Prozess in Potsdam

Staatsanwaltschaft vermutet weitere Verbrechen von Silvio S.

Mordprozess am Landgericht Potsdam: Gegenüber einer Beamtin gestand Silvio S. den Mord an den Jungen Elias und Mohamed.

Asservate im Verhandlungssaal

Asservate im Verhandlungssaal

Foto: Michael Mielke

Es geht um zwei Morde im Prozess gegen den 33-jährigen Silvio S. vor dem Schwurgericht in Potsdam. Die Staatsanwaltschaft ist jedoch keinesfalls sicher, dass der sechsjährige Elias und der vierjährige Mohamed die einzigen Opfer sind. Oberstaatsanwalt Peter Petersen kündigte am Dienstag an, dass mögliche weitere Fälle von vermissten und getöteten Kindern überprüft werden. Ein Verfahren sei bereits in die Wege geleitet worden. Nach Abschluss des Prozesses soll ein Bewegungsprofil von Silvio S. erstellt und bundesweit mit Vermisstenfällen abgeglichen werden.

Im laufenden Mordprozess vor dem Schwurgericht standen am siebten Verhandlungstag die Aussagen von Polizisten im Mittelpunkt, die an den Ermittlungen unmittelbar nach der Festnahme von Silvio S. am 29. Oktober 2015 beteiligt waren. Eine Beamtin des Berliner Landeskriminalamtes berichtet von einem umfangreichen Geständnis. Zu Beginn der Vernehmung habe sie ihn gefragt, wie er sich fühle. „Eher schlecht“, sagte er. Und auf ihre Nachfrage, warum das so sei: „Weil man das nicht macht. Man tötet keine Menschen.“ Silvio S., so die 44 Jahre alte Beamtin, habe dabei ruhig und gefasst gewirkt. Er habe anschließend auch sehr sachlich geschildert, wie er Mohamed vom Gelände des Lageso entführte, mit dem Kind nach Hause fuhr, es sexuell missbrauchte und später tötete.

Anfangs, so Silvio S., habe das Kind an sexuellen Handlungen – wie Streicheln – angeblich sogar Gefallen gefunden. Das will der Angeklagte daran festgemacht haben, dass sich der Vierjährige nicht wehrte. Gegen andere Praktiken wie Oralverkehr habe sich das Kind jedoch gesträubt. Und es habe, so Silvio S. „nach der Mama gequakt“. Er habe sich darüber geärgert, sei „grantig“ geworden und habe den Kleinen mit seinem Gürtel erdrosselt.

Was er dabei gedacht habe, wie sein Gefühl gewesen sei, als er den Vierjährigen strangulierte, fragte die Beamtin. Er habe geantwortet: „Das musste sein, weil ich ihn nicht ruhig bekommen habe und er so rumgequengelt hat. Ich musste ja zur Arbeit.“

Die Beamtin fragte Silvio S. auch, seit wann er auf kleine Jungs stehe. Er soll gegrinst und erwidert haben: „Was hat das denn mit kleinen Jungs zu tun?“ Nach Beobachtungen eines anderen Vernehmungsbeamten soll Silvio S. immer wieder gegrinst haben, wenn sexuelle Handlungen thematisiert wurden. Zeitweise habe er es auch „sichtlich genossen“, bei dieser Befragung in Anwesenheit einer Protokollantin, seines Verteidigers Mathias Noll und der beiden Polizisten im Mittelpunkt zu stehen.

Ob er den Namen des getöteten Kindes kenne? - "Ja, Elias"

Nach einer Unterbrechung der Vernehmung hatte Silvio S.’ Verteidiger Noll damals überraschend mitgeteilt, dass er von seinem Mandanten gerade erfahren habe, dass es einen zweiten Toten gebe. Die Polizistin hatte das bei der Fortsetzung der Vernehmung sofort aufgegriffen und Silvio S. sehr direkt gefragt, ob er tatsächlich noch einen weiteren Menschen getötet habe. Er bejahte das. Sie fragte, „Erwachsener oder Kind?“ Er antwortete: „Kind.“ Ob er den Namen kenne? „Ja, Elias.“ Woher er das wisse? Das habe der Junge ihm gesagt, und er habe ja später auch die Plakate mit den Suchbildern gesehen, auf denen der Name Elias stand. Wie er den kleinen Elias tötete, kann bisher nur von Sachverständigen rekonstruiert werden. Silvio S. hat sich dazu noch nicht geäußert.

Silvio S.’ Verteidiger Noll stellte nach der Festnahme seines Mandanten fest, „eine Schuldunfähigkeit sei augenscheinlich“. Er mache einen sichtlich verwirrten Eindruck. Der psychiatrische Sachverständige Matthias Lammel kam zu einem anderen Ergebnis und attestierte S. in einem vorläufigen Gutachten volle Schuldfähigkeit. Vor Gericht soll der renommierte Gutachter voraussichtlich am nächsten Dienstag gehört werden.