleinen Monitor, der das aufgezeichnete Bild auch zeigt. Der Angreifer sieht sich also selbst. „Wir versprechen uns davon eine abschreckende Wirkung“, sagt Rischke.

Für den Probelauf in Berlin hat die Bahntochter DB Sicherheit den Ostbahnhof und die Bahnhöfe Alexanderplatz und Zoologischer Garten ausgewählt. Diese Stationen gelten aufgrund der hohen Zahl von Reisenden als besonders gut geeignetes Versuchsfeld.

Die Bahn folgt damit der Bundespolizei, die bereits seit Februar Bodycams versuchsweise einsetzt. Bislang mit überraschend guten Erfahrungen. „Der abschreckende Effekt wird erreicht“, stellt der Präsident der Bundespolizeidirektion Berlin, Thomas Striethörster, am Donnerstag beim Vor-Ort-Termin am Bahnhof Alexanderplatz fest. Kein einziger Beamter, der mit Kamera ausgerüstet war, sei bislang attackiert worden. „Wenn man die Kamera anmacht, ist Ruhe.“ Auch sei die Akzeptanz sowohl bei den Beamten selbst, als auch bei der Bevölkerung groß. „Wir haben mehr Freiwillige als wir Kameras im Dienst einsetzen können“, sagte Striethörster.

Sechs Kameras von zwei Herstellern

Die Bundespolizei testet aktuell sechs Kameras von zwei Herstellern aus Deutschland und Großbritannien. Die Beamten sind dabei schwerpunktmäßig am Hauptbahnhof und am Ostbahnhof unterwegs. Die Bundespolizei registrierte in Berlin im Jahr 2015 rund 210 und im Jahr zuvor sogar 265 teils gewalttätige Attacken auf ihre Beamten. Zeitlicher Schwerpunkte der Taten seien die Wochenendabende sowie nach Fußballspielen.

Die Täter seien zumeist im Alter von 20 bis 29 Jahren, überwiegend männlich und deutscher Staatsangehörigkeit sowie fast immer alkoholisiert, so Bundespolizei-Präsident Striethörster. Einsatzschwerpunkte seien neben dem Haupt- und dem Ostbahnhof auch die Bahnhöfe Zoologischer Garten und Lichtenberg sowie in Brandenburg der Bahnhof von Werder/Havel.

Nur die Bundespolizei darf die Videobilder auswerten

Sowohl die mit Bodycams ausgerüsteten Polizeibeamten, als auch die Bahnbediensteten sind mit Aufschriften auf der Uniform besonders gekennzeichnet. „Wobei Videoüberwachung der falsche Begriff ist. Die Kameras sind ja nicht ständig im Einsatz, sondern werden nur bei einer drohenden Eskalation ausgelöst“, betont Striethörster.

Dieses Prinzip gilt auch für die Einsatzkräfte von DB Sicherheit. Die sind in der Regel zu zweit unterwegs, einer der Mitarbeiter ist der „Sprecher“, der oder die andere der „Sicherer“. Letzterer wird nun mit der Kamera ausgestattet. „Droht ein Angriff oder gerät die Situation außer Kontrolle, weisen wir unser Gegenüber darauf hin, dass ab jetzt der Vorgang gefilmt wird“, erklärt Sicherheitsmitarbeiterin Julia Teckmann das Vorgehen.

Erst nach einem solchen Hinweis drückt sie den Knopf, ein rotes Lämpchen an der Bodycam signalisiert allen Beteiligten die laufende Aufnahme. Die Videosequenzen, so betont Bahn-Sicherheitschef Rischke, werden nach dem Einsatz auf einem Server verschlüsselt gespeichert. Sie dürfen – etwa nach Anzeigen – nur von der Bundespolizei ausgewertet und zur Strafverfolgung genutzt werden.

Wegen der noch ausstehenden Zustimmung des Betriebsrats wird der Bodycam-Einsatz bei der Bahn voraussichtlich erst in der nächsten Woche beginnen. Der Testlauf ist auf sechs Monate bis zum Jahresende begrenzt. Sollte er erfolgreich sein, sollen bundesweit rasch weitere Stationen folgen.