„Call a Bike“-Konkurrenz

Berlin bekommt bis zu 5000 Leih-Fahrräder

„Call a Bike“, das Rad-Leihsystem der Bahn, bekommt Konkurrenz. Nach einer Testphase soll im Frühjahr 2017 Nextbike an den Start gehen.

Ralf Kalupner (rechts), Geschäftsführer von Nextbike,, und Umweltsenator Andreas Geisel (SPD)

Ralf Kalupner (rechts), Geschäftsführer von Nextbike,, und Umweltsenator Andreas Geisel (SPD)

Foto: Paul Zinken / dpa

Auf der Straße vor dem Amtssitz von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) am Köllnischen Park in Mitte stehen noch die Räder des alten Anbieters. Doch die Tage des Leifahrradsystems „Call a bike“ sind in Berlin gezählt. Zumindest als vom Senat gefördertes Verleihsystem. Wenige Meter neben den rot-silberfarbenen Rädern haben sich schon die Nachfolger postiert: Auch in Silber, sonst aber in Hellblau mit der weißen Aufschrift „Nextbike“. Der gleichnamige Leipziger Anbieter wird, wie berichtet, künftig das öffentliche Leihfahrradsystem für die Hauptstadt übernehmen und ausbauen.

Nach dem Abschluss eines über eineinhalb Jahre gehenden Vergabeverfahrens im Juni haben am Dienstag Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) und Nextbike-Geschäftsführer Ralf Kalupner einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet. Dieser hat eine Laufzeit von fünf Jahren ab dem 1. August mit einer Verlängerungsoption für weitere drei Jahre.

Von dem neuen Anbieter erhofft sich der auch für Verkehr zuständige Senator Geisel einen deutlichen Schub für die Fahrradnutzung in der Stadt. Denn anders als etwa in Paris, Barcelona oder auch Hamburg fristet das Leihfahrradsystem in Berlin ein eher kümmerliches Dasein. Vor allem Autofahrer und Berufspendler will der Senator den Umstieg auf umweltfreundliche öffentliche Verkehrsmittel schmackhaft machen.

Da könnte das Leihfahrrad eine wichtige Hilfe sein. „Es geht um die letzten Meter vom Bahnhof zur Arbeit, zum Einkauf oder nach Hause“, so Geisel. Diese letzten Meter könnten dann eben schnell und komfortabel mit dem Rad zurückgelegt werden, so die Überlegung des Verkehrssenators. Damit dieser Plan aufgeht, bedarf es jedoch eines möglichst dichten Netzes von Radausleihstationen vorzugsweise in der Nähe von Bahnstationen und U-Bahnhöfen.

Das Ziel: 5000 Fahrräder an 700 Ausleihstationen

Nextbike will das Angebot im Vergleich zum Vorgänger kräftig ausbauen. Bietet Call a bike derzeit 1500 Räder an 500 Stationen an, will Nextbike beim sogenannten Systemstart im Frühjahr 2017 mit 2000 Leihrädern ins Rennen gehen, die an 200 Standorten aufgestellt werden. In den darauffolgenden zwei Jahren, so die jetzt mit dem Senat geschlossene Vereinbarung, soll die Zahl der Leihräder auf 5000 und die Zahl der Verleihstationen auf 700 steigen.

Der Senat fördert das Vorhaben mit insgesamt 7,5 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren. Das ist ein Zuschuss von 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Die Summe liegt rund 500.000 Euro über dem Betrag, den der Senat bis 2014 an Call a bike an Förderung gezahlt hat.

Die Bahntochter hatte ihr Angebot in Berlin auch nach Auslaufen der Förderung auf eigene Kosten fortgeführt, allerdings nicht mehr groß investiert. Call a bike kann seine Räder und auch die Aufstellanlagen aus Betonklötzen behalten, muss aber bis Jahresende die genutzten Aufstellplätze räumen. Ob an gleicher Stelle nun der Anbieter Nextbike seine wesentlich filigraneren Stationen aufbauen wird, ist noch offen.

Testbetrieb startet mit 50 Rädern

Dazu werde es jetzt Gespräche mit den Bezirken geben, sagte Julius Menge, Projektleiter in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Bevor es – voraussichtlich Ende März – mit dem neuen Leihfahrradsystem so richtig losgeht, wird es erst einen Testbetrieb mit 50 Fahrrädern geben. Dieser werde ab Herbst in Lichtenberg gestartet, so Geisel. Lichtenberg wurde nicht etwa ausgewählt, weil der Senator von dort stammt, sondern weil der Bezirk sich besonders intensiv darum beworben habe.

An den Details des Tarifsystems wird noch gearbeitet. Fest steht: Es soll zum einen Abonnement-Möglichkeiten geben, zum anderen soll auch eine spontane Ausleihe der Räder möglich sein. Ein Jahres-Abo wird laut Nextbike-Chef Kalupner 50 Euro kosten. Mit Zahlung der Grundgebühr ist dann die erste halbe Stunde pro Radausleihe inklusive, jede weitere halbe Stunde kostet zusätzlich 1,50 Euro.

Sogar Monatsabos sollen möglich sein

Für Inhaber von Jahreskarten der BVG oder der S-Bahn soll sogar eine dreiviertel Stunde Fahrradfahren ohne Zusatzkosten sein. Auf eine Anmeldegebühr, wie sie von Call a bike verlangt wird, will Nextbike verzichten. Möglich sollen auch Monats-, Wochen- oder sogar Tages-Abos sein.

Deutlich einfacher als bisher soll die Radausleihe werden. Laut Nextbike kann das Rad mit der Kreditkarte, mit dem Bezahlsystem Paypal oder – nach einmaliger Registrierung – per Smartphone gebucht werden. Einmal registriert, könnten Nextbike-Räder weltweit ausgeliehen werden, wirbt Kalupner für eine Anmeldung.

Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen bereits in 18 Ländern auf vier Kontinenten präsent, darunter in Warschau und auch im nahen Potsdam. Berlin sei aber von Größe und Bedeutung das künftige Referenzobjekt. Daher werde Nextbike mit einen Teil seiner Mannschaft, darunter dem Vertrieb, in die Hauptstadt umziehen.