Versicherungsbetrug

Mann provoziert Autounfälle in Berlin - Bewährungsstrafe

Der 44-jährige Ahmet H. besserte mit Karambolagen sein Konto auf und kassierte mehr als 30.000 Euro. Das brachte ihn vor Gericht.

Verkehrsunfall auf einer Berliner Kreuzung (Archivbild)

Verkehrsunfall auf einer Berliner Kreuzung (Archivbild)

Foto: imago/snapshot

Begonnen haben soll alles mit einem echten Unfall. Er habe später von der Versicherung des Unfallgegners Geld bekommen, sagte Ahmet H. vor einer Moabiter Strafkammer. Da sei ihm die Idee gekommen, Unfälle zu provozieren. Das Gericht verurteilte den 44-Jährigen am Freitag wegen gefährlichen Eingriffes in den Straßenverkehr, Sachbeschädigung und Betruges zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Karambolagen aufgelistet, die Ahmet H. bewusst provoziert haben soll. Abgespielt hatten sie sich ausnahmslos im Bezirk Hellersdorf. Ahmet H. arbeitete dort als Kellner und wohnte auch in der Nähe. Er kannte sich aus und wusste, wo die Situation im Straßenverkehr unübersichtlich ist. Mal gab er plötzlich Gas, nachdem er zuvor dem anderen Autofahrer suggerierte, er würde ihn vor sich auf die Spur lassen.

Eine andere Variante war, auf einer abbiegenden Hauptstraße plötzlich abzubiegen, ohne den Blinker gesetzt zu haben. Wenn es krachte, bekam er fast jedesmal Recht - und kassierte Geld für den Schaden an seinem Wagen, Geld für den Nutzungsausfall und mehrfach auch Schmerzensgeld. Insgesamt mehr als 30.000 Euro. Den Schaden am eigenen Autos - anfangs ein Opel Omega, später ein alter Mercedes - ließ er nur notdürftig reparieren.

Das Geld brauchte er für die Wohnungseinrichtung

Als Motiv gab Ahmet H. Geldnot an. Er lebt seit dem Jahr 2000 in Berlin. Während einer Reise nach Ägypten lernte er eine Landsfrau kennen, und heiratete sie. 2007 zog sie mit den beiden gemeinsamen Kindern zu ihm nach Berlin. Die Frau habe ganz andere Vorstellungen von seinem Einkommen gehabt, sagte er vor Gericht. Schon das Einrichten der neuen großen Wohnung habe ihm große Probleme bereitet. So sei er schließlich auf die Idee mit den Verkehrsunfällen gekommen. „Und dann wurde ich zunehmend gieriger“, sagte er, „auch weil es so problemlos lief.“

2008 hörte er damit auf. Mit der Frau lebt er jetzt in Scheidung. Nur zu den Kindern hat er noch Kontakt. Er habe seitdem auch nie wieder Straftaten begangen, beteuerte er.

Das Gericht hielt ihm sein Geständnis zugute; ebenso die lange Zeit zwischen Ermittlungsverfahren und Prozess. Die Akten hätten zunächst ewig bei der Staatsanwaltschaft gelegen, später auch sehr lange bei der Strafkammer, für die Haftsachen dringlicher seien, sagte die Richterin. Deswegen muss H. im Falle eines Verstoßes gegen seine Bewährungsauflagen auch nur ein Jahr und sieben Monate Haft verbüßen; fünf Monate gelten wegen der rechtsstaatswidrigen langen Verfahrensdauer als abgegolten.