Unfallrisiken

Schutz für Radfahrer: Polizei kontrolliert Autofahrer

Die Berliner Polizei startet an diesem Montag eine großangelegte Aktion für mehr Rücksicht auf Radfahrer im Stadtverkehr.

Von Montag an wird die Berliner Polizei mit einer fünftägigen Schwerpunktaktion ihr Hauptaugenmerk auf den Schutz von Radfahrern richten. „In der gesamten Stadt wird das fehlerhafte Verhalten von Kraftfahrern gegenüber Radfahrern überwacht“, kündigte die Polizei am Freitag an. In Berlin sind in diesem Jahr 25 Menschen bei Verkehrsunfällen getötet worden. Davon waren jeweils acht Radfahrer und Fußgänger, drei Motorrad- oder Rollerfahrer sowie sechs Fahrer oder Insassen von Autos. Zuletzt starb ein 34-Jähriger nach einer Kollision mit anderen Radfahrern in der Holzmarktstraße in Mitte.

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Fehlerhaftes Abbiegen durch Kraftfahrzeuge an Kreuzungen und Einmündungen sei mit weitem Abstand die Hauptunfallursache für Verkehrsunfälle, bei denen Radfahrer schwer oder gar tödlich verletzt werden. „Ein typisches Fehlverhalten ist die unaufmerksame und leichtsinnige Fahrweise gegenüber in gleicher Richtung fahrenden Radfahrern. Allein im vergangenen Jahr wurden dabei insgesamt 734 Radler verletzt und drei getötet“, sagte ein Polizeisprecher.

Die größte Gefahr stellt der sogenannte tote Winkel dar, also die Tatsache, dass Radler von Lkw-Fahrern dicht neben dem Fahrzeug oft nicht gesehen werden. Die Polizei rät Radfahrern, Abstand zu Lastwagen zu halten und möglichst Blickkontakt mit den Fahrern aufzunehmen. In jedem Fall sollte nicht im toten Winkel gefahren und auch nicht damit gerechnet werden, gesehen zu werden.

Alle zwei Stunden verunglückt in Berlin ein Radfahrer

An einer roten Ampel ist es laut Polizei für Fahrradfahrer immer besser, hinter dem Lkw oder weit davor auf „Grün“ zu warten. Zudem ist zu beachten, dass die Hinterräder eines Lkw und deren Anhänger einen engeren Kurvenradius nehmen, als die Zugmaschine.

Auch aus der häufig eingeschränkten Sicht durch Dekorationsartikel wie Wimpel, Bilder oder Gardinen vor den Fenstern und Spiegeln von Lastwagen und Bussen resultieren nach Polizeiangaben immer wieder folgenschwere Verkehrsunfälle. Derartige Verstöße werden ebenfalls geahndet. „Die Bilanz einer vergleichbaren Aktion Anfang April diesen Jahres, bei der insgesamt 1447 Kraftfahrer beim fehlerhaften Abbiegen festgestellt wurden, zeigt die Notwendigkeit, hier weiterhin einen Überwachungsschwerpunkt zu setzen, um die Verkehrsteilnehmer zu sensibilisieren, sich insbesondere beim Abbiegen verantwortungsbewusst und vorschriftsmäßig zu verhalten“, teilte die Polizei weiter mit.

Alle zwei Stunden verunglückt in Berlin im Schnitt ein Radfahrer bei einem Verkehrsunfall. Eines der Hauptprobleme ist auch, dass Radfahrer zunehmend rote Ampeln ignorieren. In der Unfallbilanz der Polizei für die Monate Januar bis April 2016 ist mit 49 Rotlichtverstößen von Radfahrern ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen war. Damals waren es 33 Fälle.

Bei etwa 42 Prozent der Radfahrerunfälle sind laut Polizei andere Verkehrsteilnehmer die Unfallverursacher. Stark zugenommen haben seit Jahresbeginn Fehler beim Überholen, zumeist durch zu geringen Seitenabstand. 50 Fällen von Januar bis April in diesem Jahr standen ein Jahr zuvor 42 Fälle gegenüber, ein Anstieg von 19,1 Prozent.