Wohnungsnot in Berlin

Bedarf an Wohnungen größer als vom Senat berechnet

Die Postbank Studie „Wohnatlas 2016“ offenbart Neubau-Defizite. Es werden zwar mehr, aber zu wenig Wohnungen in Berlin gebaut.

Ein Schuttberg liegt vor der Fassade mehrerer Neubauten in Berlin

Ein Schuttberg liegt vor der Fassade mehrerer Neubauten in Berlin

Foto: dpa Picture-Alliance / Klaus-Dietmar Gabbert / picture alliance / dpa Themendie

Auch wenn die Berliner das Gefühl haben, in ihrer Stadt würden derzeit auch die letzten Brachen unter Wohnungsbauvorhaben verschwinden: Bis zum Jahr 2030 müsste Berlin seinen Wohnungsbestand von derzeit rund 1,9 Millionen um 16,7 Prozent erhöhen. Das entspräche knapp 320.000 Wohnungen. Das ist das Ergebnis der am Montag vorgestellten Postbank Studie „Wohnatlas 2016 – Leben in der Stadt“, die die Wohnungsmärkte in den 36 bundes- und landesweit größten Städten untersucht hat.

„Berlin müsste jährlich deutlich mehr als 15.000 Wohnungen bauen“, so der Hamburger Wirtschaftsforscher Michael Bräuninger, der am „Wohnatlas“ mitgewirkt hat. Im Stadtentwicklungsplan Wohnen des Bausenators Andreas Geisel (SPD) wird der Neubaubedarf dagegen bis 2025 auf 137.000 Wohnungen beziffert.

Das entspricht lediglich 10.000 neuen Wohnungen im Jahr. Dabei liegt Berlin in Sachen Neubau bundesweit gesehen ohnehin nur im hinteren Viertel und weit hinter Städten wie Münster, Potsdam und München. Und das, obwohl Berlin nach Angaben der Studie zu den fünf Städten gehört, die prozentual den größten Bedarf an neuen Wohnungen haben.

Viele Menschen leben gezwungenermaßen in Wohngemeinschaften

„Da in Berlin in der Vergangenheit relativ wenig neu gebaut wurde, herrscht dort heute schon Wohnungsmangel“, Am niedrigsten ist die Wohnungsversorgungsquote laut Sudie in Hamburg, wo für 100 Haushalte nur 92 Wohnungen zur Verfügung stehen. Berlin mit 94 Wohnungen je 100 Haushalte folgt auf Platz drei nach Stuttgart (93).

In der Konsequenz würden viele Menschen gezwungenermaßen weiter in Wohngemeinschaften leben, etwa bei Paaren, die sich getrennt haben. Als ausgeglichen gilt ein Wohnungsmarkt, wenn für 100 Haushalte 103 Wohnungen zur Verfügung stehen, da wegen Umzügen und Renovierungen immer einige nicht bewohnbar sind.

Die Bautätigkeit hat stark zugenommen

Zwar habe die Bautätigkeit in Berlin zuletzt stark zugenommen, so Bräuninger. Im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2014 wurden in Berlin 4000 Wohnungen errichtet – mit steigender Tendenz. Im Jahr 2014 waren es 8700, im Jahr 2015 sogar 10.700. Die Zahl der Baugenehmigungen sei noch stärker gestiegen, was auf einen weiteren Anstieg der Bautätigkeit hindeute. Dennoch liege der Neubau aktuell unter der Zahl, die notwendig sei, um die bestehende Lücke am Wohnungsmarkt zu schließen und die neuen Haushalte zu versorgen, so das Fazit.

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