Flüchtlingsunterkünfte

Turnhallen werden noch später frei

Der Zeitplan für den Auszug ist nicht zu halten. Containerdörfer für Flüchtlinge sind erst voraussichtlich erst bis Jahresende fertig.

Viele Flüchtlinge müssen länger in Sporthallen ausharren, als geplant

Viele Flüchtlinge müssen länger in Sporthallen ausharren, als geplant

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Noch immer sind in mehr als 50 Sporthallen in Berlin rund 6800 Flüchtlinge untergebracht. Beim Freizug der Hallen kommt es zu Verzögerungen, der ursprüngliche Zeitplan muss verändert werden. Zwar wurden am Freitag und Sonnabend die Jahn-Sporthalle am Columbiadamm (Neukölln) und die Turnhalle der Grundschule am Hohen Feld in Pankow geräumt, doch war das eigentlich schon im Juni vorgesehen.

Nur eine der neun für Juli terminierten Hallen wird frei

Anfang Juni hatten Flüchtlingsstaatssekretär Dieter Glietsch und Sozialstaatssekretär Dirk Gerstle im Rat der Bezirksbürgermeister ein entsprechendes Konzept vorgestellt. Dieser Zeitplan sah vor, dass im Juli neun Turnhallen freigezogen werden. Nach Angaben der Senatssozialverwaltung wird aber nur eine davon tatsächlich in diesem Monat geräumt werden können, die Halle des Oberstufenzentrums Bautechnik an der Nonnendammallee (Spandau). Dort sind derzeit noch rund 200 Menschen untergebracht, die in zwei Wochen in die ehemalige Kaserne an der Schmidt-Knobelsdorf-Straße umziehen sollen. Die übrigen acht Hallen sollen im August folgen.

Für den August war aber ursprünglich der Freizug von 16 weiteren Hallen geplant. Experten in der Verwaltung gehen inzwischen davon aus, dass das nicht komplett möglich sein wird. Zum einen stünden nicht ausreichend Plätze in anderen Unterkünften zur Verfügung, zum anderen sei eine so große Zahl von Umzügen innerhalb eines Monats „logistisch nicht zu stemmen“.

Containerquartiere sollten gestaffelt bis Oktober fertig sein

Dieter Glietsch hatte bereits im Juni betont, dass die entscheidende Voraussetzung für die Räumung jeder Halle die Verfügbarkeit alternativer Unterbringungsmöglichkeiten sei. Doch auch beim Bau der neuen Containerquartiere für Flüchtlinge musste der ursprüngliche Zeitplan nach hinten verschoben werden.

Noch im April hieß es, dass die „Pilotprojekte“, also die ersten beiden Containerdörfer an der Zossener Straße in Marzahn-Hellersdorf und am Bahnweg in Treptow-Köpenick mit insgesamt rund 1000 Plätzen Ende Juni fertiggestellt seien. Dieser Termin wurde im Mai auf Ende Juli verlegt. Sie sollen dann Anfang August bezogen werden. Die übrigen fünf Quartiere der ersten Staffel mit insgesamt 3500 Plätzen sollen nun gestaffelt bis Mitte September fertiggestellt sein.

Insgesamt sind 30 Containerquartiere für rund 14.000 Asylbewerber geplant. Im Frühjahr war noch vorgesehen, dass alle bis Mitte Oktober errichtet sein sollen, inzwischen nennt die landeseigene Berliner Immobilienmanagement als Zeitrahmen „bis Jahresende“.

Neue Gemeinschaftsunterkünfte in zwei Verwaltungsgebäuden

Die Sozialverwaltung will zudem, zum 1. August ein ehemaliges Verwaltungsgebäude an der Heerstraße anmieten und als Gemeinschaftsunterkunft für rund 400 Flüchtlinge in Betrieb nehmen. Der Betreibervertrag sei jetzt ausgeschrieben, über die Vergabe werde noch im Juli entschieden, sagte Staatssekretär Gerstle der Berliner Morgenpost.

Eine weitere Gemeinschaftsunterkunft mit mehr als 300 Plätzen soll an der Storkower Straße, ebenfalls in einem ehemaligen Verwaltungsgebäude, eingerichtet werden. Für dieses Objekt ist allerdings dem Vernehmen nach noch kein Mietvertrag abgeschlossen worden Klar ist: Im Juli wird keine neue Flüchtlingsunterkunft bezogen werden können. Nach Morgenpost-Informationen will Dieter Glietsch Anfang kommender Woche einen neuen Zeitplan für den Freizug der Sporthallen vorlegen.

In der seit Freitag wieder leeren Sporthalle am Columbiadamm waren zuletzt noch rund 130 Flüchtlinge untergebracht, darunter etwa 100 alleinreisende Männer. Diese mussten in die Notunterkunft im ehemaligen Flughafen Tempelhof umziehen. Dagegen protestierten knapp 30 von ihnen, einige sollen schließlich unter freiem Himmel vor der Jahn-Sporthalle übernachtet haben.

Mahnwache vor der Jahn-Sporthalle

Am Sonnabendnachmittag hielten nach Angaben der Polizei rund 20 Flüchtlinge sowie acht Unterstützer eine Mahnwache vor der Sporthalle ab. Zu Zwischenfällen sei es aber nicht gekommen. Ohne Proteste verlief nach Angaben der Sozialverwaltung der Auszug von knapp 190 Flüchtlingen aus der Pankower Sporthalle am Sonnabend. Die Menschen wurden in anderen Unterkünften in Pankow sowie in der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau untergebracht.

Die Sozialverwaltung muss nach Morgenpost-Informationen im Juli noch einen weiteren großen Auszug bewältigen. Die Messehalle 26 am Funkturm, in der derzeit rund 600 Flüchtlinge untergebracht sind, muss im Juli freigemacht werden. Sie wird für die Vorbereitung der Internationalen Funkausstellung im September benötigt.