Religionen

Städtebau-Jury fördert „House of One“ in Mitte

Drei Religionen unter einem Dach: Das „Haus of One“ am Petriplatz soll eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee beherbergen.

So soll das interreligiöse Bethaus für Christen, Juden und Muslime am Petriplatz aussehen

So soll das interreligiöse Bethaus für Christen, Juden und Muslime am Petriplatz aussehen

Foto: © Kuehn Malvezzi / Visualisierung: D.Abbonacci

Auf dem Petriplatz in Mitte soll etwas ganz Neues entstehen, das „House of One“ – ein Bet- und Lehrhaus, das Judentum, Christentum und Islam unter einem Dach vereint. In einem Gebäude sollen eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee errichtet werden. Ein zentraler Raum lädt zum gemeinsamen Austausch und zum Dialog der Religionen und Kulturen ein. Dieses Konzept hat auch die Jury für die „Nationalen Projekte des Städtebaus“ überzeugt.

Wie die Berliner Morgenpost exklusiv erfahren hat, wird das „House of One“ mit 3,35 Millionen Euro gefördert. Die Summe wird in unterschiedlich großen Tranchen in diesem und den kommenden drei Jahren ausgezahlt. Zwei Drittel übernimmt der Bund, ein Drittel Berlin. Die Förderung dient investitionsvorbereitenden Maßnahmen, die Gesamtkosten des Projekts liegen bei 43,5 Millionen Euro.

„Das Vorhaben hat eine hohe Symbolkraft“

„Ich freue mich, dass mit dem Projekt ,House of One‘ in Berlin etwas weltweit Einmaliges entsteht und die gesamte Jury überzeugt werden konnte. Das Vorhaben hat eine hohe Symbolkraft und wird weit über Berlin hinausstrahlen. Wir schaffen im Herzen der deutschen Hauptstadt einen Referenzort für das friedliche Miteinander der Religionen“, sagte Kai Wegner, CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied der Jury „Nationale Projekte des Städtebaus“.

Berlin zeichne sich, wie viele Metropolen weltweit, durch religiöse und kulturelle Vielfalt aus, sagte Wegner der Berliner Morgenpost. Daher bestehe die Notwendigkeit, eine neue urbane Integration und religiöse Teilhabe in einem gemeinsamen Alltag zu prägen. „Es ist wichtig, in den Dialog zu treten und gemeinsam weiter Brücken zu bauen. Nur dadurch können Verständnis, Toleranz und gegenseitiger Respekt gestärkt werden“, erklärte der Abgeordnete, der auch Großstadtbeauftragter der Unionsfraktion im Bundestag ist.

Friedliches und offenes Miteinander der Religionen

Im „House of One“ solle sich ein gleichberechtigtes, friedliches und offenes Miteinander in gegenseitiger Selbstverständlichkeit und Achtung etablieren. Auch angesichts der Herausforderungen im Umgang mit geflüchteten Menschen sowie der Gewalt und Unterdrückung im Namen der Religion werde ein „symbolischer Hoffnungsort“ dringend benötigt. Das „House of One“ habe die Jury vor allem überzeugt, „weil das oftmals auch als ängstigend empfundene Näherrücken der Religionen nicht versteckt, erduldet oder skeptisch beäugt wird, sondern sichtbar, mutig und selbstbewusst mitten in das Herz Berlins rückt“, betonte Wegner

Träger des Sakralbaus auf dem Petriplatz sind die Jüdische Gemeinde zu Berlin, das Abraham Geiger Kolleg, das Forum für interkulturellen Dialog als muslimischer Partner und die evangelische Kirchengemeinde St. Petri – St. Marien. In dem geplanten öffentlichen und frei zugänglichen Gebäude sollen die Unterschiede und theologischen Gegensätze der drei Religionen nicht überspielt sondern ausgehalten werden. Mit einer zeitgenössischen Architektur soll ein „spirituell ansprechendes Bauwerk“ entstehen, eben kein Kongresszentrum oder Bürohaus. Das Gebäude soll ein Wahrzeichen der Weltoffenheit Berlins werden.

Projekt stößt auf weltweites Interesse

In der Bewertung der Jury für die „Nationalen Projekte des Städtebaus“ heißt es, spätestens seit der Veröffentlichung des Entwurfs für den Neubau im Jahr 2012 gewinne das interreligiöse Projekt internationale Unterstützung. Schon der Diskurs stoße auf weltweites Interesse in ungeahntem Ausmaß. Zudem nehme der Entwurf die Fundamente der historischen Petrikirche auf und setze an einem Schlüsselort Berlins ein neues städtebauliches Zeichen. Von der Förderung erhofft sich die Jury Schubkraft für die Fundraisingkampagne, mit der die Gesamtfinanzierung des Vorhabens erreicht werden soll.

Mit dem zunächst bis 2018 befristeten Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ stellt das Bundesbauministerium jährlich 50 Millionen Euro bereit, um herausragende Vorhaben zu unterstützen. 2014 wurde der Wettbewerb erstmals ausgelobt. Eine vom Ministerium berufene Jury wählte im Herbst 2014 zunächst 21 Premiumprojekte aus. Aus Berlin wurde das Flussbad Berlin an der Spree bedacht. 2015 standen sogar 150 Millionen Euro bereit, weil Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) einen zusätzlichen Investitionsfonds von 100 Millionen Euro aufgelegt hat. Gefördert wurden insgesamt 46 Projekte, in Berlin das Flughafengebäude Tempelhof und das Hansaviertel mit insgesamt 6,5 Millionen Euro.