Jugendmesse YOU

Ja, es gibt für Jugendliche auch ein Leben ohne Handy

Am Freitag beginnt die Jugendmesse "YOU". Unsere Autorin hat Jugendliche gefragt, wie sie mit Medien umgehen.

Sie sind gern in der analogen und in der digitalen Welt unterwegs: Luca, Onur, Ayca, Philip und Yasemin (v.l.)

Sie sind gern in der analogen und in der digitalen Welt unterwegs: Luca, Onur, Ayca, Philip und Yasemin (v.l.)

Foto: Reto Klar

Am Freitag beginnt wieder die „YOU“ – eine dreitägige Leitmesse für Jugendkultur. Die Veranstaltung präsentiert vom 8. bis 10. Juli ein sommerliches Outdoor-Programm auf dem Berliner Messegelände: Ein 1000 Quadratmeter großer Event-Pool bietet Erfrischung und Spaß. Neben dem Summer Opening der Wake-Masters findet hier eine große Wasserschlacht statt. Die Sportler vom Schwimm-Club Wedding 1929 e. V. zeigen, wie spannend Wasserball ist. Auch die große NERF-Tour legt einen Stopp im Sommergarten ein und präsentiert die „Super Soaker Wipeout Challenge“.

Auf der Messe sollen insbesondere 14- bis 22-Jährige angesprochen werden. Die sogenannte Generation Z. Also grob gesagt all diejenigen, die zwischen Mitte der 90er-Jahre und 2010 geboren wurden und mit Digitalem aufgewachsen sind wie keine Generation zuvor. Schon der flüchtige Blick auf einen Pausenhof verrät, dass heute so ziemlich jeder ein Smartphone nutzt. Statistiken bestätigen diesen Eindruck und geben an, dass rund 49 Millionen aller Deutschen so ein Ding besitzen.

Fußballspielen, Tanzen und Lesen sind genauso wichtig

Mittlerweile ist so ein kleines Gerät fast wie ein zweites Herz, ohne das man nicht mehr richtig funktionieren kann, und wohl auch nicht will. Wer aber denkt, dass sich Jugendliche ausschließlich für Digitales interessieren, der irrt. Die 16-jährige Ayca geht in die 11. Klasse des Lessing-Gymnasiums in Mitte und liebt es, Reclamhefte zu lesen, sich in der dortigen Welt und Nostalgie zu verlieren. Onur (18) spielt in seiner Freizeit vor allem Fußball, und die Leidenschaft der 18-jährigen Yasemin ist das Tanzen. Sportliche wie geistige Betätigungen sind für sie ein Weg zum authentischen Erleben. Ayca will etwas schmecken, fühlen oder riechen, bevor sie darüber urteilt. „Ein Foto auf Instagram von einem grünen Smoothie ist ja schön, gibt mir aber nicht viel.“

Sie alle registrieren sehr wohl, wie wichtig so ein analoges Dasein ist. „Natürlich macht es einen Unterschied, ob man mit seinen Freunden bei WhatsApp chattet oder sie persönlich trifft“, sagt Luca (16). Verteufeln wollen sie den ständigen Austausch trotzdem nicht. Ayca sagt, dass ihr ohne das Handy vor allem die Kommunikation mit ihren Freunden fehlen würde. „Als Jugendlicher“, bemerkt Tarkan, „stellt man sich ja irgendwann die Frage: Wie will ich leben? Praktisch ist es natürlich, dem zu folgen, was alle tun. So geht man kein Risiko ein.“ Auch Onur sagt, dass es fast riskant sei, den Mainstream zu verlassen: „Weil es zu Konflikten führen kann – Ausstoßung, Einsamkeit, Diskussionen.“ Das merke man schon bei denen, die kein Smartphone besitzen: „Für manche ist das Grund genug, denjenigen auszugrenzen“, sagt Tarkan.

Schüler bemängeln das Fehlen von bedeutenden Subkulturen

Die Schüler sehen auch sich als Teil dieses Hauptstroms – eines Stroms ohne bedeutende Subkulturen, wie sie bemängeln. Das Raster: Markenkleidung, Detox, digitale Selbstdarstellung. Alle gleichen sich irgendwie an, weil sie an dem demokratischen Ort namens Internet Ähnliches konsumieren, um sich politisch zu bilden und den Geist zu füttern.

Und das betrifft mittlerweile Jung wie Alt. Denn Kinder erklären ihren Eltern sämtliche Möglichkeiten im Internet, und über WhatsApp sendet heute auch die 75-jährige Oma Emoticons. Soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook, der Fotodienst Instagram oder Snapchat werden in den Feuilletons nicht mehr als Phänomene der Jugendkultur analysiert, und seriöse Medien nutzen diese Tools nun sogar selbst.

Mittlerweile sind auch Eltern ständig mit dem Handy beschäftigt

Viele junge Menschen sind dauerhaft online, heißt es ständig, aber genau so tun das eben auch viele Erwachsene. Ayca zum Beispiel erzählt von einem Familiengeburtstag: „Wir wollten zusammen spielen, aber alle waren mit ihren Smartphones beschäftigt. Mein Vater beschwert sich immer, dass wir Kinder nur am Handy seien – dabei ist er das mittlerweile selber.“ Luca bestätigt, dass auch sie ihre Eltern manchmal auffordert, bitte mal das Ding wegzulegen.

Mit dieser Kanalisierung von Generationen fragt man sich deshalb auch: Gibt es heute überhaupt noch eine klar umrissene Jugendkultur, die durch Merkmale nur die jungen Menschen der Gesellschaft abbildet, wenn es nicht der Mainstream sein soll? Onur mutmaßt, ein Punkt sei vermutlich die Sprache: „Mit gewissen Codes bildet man ja Gruppen – ich würde mich schon wundern, wenn mein Vater ‚Digga‘ zu mir sagen würde.“

Live-Bühnenshow und ein großes Sportvillage

Nicht nur die Sprache, auch die Musik bleibt den jungen Leuten auf der „YOU“ vorbehalten. Eine Live-Bühnenshow mit der JAM FM DJ Crew und den Moderatoren, mit Games und Party soll für Stimmung sorgen. Geschwindigkeit und Adrenalin sind auf der Formel-10-Kartbahn garantiert. Das Internationale Deutsche Turnfest Berlin 2017 organisiert ein großes Sportvillage, wo Jugendliche die verschiedenen Trendsportarten ausprobieren können. Ein Publikumsmagnet sind die täglichen BMX-Flatland-Shows, bei denen internationale Profis ihre Tricks mit dem BMX-Rad auf der ebenen Fläche zeigen. Für alle Fans gibt es im Anschluss angeleitete Workshops. Wer seine Fußballkünste zeigen möchte, kann in den Soccer-Court von Hertha BSC steigen oder sich an der Torwand zahlreiche Fanartikel erspielen. Das könnte dann auch Onur, der gern Fußball spielt, interessieren.