Gewalt in Berlin

Trio prügelt Frau mit Armleuchter - wegen der „Familienehre“

Eine hintergangene Frau richtet mit Angehörigen eine 20-Jährige übel zu, weil diese ein Verhältnis mit ihrem Mann gehabt haben soll.

 Das neubarocke Gebäude des Kriminalgerichts Moabit

Das neubarocke Gebäude des Kriminalgerichts Moabit

Foto: Jens Kalaene / dpa

Vor genau einem Jahr verschafften sich zwei Frauen und ein Mann gewaltsam Zugang zu einer Wohnung in Wedding und misshandelten die Mieterin. Was zunächst nach einem Einbruch aussah, erwies sich schnell als perfider Racheakt in einem Familienkonflikt. Der Mann und die ältere der beiden Frauen warten noch auf ihren Prozess, die Jüngste aus dem Trio, eine 19-Jährige, muss sich seit Montag vor einer Jugendkammer des Landgerichts Moabit verantworten.

Am Vormittag des 10. Juli 2015 brach das Trio laut Anklage die Wohnungstür des noch schlafenden Opfers auf. Der Grund für den „Besuch“: Die Mieterin soll ein Verhältnis mit dem Ehemann der älteren der beiden an der Tat beteiligten Frauen gehabt haben. Nach dem Verständnis der Eindringlinge ein unverzeihlicher Angriff auf die Ehre der Familie der betrogenen Ehefrau. Zu der gehört auch die 19-Jährige, sie ist die Nichte der Hintergangenen. Wie man im Milieu der ursprünglich aus Serbien stammenden Familie auf einen solchen Affront reagiert, machen die Einzelheiten der am Montag verlesenen Anklage deutlich.

Die Eindringlinge gingen sofort auf ihr Opfer los. Der an der Tat beteiligte Mann soll etwa 20-mal mit einem massiven Kerzenleuchter auf die Frau eingeschlagen haben, so lange, bis der Leuchter völlig verbogen war. Außerdem soll versucht worden sein, der 20-Jährigen mit einem Elektrorasierer den Kopf zu scheren. Die brutal attackierte Frau erlitt zahlreiche Verletzungen, unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma.

„Die Frau hat meiner Verwandten viel Leid angetan“

Einbruch, Nötigung, gefährliche Körperverletzung – die Begriffe, die die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beim Vortrag der Anklageschrift verwendet, vermögen die 19-Jährige nicht so recht zu beeindrucken. Der Verteidiger verließt eine Erklärung, in der die junge Frau ihre Tatbeteiligung weitgehend gesteht. Zugleich aber andeutet, das Opfer habe letztlich bekommen, was es verdiene. „Die Frau hat meiner Verwandten viel Leid angetan“, heißt es in ihrer Erklärung. In der ist stets die Rede von ihrer „Verwandten“, nicht von der Tante, die offenbar die treibende Kraft hinter dem Racheakt war. Denn zur Wahrung der Familienehre gehört es auch, Angehörige nicht zu belasten.

Die vom Verteidiger verlesene Erklärung wirkt wie die Schilderung eines harmlosen Besuchs zur Klärung einer Familienangelegenheit. Geht es in den Äußerungen um die beiden Mittäter, ist von ihren „Begleitern“ die Rede. Und dann die Bezeichnung Einbruch, die erscheint ihr doch stark übertrieben. Sowohl die Wohnungstür als auch das Schloss seien schon arg in Mitleidenschaft gezogen gewesen, da habe es nicht gerade sonderlich großer Gewalt bedurft, um in die Wohnung zu gelangen.

Auch die eigene Tatbeteiligung sieht die 19-Jährige eher als gering an. Ja, sie habe auch einige Male zugeschlagen, heißt es in der Erklärung. Aber insgesamt sei sie dabei gewesen, um beruhigend einzugreifen, wenn es ihre „Begleiter“ allzu heftig trieben. Der Prozess wird am 11. Juli fortgesetzt.