Flughafen Tempelhof

Syrische Flüchtlinge wollen nicht in Hangars umziehen

Nach der Auflösung der Notunterkunft in der Jahn-Sporthalle wurden Bewohner in Tempelhof untergebracht. Einige wollen dort nicht hin.

In Berlin leben viele Flüchtlinge in Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof

In Berlin leben viele Flüchtlinge in Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Rund 50 Flüchtlinge und ihre Unterstützer haben am Montag gegen die Unterbringung von Asylbewerbern in Massenunterkünften demonstriert. Hintergrund ist die Weigerung einiger Asylsuchenden, in die Notunterkunft in einen Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof umzuziehen.

Am Freitag hatte das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) die Notunterkunft in der Neuköllner Jahn-Sporthalle aufgelöst. Die Mehrzahl der circa 130 Bewohner wurde in andere Unterkünfte verlegt, die meisten leben nun im Tempelhofer Hangar. 30 aus Syrien geflüchtete Männer aber haben vor der Sporthalle am Columbiadamm ein Protestcamp errichtet. Den Umzug nach Tempelhof lehnen sie ab.

50 Menschen demonstrieren vor dem Rathaus Neukölln

Zehn Monate hätten sie in der Jahn-Sporthalle „auf einen besseren Ort gewartet“, heißt es in einer Erklärung der alleinstehenden Syrer. „Steriles Essen, mehr Krankheit, mehr Wahnsinn“, befürchten sie im Flughafenhangar, in dem aktuell 1200 Flüchtlinge untergebracht sind. Seit drei Nächten leben sie auf der Straße und halten auf dem Bürgersteig vor der Sporthalle eine Mahnwache. Feldbetten, Planen und Plakate hatte die Polizei zunächst beschlagnahmt, um eine illegale Versammlung zu unterbinden. Inzwischen sei vor der Jahn-Sporthalle aber eine Dauermahnwache angemeldet worden, sagte eine Polizeisprecherin am Montag.

>>>Welche Sporthallen bis September frei werden<<<

Mit einem Protestmarsch von der Jahn-Sporthalle zum Rathaus Neukölln wollten die Flüchtlinge am Montag nach eigenen Angaben „eine Lösung erzwingen“. Doch das Bezirksamt sieht sich als falschen Adressaten. Ob und welche Lösung es für die Bewohner des Protestcamps gebe, sei eine Entscheidung des Sozialsenators Mario Czaja (CDU), sagte Neuköllns Sozialstadtrat Bernd Szczepanski (Grüne) am Montag der Berliner Morgenpost. Er habe zwar mit den Protestierern gesprochen. „Mit einem befreundeten Imam habe ich versucht, mediativ eine Lösung zu finden“, sagte Szczepanski. Aber bei einigen Unterstützern sei das auf Ablehnung gestoßen. Einen Räumungsantrag für den Bereich vor der Jahn-Halle werde der Bezirk nicht stellen, kündigte der Stadtrat an. „Wir möchten auf keinen Fall, dass die Situation dort eskaliert.“

Das Bündnis Neukölln, ein lokaler Zusammenschluss aus Kirchen, Parteien, Verbänden und Kultureinrichtungen, unterstützt die Forderungen der Syrer. Flüchtlinge müssten in Wohnungen untergebracht werden. Zehn Monate in einer Notunterkunft seien zuviel, hieß es in einer Erklärung. Die Senatsverwaltung für Soziales aber sieht keine Alternative. „Wir haben eine Reihe von Angeboten gemacht“, sagte Czajas Sprecher Sascha Langenbach. So sei den Bewohnern der Jahn-Sporthalle zugesichert worden, dass sie bevorzugt in der neuen Containersiedlung auf dem Flughafenareal untergebracht werden, sobald diese fertig sei. Damit sei im Herbst zu rechnen, sagte Langenbach.

Die Jahn-Sporthalle ist eine der ersten der rund 50 Hallen in Berlin, die nach der Nutzung als Notunterkunft wieder für Sportler freigemacht wird. Der für Juli vorgesehene Freizug neun weiterer Halle verzögert sich, weil Ersatzunterkünfte noch nicht gebaut sind.

>>>Mehr Geld für Sanierung der Turnhallen nötig als geplant<<<