Das Spiel ist da

"Pokémon Go" - So läuft das Monsterjagen in Berlin

Das Spiel „Pokémon Go“ ist nun auch hierzulande erhältlich. Der Spaß auf dem Smartphone ist aber nicht ganz ohne Risiko.

Mehr als 700 Wesen gibt es bei Pokémon. Da das Spiel den Standort des Nutzers erkennt, tauchen dann auch zum Beispiel am Brandenburger Tor die kleinen Monster auf

Mehr als 700 Wesen gibt es bei Pokémon. Da das Spiel den Standort des Nutzers erkennt, tauchen dann auch zum Beispiel am Brandenburger Tor die kleinen Monster auf

Foto: Andrea Warnecke / dpa-tmn

Ein Spiel fürs Smartphone erobert Berlin und die Welt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene würdigen Brandenburger Tor und Reichstag kaum eines Blicke. Stattdessen gehen sie mit „Pokémon Go“ auf die Jagd nach virtuellen Wesen. Was steckt hinter dem Hype?

Pokémon gibt es bereits seit vielen Jahren. Zum ersten Mal tauchten die kleinen „Pocket Monster“, wo der Name ursprünglich herkommt, 1996 in einem Gameboy-Spiel in Japan auf. Ziel ist es, die Figuren mit Hilfe von weiß-roten Bällen einzufangen und auszubilden, damit sie anschließend gegeneinander kämpfen können. Mehr als 700 Wesen gibt es im „Pokémon-Universum“ – die beliebteste und wohl auch bekannteste Figur dürfte „Pikachu“ sein: ein kleines gelbes Monster mit Schwanz in Form eines Blitzes.

Auf Spiele folgten TV-Serien, Kinofilme und Sammelkarten

Millionen von Kindern sind mit Glurak, Sandan und Quapsel aufgewachsen. Auf Gameboy-Spiele folgten Fernsehserien, Kinofilme und Sammelkarten. Nintendo, das Unternehmen hinter den Figuren, ließ kaum eine Lücke aus, um sein Erfolgsprodukt flächendeckend auf den Markt zu bringen.

In den vergangenen Jahren war es allerdings ruhig um „Pokémon“ und Nintendo geworden. Der Vater des Gameboys und Hersteller der Spielekonsole Wii schien in der Versenkung zu verschwinden. Wegen des Erfolgs von Smartphones und Apps waren immer weniger Menschen bereit, zusätzlich in eine Wii oder Nintendo 3DS zu investieren. Und im Gegensatz zur Konkurrenz hielten die Japaner lange an ihrer Strategie fest, keine Spiele für Smartphones zu entwickeln.

>> Was Fans von "Pokémon Go" über das Spiel wissen müssen <<

Mit „Pokémon Go“ hat Nintendo nun jedoch mit dieser Tradition gebrochen – zumindest ein bisschen. Hinter dem neuen Spiel steckt nämlich die US-amerikanische Softwareschmiede „Niantic“ aus San Francisco. Das Unternehmen wurde 2010 innerhalb von Google gegründet, bevor es fünf Jahre später zur eigenständigen Firma wurde. Gemeinsam mit „The Pokémon Company“, an dem Nintendo zu 33 Prozent beteiligt ist, hat die ehemalige Google-Tochter in den vergangenen Monaten ein Spiel entwickelt, das auf Smartphones von Apple und Android-Geräten läuft. Und die Menschen lieben es.

Wer sich viel in der Stadt bewegt,kann viele Pokémons entdecken

Seit Mittwoch ist das Spiel offiziell auch in Deutschland verfügbar. Über Umwege konnten Fans jedoch auch in Berlin schon kurz nach dem US-Start vor einer Woche auf die Jagd nach Pokémons gehen. Dabei werden virtuelle Inhalte über die Kamera und den Bildschirm des Smartphones mit der Realität vermischt.

Und das funktioniert so: Wer die kostenlose App heruntergeladen und auf seinem Smartphone installiert hat, geht ähnlich wie bei den ersten Spielen auf die Jagd nach den Figuren, um sie später gegeneinander antreten zu lassen. Dafür greift das Spiel auf die Standortdaten zu, und weiß so immer, wo sich ein Nutzer gerade aufhält. Das ist nötig, um die Pokémons erscheinen zu lassen, die sich an verschiedenen Orten verstecken. Das kann in einem Park sein, auf der Straße – aber auch in den eigenen vier Wänden. Je mehr sich der Spieler bewegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, möglichst viele unterschiedliche Figuren anzutreffen. Sobald ein Wesen entdeckt wurde, kann es mit einem Ball gefangen werden.

Dafür schaltet das Display des Smartphones von der Kartenansicht zur echten Umgebung um – die Figuren werden dabei in der „Augmented Reality“ („erweiterte Realität“) eingeblendet. Mit genügend Erfahrung können die Spieler ihre gefangenen Pokémons in Arenen gegeneinander antreten lassen.

Weil sich der offizielle Start in Deutschland verzögert hatte, wollten Tausende Fans am Sonnabend in Berlin demonstrieren. Der Organisator teilte am Mittwoch aber mit, dass der Protestzug abgesagt sei – das Spiel ist ja nun erhältlich.

Polizei appelliert an den gesunden Menschenverstand

Was für die Anhänger einer Erlösung gleichkommt, dürfte in Deutschland und auch in Berlin für Probleme sorgen. In den USA und Australien wurden bereits Massenaufläufe gemeldet, weil sich Spieler auf der Suche nach einer bestimmten Figur an einem Ort sammelten und von der Polizei verwarnt werden mussten. Auch Museen und Friedhöfe baten Besucher darum, keine Pokémons mehr auf ihrem Gelände zu fangen. Der Polizei in Dallas meldete einen Unfall, weil ein Autofahrer eine Figur entdeckt hatte. Motorradfahrer hatten Handys bei laufendem Spiel auf den Lenker montiert.

Die Berliner Polizei appelliert vor diesem Hintergrund an den gesunden Menschenverstand. „Berlin ist eine Herausforderung, sowohl für Radfahrer als auch für Autofahrer und Fußgänger“, sagte eine Polizeisprecherin. „Man muss aufmerksam sein.“ Und auch Gedenkstätten sehen das Spiel skeptisch. So erinnert die Stiftung Denkmal daran, dass es sich bei dem Holocaust-Mahnmal in Mitte um einen Gedenkort für sechs Millionen ermordeter Juden handelt und es so kein angemessener Ort für derartige Spiele sei. Deshalb würde man das Denkmal gern aus „Pokémon Go“ entfernen lassen.

Viele Gamer sind nun stundenlang an der frischen Luft unterwegs

Immerhin: „Pokémon Go“ sorgt dafür, dass Kinder und Jugendliche wieder auf die Straßen gehen und das Sofa verwaist. In sozialen Netzwerken schreiben zum Beispiel mehrere Berliner, dass sie nach der Arbeit noch stundenlang durch die Stadt gelaufen seien – auf der Suche nach Pikachu und Co.