Unterdurchschnittlich

Nur jeder neunte Berliner bildet sich weiter

Laut einer Bertelsmann-Studie liegen die Hauptstädter unter dem bundesweiten Durchschnitt. Baden-Württemberg und Hessen Spitzenreiter.

Weiterbildungsseminar

Weiterbildungsseminar

Foto: dpa-tmn / dpa

Berlin.  Jeder achte Deutsche über 25 Jahren nimmt mindestens einmal pro Jahr an einer Weiterbildung teil. Das geht aus dem aktuellen „Weiterbildungsatlas“ der Bertelsmann Stiftung hervor, der der Berliner Morgenpost vorliegt. Die Teilnahmequoten bei Kursen und Lehrgängen klaffen dabei regional weit auseinander: Während sich im brandenburgischen Landkreis Prignitz nur jeder 34. Einwohner jährlich fortbildet, ist es im hessischen Darmstadt jeder vierte. In Berlin ist es etwa jeder Neunte.

„Weiterbildungschancen in Deutschland sind regional zu ungleich verteilt“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. „Damit wird Chancengerechtigkeit bei beruflichem und sozialem Aufstieg eingeschränkt.“

Erstmals liegen jetzt mit den Daten für das Jahr 2013 auch die Werte für sämtliche Kreise und kreisfreie Städte in Deutschland vor. Doch bereits der Blick auf die 16 Bundesländer zeigt, wie sehr Weiterbildung vom Wohnort abhängt: Deutlich über dem deutschen Durchschnitt (12,3 Prozent) liegen die Länder Baden-Württemberg (14,8) und Hessen (14,6). Dahinter folgen Rheinland-Pfalz (12,8), Bayern (12,6) und Thüringen (12,4). Unter dem Durchschnitt liegen etwa Hamburg (12,1), Berlin (10,8) und auch Nordrhein-Westfalen (10,4). Bundesweit ging die Teilnahmequote zwischen 2012 und 2013 sogar um 0,3 Prozent zurück.

„Insgesamt hat Deutschland bei der Weiterbildung noch viel Luft nach oben“, sagte Marvin Bürmann, Weiterbildungsexperte der Bertelsmann Stiftung, der Berliner Morgenpost. „International vergleichende Studien zeigen, dass in skandinavischen Ländern wie Schweden und Finnland deutlich mehr an Weiterbildungen teilgenommen wird. Zuletzt waren sogar bei unseren Nachbarn Dänemark und den Niederlanden die Quoten höher als in Deutschland.“

Die Bertelsmann-Experten gehen davon aus, dass etwa ein Drittel der Unterschiede bei den Weiterbildungsquoten durch die regionale Sozial- und Wirtschaftsstruktur zu erklären ist. Das heißt: Wo die Wirtschaft wächst und die Bevölkerung bereits gut qualifiziert ist, bilden sich auch anteilsmäßig mehr Menschen weiter.