Nahverkehr

BVG lässt Waisentunnel sanieren - Sperrungen für Autofahrer

Der Waisentunnel zwischen U5 und U8 wurde nie regulär genutzt. Trotzdem oder gerade deswegen wird er nun saniert.

Der Tunnel der U5. Eine Verbindungsröhre zur U8 wird nun saniert

Der Tunnel der U5. Eine Verbindungsröhre zur U8 wird nun saniert

Foto: Bernd Von Jutrczenka / dpa

Wegen des Umbaus der Kehranlage Alexanderplatz ist der sogenannte Waisentunnel der BVG derzeit vom U-Bahnnetz abgeklemmt. Das Unternehmen nutzt die Zeit, um die rund 860 Meter lange Verbindungsröhre zwischen den Linien U5 und U8 zu sanieren. Die mehr als 100 Jahre alte Tunneldichtung wird von außen erneuert, der Beton im Tunnelinneren saniert, teilte die Pressestelle jetzt mit. Die Arbeiten im Untergrund laufen bereits. Ende Juli rücken die Bauleute an der Oberfläche an. Mit den Arbeiten will die BVG ihr geschichtsträchtigstes Bauwerk fit für kommende Jahrzehnte machen.

Auch im Untergrund teilte die Berliner Mauer Ost und West

Der Bau des Tunnels wurde 1912 beschlossen, als Teil einer damals geplanten neuen Linie. Die Verbindung wurde durch Krieg, Krise und anschließende Neuplanungen zwar nie realisiert, doch der Waisentunnel blieb. Und er blieb ein Ort der Geschichte. Hier ließ das Naziregime im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs in einem Bahnhofsrohbau einen Luftschutzbunker errichten. Hier verlief an den Fluttoren unter der Spree die deutsch-deutsche Grenze im U-Bahnnetz. Hier ließ die DDR für einige Jahre im großen Stil Champignons züchten. Und hier gelang einem U-Bahner der Ostberliner Verkehrsbetriebe samt Familie eine spektakuläre Flucht in den Westen.

Obwohl nie für den Linienverkehr genutzt, ist die Röhre bis heute ein wichtiger Teil des BVG-Netzes und wird regelmäßig für Überführungsfahrten oder im Baustellenverkehr genutzt. Auch das beliebte U-Bahncabrio ist normalerweise dort unterwegs. Um die Anlage dauerhaft zu erhalten, müssen nun die Bauarbeiter ran. In mehreren Bauphasen wird bis zum ersten Quartal 2019 saniert und erneuert.

Der U-Bahnverkehr ist davon nicht betroffen. Für die Erneuerung der Tunnelaußendichtung kommt es aber zu einer veränderten Verkehrsführung für den Autoverkehr – vor allem in der Littenstraße. Um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, werden die Arbeiten in vier Phasen unterteilt, in denen wechselnde Einbahnstraßenregelungen und zeitweise Sperrungen gelten. Hofeinfahrten und Hauseingänge bleiben jederzeit erreichbar.